Archiv | Januar, 2011

Kopfkrankheit: Verlieben.

30 Jan

Ihr Herzen! Heute ein Gastbeitrag von dem werten Herrn @kotzend_einhorn. Der übrigens hier auch bloggt.

Facella bat mich etwas über Kopfkrankheiten der heutigen Gesellschaft zu schreiben. Und ich dachte, ich widme mich dem schlimmsten Ungetüm von allen, dem Verliebt sein.

Versteht mich nicht falsch, ich verliebe mich gerne, wenn es klappt. Ich verliebe mich anderseits nicht häufig, was wohlmöglich ein Fehler sein mag. Denn wenn ich es tue, will ich Dich fressen. Mit Haut und Haaren. Das kann durchaus recht anstrengend sein, nicht nur für Dich, sondern auch für mich. Wenn es dann auseinanderbricht – und glaub mir, das wird es – dann sterbe ich, und da ich dann ein wenig Arschloch bin werde ich Dich teilhaben lassen. Am Zerfall. Während mein Herz so verrottet schicke ich Dir Bilder von jedem Stadium. Das Schönste wird das sein, wo sich allerlei Gewürm über die mickrigen fauligen Überreste hermachen.

Die Ironie an der Sache, das Scheißteil wächst immer nach und dann passiert das alles wieder. Verfickte Biochemie, denn seien wir ehrlich, Verliebt sein ist keine Magie. Da ist nichts Mystisches dran. Man lernt jemanden kennen und die Floskel „man kann sich gut riechen“ trifft es ziemlich genau. Dann setzen die körperlichen Dinge ein. Kribbeln und so weiter. Verliebt sein ist so ähnlich wie eine Zwangserkrankung. Menschen, die sich 100-mal am Tag die Hände waschen, ständig putzen oder Schlösser kontrollieren, weisen eine ähnliche Hirnchemie auf wie Verliebte. Teile des Gehirns werden lahm gelegt und andere aktiviert. Vor allem Bereiche im limbischen System, so wie beim Kokainkonsum. Es gibt Überlappungen zwischen Liebe und Sucht. Und wie das so mit Junkies ist, die Typen nerven tierisch. Verliebte auch.

Und dann nach einer Zeit die ausreicht um sich kennenzulernen, ein Kind zu zeugen und wieder abzuhauen, ist alles wieder vorbei. Es gibt kaum was Schlimmeres als jemanden zu verlieren, der neben einem liegt. Ein Freund sagt, er verliebt sich nicht mehr, weil er dann ein Idiot wäre. Bin ich auch, sind viele, vielleicht jeder. Eine Freundin dagegen ist süchtig nach dem Verliebt sein und meint, dieses Gefühl müsse ewig bestehen. Sobald es nachlässt beginnt sie mit der Suche nach jemand Neuem, nur um es wieder zu fühlen. Ich dagegen, ich hab entdeckt, dass nach dem Verliebt sein manchmal was viel Besseres kommt. Allerdings nur, wenn alles gut läuft, wenn man sich anstrengt und weiß was man aneinander fand. Ich mag das Wort Liebe dafür nicht, es ist überstrapaziert, ich habe mal ein neues Wort dafür erfunden. Das haben die Leute dann auch missbraucht und vergewaltigt. Es ist egal wie Du das Danach nennen magst. Dir sollte klar sein, dass das Danach weniger aufregend ist, weniger kribbelt und all das. Aber das ist okay. Und es ist so verdammt erstrebenswert und lass Dir das von jemandem sagen, der das schon versaut hat: Halt Dich dran. Gebe Dir Mühe, halt Dich daran fest, aber klammer nicht. Arbeite dafür, es wird sich lohnen. Und sei es nur für einen Tag.

Und das alles wäre auch gar nicht so schlimm und so problematisch, wäre da nicht dieser Virus. Diese blöde Krankheit, die sich ausbreitet wie ein Feuer im Buschland. Ein dreckiges Ungetüm, nervtötend, triefend und eklig. Aber da musst Du durch um an das Bessere zu kommen. Ihr nennt es Verliebt sein, ich suche noch nach einem Wort dafür. Bisher gefällt mir Passion.

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Zu allem bereit

16 Jan

Irgendwann schrieben wir das Jahr 2008. Und weil ich mir einbildete, dass dies ein gutes Jahr für Vorsätze ist, machte ich auch gleich welche. Da kamen dann so ulkige Sachen raus, wie „Ich werde ein etwas besserer Mensch.“, „Ich kaufe nicht mehr so viel unnützes Zeug, das nur gekauft wird, um auf dem Dachboden zu vergammeln. Vorzugsweise noch mit Preisschild. Meistens sogar nicht mal ausgepackt.“ und „Ich höre endlich mit dem Rauchen auf und fange nie wieder an zu trinken.“

Wir schreiben das Jahr 2011 und dieser Beitrag wird Ihnen stolz von roten Pall Mall Zigaretten und einem Rotwein aus dem Keller meines Vaters präsentiert. So viel zu Vorsatz Nummer 3. Aber mal ehrlich: Ich habe versucht mit dem Rauchen aufzuhören und das auch schon ein paar Monate erfolgreich geschafft. Danach fing ich wieder an, jedoch mit dem Vorsatz nur mehr zu rauchen, wenn ich Kaffee trinke. Irgendwann war ich dann wieder bei etwa zwanzig Zigaretten pro Tag, ergo auch bei zwanzig Tassen Kaffee. Was sicherlich lustig für meine Mitmenschen war, für mich hingegen so gar nicht. Dann galt es erstmal vom Kaffee runterzukommen, was ja auch irgendwo funktionierte. Durchschnittlich zehn Tassen pro Tag finde ich übrigens nicht bedenklich.

Das mit dem Trinken ist so eine andere Sache. Ich schrieb ja letztens, dass mir die Zigarette ja schon ohne Wein schmeckt, mit aber doch noch eine Spur besser. Gut, bescheuerte Ausrede, ich geb’s ja zu. Ich trinke gerne, das gebe ich auch zu. Da gab’s so eine gewisse Zeitspanne, in der ich das nicht tat, deswegen muss ich ja die damals nicht getrunken Flaschen jetzt nachholen. Gut, bescheuerte Ausrede Nummer zwei, ich geb’s ja zu. Nichtsdestotrotz trinke ich hier und da gerne, mal ein Glas, mal über den Durst.

Worauf wollte ich hinaus? Ach ja, auf den Ursprung dieser Wortkotze: Ich habe heute in den Tiefen meiner Schubladen eine Tüte von Hitler & Mussolini gefunden, mit einer Rechnung, datiert auf den 20.Januar 2008. Wir sehen, ich bin erstaunlich gut darin, Vorsätze einzuhalten. Wobei ich zwanzig Tage für eine ganz gute Zeit halte.

Vorsätze haben ja bekanntlich ein Ablaufdatum. Das meiner ist dann meist am 1.Januar, so gegen frühen Nachmittag. Also dann, wenn ich aufwache. Ich schiebe das nicht auf fehlende Motivation oder nicht vorhandene Ehrgeiz. Das liegt alleine an meinem nicht so wirklich gut funktionierendem Kurzzeitgedächtnis.

Ob ich ein besserer Mensch geworden bin, das kann ich ja ganz ehrlich nicht sagen. Immerhin habe ich aber mein Leben auf die Reihe bekommen, sowas machen ja gute Menschen.  Ich studiere etwas, das mir vielleicht sogar was bringt, gehöre sogar zur Kategorie „Streber“, obwohl mein Streberdasein darauf beruht, dass mir mein Studium einfach Spaß macht und ich etwas zu hyperaktiv an alles ran gehe und etwas zu viel Energie in alles stecke.

Ob zwei Jahre reichen um ein besserer Mensch zu werden? Ich weiß es wirklich nicht. Immerhin habe ich mich so halbwegs im Griff. Oder habe zumindest mehr Hochs als Tiefs und die Tiefs sind nicht mehr ganz so tief, wie noch damals, also 2008.

Zwei Jahre reichen aber immerhin für die Erkenntnis, dass man erst viele Herzen brechen und selbst etwas an einem gebrochenem Herzen zu Grunde gehen muss, bevor man Bauchkribbeln verspüren kann. Auch reichen zwei Jahre völlig aus, um sich von Dingen, Menschen, Freundschaften zu lösen, die, auf gut deutsch, scheiße sind. Zwei Jahre sind auch genug um zu erkennen, dass man den Sinn des Lebens nicht findet, wenn man ständig danach fragt, sondern sich einfach selbst auf die Suche begeben muss, um ihn denn dann irgendwann zu finden. Und auch wenn man den einen großen Sinn nicht findet, ergibt ganz viel anderes Sinn. So im Nachhinein, versteht sich. Beziehungen, Lieben und deren Anfänge und Enden ergeben Sinn, Um- & Abwege tun es plötzlich auch und zwischen all dem ergibt dann irgendwo auch das eigene Handeln in bestimmten Situationen Sinn.

Um das Ganze zu einem Ende zu bringen: Ich bereue nichts. Merkwürdig klingt das schon, aber merkwürdiger ist, dass es wirklich so ist. Weil alles nötig war, um mich nach heute zu bringen.

Und um einen neuen Vorsatz zu haben: In omnia paratus, was so viel heißt wie: zu allem bereit.

Ja, liebes Jahr 2011 und ja, liebes Leben, ich bin zu allem bereit.

Und dann ist alles vorbei

16 Jan

Montag,  07.Dezember  2009
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Klack. Klack. Klack.

Verärgert über die Dreistigkeit, dass es jemand wagt mit High Heels über den schwarzen Marmor zu laufen, drehe ich mich um und suche nach dem Übeltäter. Und muss erkennen, dass ich es selber bin. Ich verlagere mein Gewicht auf meine Ballen und tappe ungeschickt auf Zehenspitzen in viel zu unbequemen Schuhen durch die Gänge.

Nur kein Geräusch machen. Unsichtbar bleiben, solange es noch geht.

Klack. Klack. Klack.

Diesmal sind es nicht meine Schritte, die durch die steinerne Halle klackern. Ich kenne die Frau nicht, doch erkenne sie augenblicklich. Die schwarze Lockenmähne versteckt zu wenig von ihrem überschminktem Gesicht. Die Lippen formen sich zu einem Lächeln und entblößen gelbe Zähne, auf denen noch Reste des Lippenstifts kleben. Ich könnte ihr sagen, dass sie Lippenstift auf den Zähnen hat, aber so nett bin ich heute nicht. So nett bin ich, ehrlich gesagt, nie.
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Gastbeitrag: Kein Thema (via Chocowaffel)

14 Jan

(damit das auch mal hier steht. Und lesen Sie die werte Frau Chocowaffel. Mehr Befehl, als Vorschlag.)

So meine Damen und Herren, heute verschwinde ich mal im Tiefschnee und lasse eine hübsche Luftschlossbauerin und Prinzessin auf der Erbse ans Werk. Ich freue mich, dass sie für die Chocowaffel und ihre Leser schreibt und bitte um Aufmerksamkeit für einen kleinen, feinen, reinen…. [äh mir fällt kein Reim mehr ein PAPPERLAPAPP]… Gastbeitrag von Ash. Gastbeitrag, also. Kein Thema, also. Wenn man über etwas schreiben möchte, was einem gefällt, ab … Read More

via Chocowaffel

Liebe ist alles

14 Jan

Therapie, Teil 2 – Februar 2010

„Ich kann nicht lieben und will es ehrlich gesagt auch nicht mehr.“, höre ich mich sagen und weiß, dass es eine Lüge ist.

Mein Therapeut schreibt es nieder, sieht mich an, durchschaut mich. Aber tut so, als würde er mir glauben.

Die Wahrheit ist, dass ich davor Angst habe. Vor der Liebe, vor dem Leben und vor dem ganzen dreckigen Rest. Aber das sage ich ihm nicht, denn so weit öffnen kann ich mich ihm nicht. So weit öffnen kann ich mich eigentlich niemandem.

Das mit der Liebe habe ich schon versucht, so ist es nicht. Den einen hab ich verloren, weil ich ihn nicht am Leben festhalten konnte. Den anderen habe ich verlassen, weil er meine Liebe nicht zu schätzen wusste.

Was blieb ist ein Loch. Ein Riss im Herzen. Eine Leere in mir. Aber das sage ich meinem Therapeuten auch nicht. Eigentlich sage ich ihm nicht viel, aber das was ich sage, schmücke ich mit vielen Wörtern. Es ist meine zweite Sitzung bei ihm und er beschreibt schon den vierten Din-A4-Bogen. Eine Diagnose will er noch nicht stellen. Mein alter Psychiater war da um einiges schneller. Nach einem fünfminütigen Gespräch mit mir, nahm er meine Mutter zur Seite und sagte ihr, ich sei hochgradig schizophren und sollte umgehend eingeliefert werden. Wie er zu dieser Diagnose kam, wollte (und konnte) er ihr aber nicht sagen.

Mein erster Kaffee ist bereits leer. Aber ich habe vorgesorgt. Noch zwei Becher stehen vor mir. Er fragt mich plötzlich nach dem Grund meine gescheiterten Beziehungen. Und ohne meine Antwort zu überdenken, sage ich: „Die einzige Konstante bin ich. Ergo bin wohl ich der Grund.“ Kaum hab ich es ausgesprochen, versuche ich Wahrheit darin zu sehen. Erkenne sie jedoch nicht. Denn eigentlich war ich nie Schuld. Zumindest nie alleine.

Die Wahrheit ist, dass ich mir zu oft die Schuld gebe. Als D starb, fühlte ich mich schuldig. Es waren nur ein paar Wörter, die ich schlussendlich so verinnerlicht hatte, dass es schwer war, mich selbst des Gegenteils zu überzeugen: „Hätten wir uns nicht gestritten, wäre er in dieser Nacht nicht zu mir gefahren, hätte er nicht diesen Unfall gehabt, wäre er nicht gestorben.“ Das Furchtbarste an der Sache war, dass ich die Einzige war, die mir die Schuld gab.

Es gibt Tage, an denen ich mir nicht mehr die Schuld gebe. Weder an Ds Tod, noch an meinen gescheiterten Beziehungen. Aber es gibt auch Tage, an denen mich die Schuld erdrückt. Aber das sage ich meinem Psychiater auch nicht. Ich sage nur: „Wenn man es genauer betrachtet, ist nie nur einer alleine schuld. Auch ich nicht.“

Ich versuche eine Antwort zu finden. Versuche die Liebe und ihre Bedeutung für mich zu erklären. Es reduziert sich auf ein Wort: Alles. Denn Liebe ist alles.

das Ding, das sich Liebe nennt – Teil I

12 Jan

[November, 2009 – Anfang]

In meiner Naivität, von der ich reichlich habe, glaube ich noch an diese eine, diese große, alles verschlingende Liebe.

Jemanden ansehen und zu wissen: Er! Und niemand sonst. Nur er. Überall. Im Herz. Im Kopf. Im Leben. Im Selbst. Ein Teil werden. Teilen. Verständnis ohne Worte. Liebe zeigen, nicht immer mit Worten beschreiben müssen. In einander verschlungene Hände. In einander verschlungene Leben. Nicht einsam sein, selbst wenn man alleine ist. Dieses Gefühl jemanden an seiner Seite zu wissen, der Deine Gefühle wie ein Spiegel auf Dich zurück projiziert. Ein Geben und Nehmen im Einklang. Eine Harmonie zweier Leben perfekt zu einem vereint. Sich dabei aber nicht selbst verlieren. Man selbst bleiben. Zu zweit.

Blicke, die mehr sagen, als alle Wörter dieser Welt. Eine Berührung, die elektrisiert. Immer wieder aufs Neue. Sich in Augenblicken verlieren. Momente auskosten. Ewigkeiten in Bruchteilen einer Sekunden schaffen. Erinnerungen, Liebesgefühl.

Die eine Liebe, die dem Schmerzherz hilft nicht mehr zu schmerzen. Die Ursachen bekämpfen und nicht Symptome. Ehrlich sein in allen Lebenslagen. Gefühle zeigen. Gefühle ansprechen. Einander haben. Immer. Die Vorfreude ihn wieder zu sehen, auch wenn er nur kurz weg war. Manchmal aus den Augen, nie aus dem Sinn, nie aus dem Herz.

Lachen, ohne zu wissen warum. Halt geben, Halt finden. Schmetterlinge, die nicht von der Zeit getötet werden. Kribbeln auf der Haut bei der kleinsten Berührung. Hand in Hand, Herz bei Herz durch die Welt, durch das Leben. Dieses Gefühl, dass Zuhause kein Ort ist. Nach Hause kommen, zu dem einen Menschen. Der eine Mensch, der ein Zuhause ist. Geschützt, beschützt.

Gemeinsamkeiten in Unterschieden entdecken. Fehler lieben, weil sie den Menschen ausmachen. Gewärmt sein, auch wenn es draußen stürmt und friert. Liebe sehen, in Gesten, in Augen, in Berührungen, in Worten, in allem. Sich fallen lassen und sich dennoch nicht gehen lassen.

Und dann dieser kleine Gedanke im Kopf, dieses kleine Gefühl im Herz, dass sich alles ändert, dass ich mich ändere, wenn ich mein Gegenstück finde, der mir zeigt, wie man liebt ohne ständig verletzt werden zu müssen, ohne ständig verletzen zu müssen. Geborgen in der Liebe.

[November, 2009 – Ende]

Neubeginn

9 Jan

Wie das Leben so spielt. Was für ein absurder Satz und ein noch viel absurderes Spiel.

Dann bloggt man gute acht Jahre. Dann hört man damit auf, versucht immer wieder anzufangen, aber findet nie die richtigen Worte. Irgendwann weiß man, dass es die richtigen Worte nie geben wird. Aber ein Haufen falscher, guter, schlechter, böser, optimistischer, herzlicher, liebenswerter, verliebter, negativer. Aber vor allem gibt es viele, die irgendwann raus müssen.

Das also hier.
Ein bunter Mischmasch aus allem.

Über das Leben, die Liebe und den ganzen absurden Rest.