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Zu allem bereit

16 Jan

Irgendwann schrieben wir das Jahr 2008. Und weil ich mir einbildete, dass dies ein gutes Jahr für Vorsätze ist, machte ich auch gleich welche. Da kamen dann so ulkige Sachen raus, wie „Ich werde ein etwas besserer Mensch.“, „Ich kaufe nicht mehr so viel unnützes Zeug, das nur gekauft wird, um auf dem Dachboden zu vergammeln. Vorzugsweise noch mit Preisschild. Meistens sogar nicht mal ausgepackt.“ und „Ich höre endlich mit dem Rauchen auf und fange nie wieder an zu trinken.“

Wir schreiben das Jahr 2011 und dieser Beitrag wird Ihnen stolz von roten Pall Mall Zigaretten und einem Rotwein aus dem Keller meines Vaters präsentiert. So viel zu Vorsatz Nummer 3. Aber mal ehrlich: Ich habe versucht mit dem Rauchen aufzuhören und das auch schon ein paar Monate erfolgreich geschafft. Danach fing ich wieder an, jedoch mit dem Vorsatz nur mehr zu rauchen, wenn ich Kaffee trinke. Irgendwann war ich dann wieder bei etwa zwanzig Zigaretten pro Tag, ergo auch bei zwanzig Tassen Kaffee. Was sicherlich lustig für meine Mitmenschen war, für mich hingegen so gar nicht. Dann galt es erstmal vom Kaffee runterzukommen, was ja auch irgendwo funktionierte. Durchschnittlich zehn Tassen pro Tag finde ich übrigens nicht bedenklich.

Das mit dem Trinken ist so eine andere Sache. Ich schrieb ja letztens, dass mir die Zigarette ja schon ohne Wein schmeckt, mit aber doch noch eine Spur besser. Gut, bescheuerte Ausrede, ich geb’s ja zu. Ich trinke gerne, das gebe ich auch zu. Da gab’s so eine gewisse Zeitspanne, in der ich das nicht tat, deswegen muss ich ja die damals nicht getrunken Flaschen jetzt nachholen. Gut, bescheuerte Ausrede Nummer zwei, ich geb’s ja zu. Nichtsdestotrotz trinke ich hier und da gerne, mal ein Glas, mal über den Durst.

Worauf wollte ich hinaus? Ach ja, auf den Ursprung dieser Wortkotze: Ich habe heute in den Tiefen meiner Schubladen eine Tüte von Hitler & Mussolini gefunden, mit einer Rechnung, datiert auf den 20.Januar 2008. Wir sehen, ich bin erstaunlich gut darin, Vorsätze einzuhalten. Wobei ich zwanzig Tage für eine ganz gute Zeit halte.

Vorsätze haben ja bekanntlich ein Ablaufdatum. Das meiner ist dann meist am 1.Januar, so gegen frühen Nachmittag. Also dann, wenn ich aufwache. Ich schiebe das nicht auf fehlende Motivation oder nicht vorhandene Ehrgeiz. Das liegt alleine an meinem nicht so wirklich gut funktionierendem Kurzzeitgedächtnis.

Ob ich ein besserer Mensch geworden bin, das kann ich ja ganz ehrlich nicht sagen. Immerhin habe ich aber mein Leben auf die Reihe bekommen, sowas machen ja gute Menschen.  Ich studiere etwas, das mir vielleicht sogar was bringt, gehöre sogar zur Kategorie „Streber“, obwohl mein Streberdasein darauf beruht, dass mir mein Studium einfach Spaß macht und ich etwas zu hyperaktiv an alles ran gehe und etwas zu viel Energie in alles stecke.

Ob zwei Jahre reichen um ein besserer Mensch zu werden? Ich weiß es wirklich nicht. Immerhin habe ich mich so halbwegs im Griff. Oder habe zumindest mehr Hochs als Tiefs und die Tiefs sind nicht mehr ganz so tief, wie noch damals, also 2008.

Zwei Jahre reichen aber immerhin für die Erkenntnis, dass man erst viele Herzen brechen und selbst etwas an einem gebrochenem Herzen zu Grunde gehen muss, bevor man Bauchkribbeln verspüren kann. Auch reichen zwei Jahre völlig aus, um sich von Dingen, Menschen, Freundschaften zu lösen, die, auf gut deutsch, scheiße sind. Zwei Jahre sind auch genug um zu erkennen, dass man den Sinn des Lebens nicht findet, wenn man ständig danach fragt, sondern sich einfach selbst auf die Suche begeben muss, um ihn denn dann irgendwann zu finden. Und auch wenn man den einen großen Sinn nicht findet, ergibt ganz viel anderes Sinn. So im Nachhinein, versteht sich. Beziehungen, Lieben und deren Anfänge und Enden ergeben Sinn, Um- & Abwege tun es plötzlich auch und zwischen all dem ergibt dann irgendwo auch das eigene Handeln in bestimmten Situationen Sinn.

Um das Ganze zu einem Ende zu bringen: Ich bereue nichts. Merkwürdig klingt das schon, aber merkwürdiger ist, dass es wirklich so ist. Weil alles nötig war, um mich nach heute zu bringen.

Und um einen neuen Vorsatz zu haben: In omnia paratus, was so viel heißt wie: zu allem bereit.

Ja, liebes Jahr 2011 und ja, liebes Leben, ich bin zu allem bereit.

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Und dann ist alles vorbei

16 Jan

Montag,  07.Dezember  2009
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Klack. Klack. Klack.

Verärgert über die Dreistigkeit, dass es jemand wagt mit High Heels über den schwarzen Marmor zu laufen, drehe ich mich um und suche nach dem Übeltäter. Und muss erkennen, dass ich es selber bin. Ich verlagere mein Gewicht auf meine Ballen und tappe ungeschickt auf Zehenspitzen in viel zu unbequemen Schuhen durch die Gänge.

Nur kein Geräusch machen. Unsichtbar bleiben, solange es noch geht.

Klack. Klack. Klack.

Diesmal sind es nicht meine Schritte, die durch die steinerne Halle klackern. Ich kenne die Frau nicht, doch erkenne sie augenblicklich. Die schwarze Lockenmähne versteckt zu wenig von ihrem überschminktem Gesicht. Die Lippen formen sich zu einem Lächeln und entblößen gelbe Zähne, auf denen noch Reste des Lippenstifts kleben. Ich könnte ihr sagen, dass sie Lippenstift auf den Zähnen hat, aber so nett bin ich heute nicht. So nett bin ich, ehrlich gesagt, nie.
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