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Antwort an F.

2 Dez

Ich habe vor einiger Zeit eine Postkarte bekommen. Eine ganz besondere. Eine von vielen. Es ist quasi ein Postkarten-Abo. Von einem Menschen, den ich sehr schätze, der mir, trotz Distanz und Abwesenheit, nicht fehlt, da er immer irgendwie bei mir ist. 

Dieses Postkarten-Abo ist einseitig. Ich bekomme, habe aber nie die Möglichkeit zu antworten. Der Absender, der reist durch die Welt. Ein Künstler und Lebenskünstler, der schönsten Sorte. Kaum halte ich eine Karte in meinen Händen kann ich mir sicher sein, dass er schon wieder woanders ist. 

Auf der letzten Karte stand nicht viel Text, dennoch viel Bedeutung: eine Mail-Adresse und eine Aufforderung, die mich Wochen grübeln ließ: “Erzähl mir, was Du in den letzten zehn Jahren so gemacht hast.

Plötzlich gab es diese Einseitigkeit nicht mehr. Da war sie, die Möglichkeit zu antworten, und ich war wortlos. Bis vorhin.

Was ich in den letzten zehn Jahren so gemacht habe? Was ist denn das für eine, verzeih den Ausdruck, bescheuerte Frage? Würden wir bei diesem Fragenschema bleiben, müsste die nächste wohl lauten “Wo sehen Sie sich in zehn Jahren? Und wer sind Sie überhaupt?” Und Du weißt, wie wenig Antwort ich darauf weiß, wie wenig ich jemals darüber wusste.

Nein, natürlich ist es keine bescheuerte Frage. Es ist durchaus eine gerechtfertigte Frage, die ich mehr als gerne zurückgeben werde. Dass Dir das klar war, ist mir natürlich auch klar.

Also, lieber F, was ich in den letzten Jahren so gemacht habe? So gemacht habe ich einiges. Ich hab mal eben so all meine Pflanzen verwelken lassen und sie dann einfach so weggeworfen. Eben so habe ich auch viele Dinge verloren und wenige gefunden. Ich hab einfach so meine Haare wöchentlich in den merkwürdigsten Farben gefärbt, um irgendetwas zu demonstrieren, wobei ich nicht wirklich wusste was eigentlich. Während ich mal eben so fürs Leben gezeichnet wurde, habe ich mich auch einfach mal so fürs Leben bemalen lassen. Ich habe so gearbeitet und so gelebt, ich habe mal so entschieden, mal so. Ich bin gegen so Wände, aber auch gegen meine Grenzen gelaufen. Gelaufen bin ich übrigens viel, mal weit, mal weg, mal in die falsche Richtung, mal Richtung Abgrund, mal bergauf, dann wieder bergab, manchmal querfeldein, selten jedoch geradeaus. Ich habe Menschen und Entscheidungen getroffen. Mal einfach so etwas riskiert, als Resultat immer etwas gewonnen, auch wenn ich etwas verloren habe.

Ich habe mich in Schlachten geworfen und wie wild gekämpft. Mal gegen Menschen, mal gegen Umstände, ganz oft gegen mich selbst. Ich bin gefallen und habe mich fallen, manchmal sogar hängen gelassen. Ich habe Herzen gebrochen und mir meines brechen lassen. Ich habe Schlussstriche gezogen und Neuanfänge gemalt. Ich habe gelacht, aber selten geweint, gehofft und verzagt. Ich war halt- und rastlos, oft sprachlos, selten jedoch wortlos.

Wenn es um Sitzmöglichkeiten geht, sitze ich gerne zwischen zwei Stühlen. Wenn es um Liegepositionen geht, liege ich gerne richtig. Wenn es um Standpositionen geht, stehe ich gerne voll und ganz dahinter. Manchmal stehe ich aber auch am Pranger, viel öfter jedoch am Schlauch, manchmal vor dem Nichts, am liebsten aber auf dem Sprung.

Was ich so gelernt habe? Nur, weil ich meinen Daumen grün anmale, heißt das noch lange nicht, dass ich einen grünen Daumen habe. Dass ich wirklich, wirklich, nie vor Menschen singen sollte. Dass ich Grenzen nicht als solche erachte. Dass ich lieber zu viel als zu wenig zu verlieren habe, weil das nur bedeuten kann, dass ich viel habe. Dass ich Schuhe ausziehen kann, wenn sie drücken. Dass ich nicht auf die Zeit meines Lebens warten muss, da mein Leben die Zeit meines Lebens ist. Dass, wenn Menschen gehen, sie immer ein Loch in Dir hinterlassen. Dass ich nicht weiß, wie ich mich auf Beerdigungen verhalten soll und es auch nie lernen werde. Dass alles irgendwann zu Ende geht.

Und wenn ich eines wirklich gelernt habe, dann dass das Leben weitergeht. Unaufhaltsam. Es ist wie mit dem Rolltreppenfahren: es geht immer weiter und weiter, auch dann, wenn man fällt. Nichts stoppt, nichts pausiert, nichts bleibt stehen, nur weil Du es gerade tust. Und erst recht nicht dann, wenn Du stehen bleibst, um gegen Dich selbst zu kämpfen. Und vertraue mir, das tat ich.

Weißt Du, ich habe ihn verloren. Und das war der Startschuss, das war der Tag, an dem ich mich verlor. Da war dieses Loch, dieses finstere, tiefe Loch, und ich fiel und wollte fallen, was mir irgendwann zum Verhängnis wurde. Was hätte ich auch tun sollen? Ich wusste es nicht. Ich fand keinen Ausweg, keine Lösung und schon gar keinen Sinn. Und das, was damals bei mir anfing, hat sich dann in mir ausgebreitet, wie ein Lauffeuer. Es war überall in meinem Kopf. Nur das, sonst nichts. Dort habe ich mich eingesperrt, dort musste ich ausbrechen.

Ich glaube heute, dass alles seinen Sinn hat. Auch, wenn mir manchmal die Sicht darauf verwehrt wird. Ich muss vieles auch nicht begreifen, da ich vieles nicht begreifen kann. Aber das ist gut so. Ich verlange das nicht mehr. Ich lebe heute wieder und genieße es. Und ich habe gelernt, dass ich keine Angst mehr vor mir selbst haben muss. Weil ich nur so tief fallen kann, wie ich mich selbst fallen lasse.

Solltest Du tatsächlich nur daran interessiert gewesen sein, was ich in den letzten Jahren so gemacht habe, dann findest Du im Anhang meinen Lebenslauf. Die Löcher darin stehen metaphorisch für die, in die ich über die Jahre gefallen bin.

Und lass Dir gesagt sein, dass ich Dich, bevor Deine Jahre rum sind, noch einmal sehen möchte. In dem Sinne: Lass uns zuhause treffen. Egal, wo zuhause ist. Denn ich glaube, wir sind uns da einig: Wir sind überall zuhause.

Streitkultur 2.0

18 Nov

Ich gebe zu, ich bin sehr streitlustig. Obwohl dieses Wort ja eigentlich zu negativ belastet ist. Was ich damit eigentlich sagen will: Ich streite zwar nicht gerne oft, wenn dann aber gerne. Ich streite laut, ich streite manchmal nicht sonderlich fair, was aber ein anderes Thema ist, und ich streite bis zum bitteren Ende, was meistens entweder einfach bedeutet, dass man sich ausgestritten hat und das Problem aus der Welt geschafft ist.

Aber es soll hier ja nicht um meine Streitkultur gehen.

Könnt ihr euch noch erinnern, ihr wart vielleicht 12-13 Jahre alt und bei einem Freund zu Besuch. Plötzlich kam seine Mutter rein und schrie: “Wieso hast Du Dein Zimmer nicht aufgeräumt? Und wo sind Deine Hausaufgaben? Und wieso hast Du den Müll nicht rausgebracht? Und wieso bist Du eigentlich so ein undankbares Kind?” Was habt ihr gemacht? Genau, den Boden angestarrt und gehofft, dass ihr nicht mit rein gezogen werdet.

Etwas später ist man dann irgendwann bei einem Pärchen zu Besuch und wie das halt so ist, streiten sich Pärchen gerne, selten aber im Beisein von Zeugen. Aber dann passiert es plötzlich doch. Dann schreit die Freundin: “Wieso hast Du den Müll nicht runtergebracht? Und wieso hast Du gestern diese Frau angeguckt? Findest Du sie hübscher als ich? Willst Du etwa mit ihr schlafen?” Woraufhin er nur antworten kann: “Hmpf.” Und ihr, ja, ihr sitzt daneben, macht euch extrem klein auf eurem Stuhl und hofft nichts mehr als, dass ihr nicht mit eingebunden werdet. Wer will schon nach seiner Meinung gefragt werden, wo die eigentlich nichts zu suchen hat.

Was ich hier etwas deutlich demonstrieren versuchte: Ich habe wenig Interesse daran, Zeuge eines Streits zu werden, bei dem ich nicht teilnehme. Nicht mein Streit und schon gar nicht mein Bier.

Nicht ganz so unwohl, aber dennoch Fehl am Platz fühlt man sich, wenn man in die Timeline sieht und sich Leute dort ankeifen. Oder einfach Beleidigungen rausgeworfen werden. Hauptsache jeder sieht es, jeder bekommt es mit. Oh, vielleicht springt ja sogar der ein oder andere Fave dabei raus, vielleicht sogar ein Retweet. Party.

Macht das per DM. Wenn ihr euch nicht folgt, schreibt euch Facebooknachrichten und Mails. Wenn ihr weder auf Facebook miteinander befreundet seid, noch die Mail-Adressen voneinander habt, dann frage ich mich nur eins: Wieso zum Teufel streitet ihr dann überhaupt?

Ich für meinen Teil streite mit Leuten, die ich kenne und schätze. Weil streiten nicht nur bloßes Rumgeschreie und Beleidigen ist, sondern vor allem eins: Problemlösung. Quasi der Sturm nach der berüchtigten Ruhe, auf den wieder eine gewisse Ruhe folgen sollte. Für diese Post-Sturm-Ruhe bedarf es eben eines Sturms.

Wenn ich Leute weder sonderlich mag noch wirklich kenne, interessiert es mich nicht, mich mit denen zu streiten. Da ist mir sogar eine Beleidigung zu viel Energieverschwendung. Und ganz ehrlich, wenn mich jemand beleidigt, der mich nicht kennt, wünsche ich ihm viel Spaß dabei und lache drüber. Weil mich das letztendlich nur zu einem Schluss kommen lässt: der Streitsuchende hat a) Langeweile, b) zu wenig Leben  und c) wohl kaum Freunde. Und wahrscheinlich noch ein absurdes Geltungsbedürfnis, das er nur durch das Beleidigen anderer Individuen artikulieren kann.

In diesem Sinne: Lasst das Streiten oder macht es dort, wo es hingehört: unter vier Augen.

Mel Brooks & ich.

8 Nov

Kennt ihr Mel Brooks? Wenn nicht, dann solltet ihr bitte umgehend eure nächste Videothek Schrägstrich iTunes-Library aufsuchen und euch dort ein paar seiner Filme leihen. Obwohl ihr zumindest Spaceballs kennen solltet. Oder The Producers. Aber ich will euch jetzt nicht vor die Nase halten, wie doof ihr eigentlich seid, dass ihr noch nie was von Mel Brooks gehört habt.

Mel Brooks war an sich sowieso ein sehr intelligentes Kerlchen und sagte auch so intelligente Sachen, die ich mir schon quasi fast auf den Körper tätowieren würde. Aber nur fast, weil das auch zu viel Text wäre und ich, Dank einer Körpergröße von nicht mal 1,60m, ziemlich wenig Körperfläche besitze.
Worauf ich eigentlich hinaus will ist dieses eine Zitat, das mich schon etwas länger verfolgt und auch schon mehrmals in vielen Variationen und Designs meine Wand schmückte:

“Look, I really don’t want to wax philosophic, but I will say that if you’re alive, you’ve got to flap your arms and legs, you got to jump around a lot, you got to make a lot of noise, because life is the very opposite of death. And therefore, as I see it, if you’re quiet, you’re not living. You’ve got to be noisy, or at least your thoughts should be noisy, colorful and lively.”

Was der gute Mister Brooks sagte ist schon sehr wahr. Das fällt mir immer wieder auf. In allen Lebenssituationen und bei allen Menschen. Still da sitzen und nichts machen bringt einen nicht weiter. Dann lieber einmal zu oft die Fresse aufreißen, immer etwas zu weit gehen, etwas zu laut sein, etwas mehr leben.

Ich hab ja gestern schon getwittert, dass es prinzipiell ganz simpel ist und mit es meine ich das Leben: Wenn Du fällst, dann fällst Du. Und dann stehst Du wieder auf und läufst weiter. Simple as that. Ganz ernsthaft. Ich hab mir das dann mal bildlich vorgestellt und merkwürdige mathematische Formeln in meinen Kopf durchgerechnet, die nur für mich Sinn ergeben. Man muss sich nur mal vorstellen, dass Menschen, die wenig wagen meist auch selten hinfallen, ergo einen ziemlich kurzen Weg von A nach B haben, wobei A für Geburt steht und B für Tod. Aber das ist ja eigentlich klar. Bei diesen Leuten ist dieser Weg sehr gerade, weswegen er auch sehr kurz ist. Gerade durch ist ja meist der kürzeste Weg.

Wenn Mensch aber risikofreudig war und oft und gerne mal Fehler gemacht hat, fällt er, bleibt kurz liegen, steht wieder auf und läuft weiter, nimmt Umwege und Abwege, rennt im Kreis und wieder ein Stück zurück. Ergo ist der Weg von A nach B viel länger.

Gut, vielleicht nicht länger, aber erfahrungsreicher und lebendiger, weswegen eigentlich auch länger. Weil man Leben nicht in Zeit, ergo in Jahren, missen sollte, sondern in Erfahrungen, Augenblicken und Momenten. Was uns zum Schluss führt: Sei laut, lebendig, verrückt, waghalsig, aktiv, wahnsinnig, mutig, impulsiv.

Weil es letztendlich darum geht, dass man, wenn man dann mal 80 ist, nicht auf sein Leben zurückblickt und sagt: “Hey, damals, als ich so ein kleiner Mitzwanziger war, damals, diese vier Tage, das war die Zeit meines Lebens.” Man sollte viel mehr sagen: “Hey! Mein Leben! Das war die Zeit meines Lebens. Jeder Tag. Jede Minute. Alles.”

Es gibt kein zurück. Es gibt kein nach vorne.

6 Nov

Es gibt nichts mehr zu sagen. Es gibt auch nichts mehr zu schreien. Nichts mehr, dass wir uns vorwerfen könnten. Nichts, was wir uns noch vorhalten könnten. Nichts, was noch gesagt werden kann, was nicht schon unzählige Male in den Raum geschrieen wurde.

Es gibt nichts mehr. Kein Wir. Kein Uns. Kein Dich & mich. Kein Heucheln einer Freundschaft. Keine Besorgnis. Kein Mitleid. Keine Reue. Zumindest für mich. Denn ich gehe. Heute endgültig.

Weil es nicht mehr weitergehen kann, nachdem Du stehen geblieben bist. Wo, das weißt Du selbst nicht so genau. Wann, das weißt Du auch nicht so wirklich. Wie, das weißt Du schon gar nicht. Ich sehe Dich an und weiß es. Weil ich Dich all die Jahre durchschaut habe, weil ich Dich kennenlernen musste, um Dich so zu kennen, wie ich Dich nicht kennen wollte.

Es gibt kein zurück. Noch weniger gibt es ein nach vorne. Es gibt nichts mehr. Nur etwas Vergangenheit, die den Sprung in die Gegenwart nicht geschafft hat. Und wenn wir ehrlich sind, hat sie auch wenig in der Gegenwart zu suchen. Und wenn wir ehrlicher sind, hat sie noch weniger in der Zukunft zu suchen.

Verzeih mir meine Wortwahl, aber bitte bitte bitte verschwinde. Endgültig. Für immer. Auf ewig.

Über Gehirnzellen, Nasen und die UdSSR.

6 Nov

Gestern also gelernt, dass Nasen nie aufhören zu wachsen, Gehirnzellen sich im Gegenzug aber nie, und ich meine nienienienie, erneuern. Gut, dass Gehirnzellen sich nicht erneuern, wusste ich schon, aber ich wollte es mit euch teilen. Nur zur Vorsorge, wisst ihr? Nicht, dass sich einer von euch irgendwann mal wundert, wo seine Gehirnzellen hin sind und wieso sie nicht zurückkommen.

Dass Nasen niemals aufhören zu wachsen hat mich schon etwas mehr geschockt. Und die Frage aufgeworfen: Was macht Gerard Depardieu in zehn Jahren? Kann er dann noch aufrecht stehen? Und können Nasen größer werden als das Gesicht?

Ich hab gestern noch mehr gelernt, aber das meiste wieder vergessen. Wir haben gestern nämlich Trivial Pursuit gespielt. Die österreichische Version von 1985. Solltet ihr auch mal. Also, euch eine alte Version besorgen. a) weiß man dann viel weniger und das Spiel dauert noch viel länger und b) ist es einfach amüsant zu lesen, dass Finnland auch irgendwie an die UdSSR grenzt. Zumindest hat mich das gestern amüsiert. Nicht die Tatsache. Eigentlich nur, wie schnell das Leben eigentlich fortschreitet und wie schnell sich alles ändert. Eigentlich amüsiert mich das nicht so sehr, wie es mich fasziniert. Leben ist schon ein geiles Ding.

Ich denke ja gerade sowieso sehr viel über das Leben und die Erste-Welt-Probleme nach. Gestern erst habe ich überlegt, ob ich mir lieber einen Kindle oder doch das iPad kaufen soll. Und mich gedanklich damit sicher mehr als eine Stunde befasst, um dann noch mal fünfzehn Minuten darüber zu sprechen. Erste-Welt-Problem-deluxe. Mit Krönchen. Danach für 40€ essen gegangen, um dann noch mal für 30€ im Supermarkt einzukaufen, dazwischen noch mal Kaffee für 5€. Das iPhone, wie ein Kleinkind, immer an der Hand. Zuhause erstmal versucht die Lebensmittel in den bereits vollgestopften Kühlschrank zu quetschen, um 30% der Sachen nächste Woche eh wegzuwerfen. Danach noch am iMac eine Doku geguckt, während ich via MacBook und iPhone all meine Social Networks und Feedreader checkte.

Das Problem an der ganzen Sache ist ja, dass ich diesen Luxus genieße. Und ihn mag. Und süchtig bin. Und ihr kennt das alles. Aber eigentlich kann man auch ohne. Auf Sachen verzichten, die man ohnehin nicht braucht. Aber dazu dann die Tage mehr.

Du willst kündigen, Du bist Arschloch.

1 Okt

Wir schreiben November 2010. Mein alter Handyvertrag ist kurz davor auszulaufen. Ich süchtiges Mädchen habe natürlich schon seit ein paar Monaten einen anderen, weil es da das iPhone gab. Anderer Vertrag, anderes Netz, woho! Anstatt beim alten Anbieter 300€ Kündigungsentgelt zu bezahlen, habe ich eben acht Monate weiter Grundgebühr bezahlt, die 19€ hat man ja gerade noch. Und immerhin besser als 300€.

Im besagten November gehe ich also in den Laden meines Anbieters, nennen wir ihn Rele.Ting. Ich will meinen Vertrag kündigen, vor Ort, so wie man das halt macht. Machte. Das geht im Laden nämlich nicht, nur per Telefon, aber man versichert mir, dass der Vertrag sowieso endet, sobald er ausläuft und ich damit automatisch gekündigt werde. Sollte es anders sein, bekomme ich drei Monate vor Ablauf noch Post. Ich denk mir: “Gut, wartest auf die Post.” Weil ganz ernsthaft? Automatische Kündigung? Bei einem Handyanbieter? Kannste vergessen.

Aber es kommt keine Post. Ich gucke auf meinen alten Vertrag und sehe, dass er noch bis Februar 2011 gültig ist. Es ist mittlerweile Januar 2011. Also rufe ich bei Rele.Ting an. Kein Problem. Um das Gespräch zusammen zu fassen:

Ich so: Ich will kündigen.
Er so, als hätte ich ihm gerade mitgeteilt, dass die Welt explodieren wird und zwar jetzt: WIESO?!
Ich so: Weil mein Vertrag ausläuft.
Er so: Wollen Sie ihn verlängern?
Ich so: Nein, ich will ihn kündigen. Wie ich schon sagte.
Er so, schon so, als würde man ihn beschuldigen, dass die Welt explodieren wird: WIESO?!
Ich so: Weil ich das Recht habe zu kündigen.
Stille.

Dann hin und her. Noch mal achtzehn Wiesos, elf Warums und vier unangenehme Stillen. Bis ich die Worte hörte: “Nun gut, Ihr Vertrag wird gekündigt. In drei Monaten.”

Ich so: wtf? Inkl. der Erzählung von dem Gespräch mit dem Mitarbeiter im Shop von der ich oben schon berichtete.
Er so: Dann haben Sie falsche Informationen.
Ich so: Dann haben Sie inkompetente Mitarbeiter.
Er so: Vielleicht haben Sie Probleme mit Ihrem Gedächtnis.
Ich so: Sie sind aber nicht nett zu Ihren Kundern.
Er so: Sie wollen ja auch keiner mehr sein.

Danach noch einige miese Kommentare von mir, einige von ihm und wir legen auf. Und ich war noch nie so froh einen Vertrag gekündigt zu haben.

Es wird Februar. März. April. Mai. Ich überprüfe meine Kontoauszüge und was sehe ich da? Rele.Ting-Abrechnung. Ich, wutentbrannt und wer mich kennt, weiß wie schön wutentbrannt ich sein kann, laufe in den Rele.Ting-Laden und haue dem Mitarbeiter sämtliche Schimpfwörter um die Ohren, die ich finden kann. Und was sagt er mir?

“Sie haben nicht gekündigt, Sie haben nur gemeldet, dass Sie kündigen wollen.”

Ich habe nur eine Kündigungsabsicht geäußert. Wir fassen zusammen, wenn ich sage, dass ich kündigen will, ist es nur eine Kündigungsabsicht, wenn ich wirklich kündigen will, dann… Ja, genau. Who knows?

Man sagt mir, es gäbe eine spezielle Kündigungshotline bei der man kündigen kann, wenn man bei der normalen Hotline anruft, dann registrieren die Deinen Wunsch nur, scheißen aber drauf. Ich rufe einige Male dort an, aber anscheinend sitzt dort nur einmal pro Woche für etwa fünf Minuten ein Mitarbeiter bei der Hotline und lackiert sich die Nägel, weswegen er nicht rangehen kann.

Ich mache das Ganze also schriftlich und verreise über den Sommer. Da komme ich wieder, checke meine Kontoauszüge und was sehe ich? Ihr könnt’ es auch denken.

Dann gehe ich heute also erneut in den Shop. Da sagt mir der wirklich freundlich Mitarbeiter, dass er das leider kennt und wöchentlich wütende Kunden dort hat. Er kann aber nichts machen, da der Anbieter sagte: “Nee, wir lassen unsere Kunden nicht mehr im Shop kündigen, das wär’ ja zu einfach. Wenn wir’s richtig kompliziert machen, dann wollen die vielleicht gar nicht mehr kündigen! Masterplan!” Und das waren nicht meine Worte. Mit dem Mitarbeiter rufe ich dann bei der Kündigungshotline an. Da stehen wir, 10 Minuten, 20 Minuten, 30 Minuten, 45 Minuten. Jemand geht ran. Shopmitarbeiter gibt mir das Telefon und ich erkläre dem Mitarbeiter halbwegs freundlich mein Problem, worauf ich zu hören bekommen, dass es nicht sein Problem ist, wenn ich zu blöd bin, einen Vertrag zu kündigen, aber dass er das jetzt registriert hat und ich ab 30.Dezember 2011 aus dem Vertrag raus bin. Und legt auf. Kein ‘Auf Wiederhören’, kein ‘Tschüss’, nur angepisstes Gelaber, nur Unfreundlichkeit.

Der freundliche Shopmitarbeiter erzählt mir dann, was der Hotlinemitarbeiter versäumt hat zu sagen: “Sie bekommen in ein paar Tagen Post. Dort wird Ihre Kündigung noch mal schriftlich bestätigt, falls Sie Probleme haben sollten, kommen Sie ruhig noch mal her. Ich helfe Ihnen da schon durch.”

Das war hoffentlich der erste und letzte Teil der Geschichte. Wenn nicht, werdet ihr es lesen, inkl. Live-Tweets und Twitpics von der Gerichtsverhandlung. (Entweder weil ich gerichtlich dagegen vorgehe oder irgendeinen Hotlinemitarbeiter getötet habe.)

5-Minuten-Schokokuchen

6 Aug

Ich hasse mich. Ich hasse mich wirklich. Und ich werde unglaublich fett werden.
Kennt ihr diese Momente, in denen ihr plötzlich so unglaubliche Lust auf was Schokoladiges habt? Vorzugsweise in Kuchenform? Ihr euch dann aber denkt: Nee, ich backe jetzt sicher keinen Kuchen, weil es einfach zu lange dauert? Tja, vorbei ist diese Zeit.

Gehört habe ich davon schon vor einiger Zeit und dachte mir, dass es aber einfach nicht funktionieren kann. Heute bin ich dann zufällig wieder auf das Rezept gestoßen und musste es einfach ausprobieren und wie gesagt, ich hasse mich dafür.

Zutaten für zwei Personen:

  •  4 EL Mehl
  • 5 EL Zucker (brauner oder weißer, was ihr lieber mögt)
  • 2 EL Kakaopulver
  • 1 TL Backpulver
  • 1 Ei
  • 3 EL Milch
  • 3 EL geschmolzene Butter
  • eine Prise Salz
  • etwas Vanillezucker
Mehl, Zucker, Kakaopulver, Backpulver und Salz in eine Schüssel geben und gut verrühren. Butter in einer Tasse für etwa 10-20 Sekunden in der Mikrowelle erhitzen, danach kurz abkühlen lassen und nach etwa 2 Minuten die Milch hinzufügen und kräftig verrühren. Das Butter-Milch-Gemisch in die Schüssel leeren und verrühren, dann das Ei hinzugeben. Solange rühren, bis es zu einer cremigen Masse wird.
Den Teig auf zwei große Tassen (oder 6 Soufflé-Formen) aufteilen und sie einzeln für jeweils zwei Minuten bei mittlerer Hitze in der Mikrowelle “backen”. Je nach Mikrowelle ist die Backzeit etwas anders. Fertig ist der Kuchen dann, wenn er oben noch etwas cremig ist.

Und et voilà.
(Und jetzt stellt euch das Ganze bitte auf Vanilleschaum und mit selbst gemachtem Beereneis vor. Rawr!)

Mädel, wir sind keine Haushaltsgeräte.

26 Jun

Es ist ein Uhr Nacht. Ich sitze am Fenster. Das Glas Wein in der einen Hand, die erdrückende Stille in der anderen, die Nachtfalter schwirren um meinen Kopf, die Gedanken in ihm. Und diese Melancholie, die sich nur nachts einschleichen kann, mitten im Herz.

Alles in allem war es ein produktiver, aufschlussreicher Abend. Einer dieser Abende, an denen man sich ein Stück besser kennenlernt. An denen man wieder zu schätzen lernt, was manche Menschen für einen tun. Heute war es Noah. Einer dieser grandiosen Menschen, die man viel zu selten sieht. Einer dieser grandiosen Menschen, die mich brutal durchschauen.

Während wir über das Leben, aber vor allem meines sprechen, bekommt er im 30-Minuten-Takt kleine Nachrichten von seiner Frau. Und er lächelt. Jedes Mal. Eines dieser Lächeln, die so ehrlich und glücklich sind, dass man einfach anfangen will zu weinen. Mein gesunder Pessimismus würde ihn jetzt hassen, einfach dafür, wegen diesem Lächeln und dem dahinter verborgenem Glück. Aber doch kann ich es nicht. Weil es Menschen gibt, die so glücklich sind, dass man ihnen dieses Glück nicht zerstören will und schon gar nicht kann. Und ich höre mich sagen, so ehrlich wie noch nie zuvor: “Ich bin so unbeschreiblich glücklich für euch.”

Das meinte ich letztens schon einmal, da zwar auch ehrlich, aber doch mit einem “fickt euch doch alle”-Beigeschmack, als mir mein Ex-Freund erzählte, wie glücklich er doch mit seiner neuer Freundin sei. Und ich sagte: “Ich freue mich so unbeschreiblich für Dich.” Ich denke: “Ich freue mich so unbeschreiblich für ihn.” Weiß aber doch, dass ich diesen Wettkampf, von dem keiner spricht, den aber jeder führt, verloren habe: Wer ist zuerst wieder glücklich? Und da war es nun mal nicht ich. Mal wieder.

Noah schimpft über die Männer, die mich haben gehen lassen, sagt aber im selben Satz noch: “Weißt Du? Dieses große Ganze, das am Ende Sinn ergibt? Dazu führt das alles. Die Deppen wissen es zwar nicht, aber ließen sie Dich bloß gehen, weil da noch jemand auf Dich wartet. Jemand, der dieses große Ganze vollständig macht.” Und ich frage mich und ihn: “Aber wenn ich Teil dieses großen Ganzen sein könnte, werde oder auch bin, wieso will dann niemand der andere Teil sein? Das ist ja völlig unlogisch.” Und dann sagt er, mit seiner sanften Stimme, die immer mitten durch mich hindurch schneidet: “Weil Du nicht Teil ihres großen Ganzen sein konntest, genau wie sie nicht Teil Deines großen Ganzen sein konnten.” Also mal wieder diese Leier von Topf und Deckel, sage ich und er lacht und sagt: “Mädel, wir sind keine Haushaltsgeräte.” Da mag er vielleicht Recht haben, trotzdem fühle ich mich gerade wie die Tupperware-Box in meinem Schrank, die vor Jahren ihren Deckel verloren hat und nie wieder findet wird.

Man bekämpft sich unbewusst, sagt er, wenn man nicht zusammenpasst. Solange, bis man sich trennt. Weil irgendetwas nicht stimmt und das unausgesprochen zwischen den Herzen liegt. Man liebt nie ganz, weil man unbewusst weiß, dass es ein getrenntes Ende geben wird. Noch schlimmer ist es, wenn man es weiß. Das unbekannte Ablaufdatum einer Auf-Zeit-Beziehung.

Noah geht. Irgendwann vor Mitternacht. Als es am einsamsten wird.
Noah geht mit den Worten: “Alles, meine Liebe, Du bist alles und Du wirst sehen, irgendwann kommt jemand, der auch Dein Alles sein kann.”

Guckt! Der Frühling klopft an!

19 Mar
  • morgens aufwachen und plötzlich wieder Vögel zwitschern hören
  • zu Mittag mit Kaffee, Zigarette & guter Laune in der Sonne sitzen
  • die ersten Schneeglöckchen im Garten
  • die Katze, die es morgens kaum abwarten kann, endlich ins Freie zu kommen
  • .. und Dir abends eine Maus vors Bett zu legen
  • abends am Balkon noch eine rauchen & nicht kurz vorm Erfrierungstod stehen
  • Frühlingskleider!
  • der erste Marienkäfer, der sich plötzlich auf Deine Hand setzt
  • .. und der erste Schmetterling, der an Dir vorbeifliegt
  • dieses Kichern, das nicht weggehen möchte
  • Frühlingsgefühle, die in Verbindung mit Frühling noch viel schöner sind
  • volle Spielplätze & das Lachen von Kindern
  • die Füße in den Fluss stecken & es augenblicklich bereuen, weil es doch noch zu kalt ist
  • die Vorfreude auf Erdbeerfelder
  • die Winterjacke ganz tief im Schrank verstauen
  • nächtliche Spaziergänge
  • abends mit einer Flasche Wein am Schlossberg sitzen, über Graz sehen & die Stille genießen
  • der Geruch von Blumen
  • verliebte Pärchen, denen man einmal im Jahr und das nur am 1.Frühlingstag, ihr Glück gönnt
  • morgens von der Sonne geweckt werden
  • .. und mit ihr um die Wette strahlen
  • und dann ganz laut “Fick Dich, Winter! Nein, eigentlich liebe ich Dich, aber unsere Beziehung funktioniert nie länger als vier Monate pro Jahr.” brüllen.
  • .. und gleich danach “FRÜHLING! Zeig mir das Leben!” schreien

Die @facella bäckt für ihre Follower.

15 Mar

Ihr Herzen.

Ich habe soeben den kommenden Donnerstag zum Welt-Facella-Cookie-Tag erklärt und werde mich deswegen den ganzen Tag in der Küche aufhalten, um ganz grandiose Cookies zu backen.

Und da meine Cookies ja mittlerweile doch etwas berühmt oder eventuell sogar berüchtigt sind und ich sowieso nicht alle essen kann, verschenke ich drei Special Cookie Pakete. (ihr habt keine Ahnung, wie Spaß mir sowas  macht.)

Nun gut, nicht sonderlich lange Rede, trotzdem kurzer Sinn:

Schreibt mir hier ein Kommentar oder eine DM per Twitter oder sogar eine Mail an mme.facella@gmail.com. Irgendwas Süßes, irgendwas Liebes, irgendwas Hachiges, irgendwas Cookieges und der gute @halbgrieche wird dann die drei Gewinner wählen. Also, auf, auf.

(ja, etwas bescheuert, ich weiß schon. Aber ich will, dass ihr alle zuckerkrank werdet.)

<3

(das Problem mit spontanen Ideen, man vergisst die Hälfte oder zumindest etwas Elementares: schreibt doch bitte eure Twitter-Namen dazu.)