Kopfkrankheit: Verlieben.

30 Jan

Ihr Herzen! Heute ein Gastbeitrag von dem werten Herrn @kotzend_einhorn. Der übrigens hier auch bloggt.

Facella bat mich etwas über Kopfkrankheiten der heutigen Gesellschaft zu schreiben. Und ich dachte, ich widme mich dem schlimmsten Ungetüm von allen, dem Verliebt sein.

Versteht mich nicht falsch, ich verliebe mich gerne, wenn es klappt. Ich verliebe mich anderseits nicht häufig, was wohlmöglich ein Fehler sein mag. Denn wenn ich es tue, will ich Dich fressen. Mit Haut und Haaren. Das kann durchaus recht anstrengend sein, nicht nur für Dich, sondern auch für mich. Wenn es dann auseinanderbricht – und glaub mir, das wird es – dann sterbe ich, und da ich dann ein wenig Arschloch bin werde ich Dich teilhaben lassen. Am Zerfall. Während mein Herz so verrottet schicke ich Dir Bilder von jedem Stadium. Das Schönste wird das sein, wo sich allerlei Gewürm über die mickrigen fauligen Überreste hermachen.

Die Ironie an der Sache, das Scheißteil wächst immer nach und dann passiert das alles wieder. Verfickte Biochemie, denn seien wir ehrlich, Verliebt sein ist keine Magie. Da ist nichts Mystisches dran. Man lernt jemanden kennen und die Floskel „man kann sich gut riechen“ trifft es ziemlich genau. Dann setzen die körperlichen Dinge ein. Kribbeln und so weiter. Verliebt sein ist so ähnlich wie eine Zwangserkrankung. Menschen, die sich 100-mal am Tag die Hände waschen, ständig putzen oder Schlösser kontrollieren, weisen eine ähnliche Hirnchemie auf wie Verliebte. Teile des Gehirns werden lahm gelegt und andere aktiviert. Vor allem Bereiche im limbischen System, so wie beim Kokainkonsum. Es gibt Überlappungen zwischen Liebe und Sucht. Und wie das so mit Junkies ist, die Typen nerven tierisch. Verliebte auch.

Und dann nach einer Zeit die ausreicht um sich kennenzulernen, ein Kind zu zeugen und wieder abzuhauen, ist alles wieder vorbei. Es gibt kaum was Schlimmeres als jemanden zu verlieren, der neben einem liegt. Ein Freund sagt, er verliebt sich nicht mehr, weil er dann ein Idiot wäre. Bin ich auch, sind viele, vielleicht jeder. Eine Freundin dagegen ist süchtig nach dem Verliebt sein und meint, dieses Gefühl müsse ewig bestehen. Sobald es nachlässt beginnt sie mit der Suche nach jemand Neuem, nur um es wieder zu fühlen. Ich dagegen, ich hab entdeckt, dass nach dem Verliebt sein manchmal was viel Besseres kommt. Allerdings nur, wenn alles gut läuft, wenn man sich anstrengt und weiß was man aneinander fand. Ich mag das Wort Liebe dafür nicht, es ist überstrapaziert, ich habe mal ein neues Wort dafür erfunden. Das haben die Leute dann auch missbraucht und vergewaltigt. Es ist egal wie Du das Danach nennen magst. Dir sollte klar sein, dass das Danach weniger aufregend ist, weniger kribbelt und all das. Aber das ist okay. Und es ist so verdammt erstrebenswert und lass Dir das von jemandem sagen, der das schon versaut hat: Halt Dich dran. Gebe Dir Mühe, halt Dich daran fest, aber klammer nicht. Arbeite dafür, es wird sich lohnen. Und sei es nur für einen Tag.

Und das alles wäre auch gar nicht so schlimm und so problematisch, wäre da nicht dieser Virus. Diese blöde Krankheit, die sich ausbreitet wie ein Feuer im Buschland. Ein dreckiges Ungetüm, nervtötend, triefend und eklig. Aber da musst Du durch um an das Bessere zu kommen. Ihr nennt es Verliebt sein, ich suche noch nach einem Wort dafür. Bisher gefällt mir Passion.

2 Antworten to “Kopfkrankheit: Verlieben.”

  1. elv Januar 30, 2011 um 8:10 pm #

    Je seltener man verliebt ist, desto besser.

    Das ganze aufarbeiten und Reste in sich rumtragen hält ja keiner aus, wobei die Theorie vom ewig immer wieder verlieben auch gut ist, da muss man aber auch genügend Herzen finden, die man verbrauchen kann, so dass man nie eine Durststrecke hat.

    Verliebtsein ist eine kleine Hirnbehinderung, die alles toll macht oder alles zerstört.

    Angenehmer Text.

Trackbacks/Pingbacks

  1. K♥tzbröckchen: 29.01. – 04.01. | Kotzendes Einhorn - Februar 4, 2011

    […] bat mich für ihr Blog einen Gastbeitrag zu schreiben. Da konnte ich schlecht nein sagen. Es geht um sich verlieben. […]

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