Archiv | Februar, 2011

Lebensschnittstelle mit Headset und Webcam

3 Feb

Heute ein Gastbeitrag von dem werten Herrn @gedankenkosmos.

Jeden Abend saßen wir beisammen.

Mal bist Du mit deiner neuen Wollmütze vor mir herum hüpft. Oder schriebst mir kleine Botschaften auf gelbe „Post its“.

Wir verbrachten viele dieser Nächte, in dem einsame Herzen, einfach Zuspruch brauchen oder einen Menschen, der irgendwie da ist. So waren wir füreinander da , bis halt dann nicht mehr. Nicht mehr kann man schwer erklären, die Gründe kaum verstehen. Es hat einfach nicht mehr gepasst, aus ohne wirkliche Gründe.

Uns gab es auch nur im Internet. Eine Lebensschnittstelle mit Headset und Webcam. Dann philosophierten wir einfach herum. Lachten und trafen uns, manchmal auch im Herzen. Auf jeden Fall in unseren Worten. Du gabst mir Mut, meinen Gedanken Spuren und ein Zuhause auf Zeit. Keine Ahnung, was du damals in mir fandest. Wahrscheinlich entsprach ich einem Gefühl, das du gerade gebraucht hast.

Es hat uns niemals außerhalb der Schutzmauern von Twitter und Internet gegeben. Wir beide wollten diesen Schritt nicht tun, jeder für sich selbst, auf seine Weise nicht. Ich gebe zu so wirklich Recht war es mir nicht. Du warst damals das Laute in mir selbst und ein berauschendes Wesen. Verrückt genug mich eine Zeitlang zu tragen.

Die Mechanismen sich im Netz voneinander loszusagen sind so leicht, dass es mit blocken oder löschen getan scheint. Ein Klick da, oder zwei dort, und du löschst den Menschen scheinbar aus. Eine dumme Lüge der Wut, denn alles was bleibt, ist ein Gefühl, dass sie nun zwischen „vergessen wollen und noch da“ in dir feststeckt.

Monate später sind wir uns wieder begegnet. Unbedarft, leise, im Internet. Ein Sternchen an eine Nachricht, ein paar kleine Nachrichten wieder. Es ist nicht das Damals, aber irgendwo wieder ein Jetzt. Denken über die damalige Zeit nicht nach und wissen nicht, was die heutige bringen wird. Eine Freundin von mir sagt gern: „Was soll es bringen, es ist Internet“. Gerade diese Unbedarftheit ist es, was uns eine Weile hält. Es ist doch nur Internet, aber auch ein Mensch dahinter. Mit all seinen Wünschen, Träumen und Fantasien. Unsere sind nun ein Stück gewandert, sind in neuen Menschen gefunden, aber vielleicht erreicht es seinen Ursprung in neuen Schritten, die wir gehen. Auch zusammen.

Am Ende bleibt mir nur zu sagen: „Danke, dass du wieder da bist.“

WirrWarr-Ende.

3 Feb

„Ich mache, was ich liebe. Ich liebe, was ich tue. Ich bin endlich dort angekommen, wo ich hin wollte.“

Es sind solche Sätze, die einen zum Nachdenken bringen, die das Hirn auf Hochtouren arbeiten lassen, die Dich verwirren und glücklich zu gleich machen. Vor allem wenn man davor nie wusste, wohin man gehört und noch weniger, was man vom Leben will.

Davor da war alles ein wages WirrWarr an Leben. Niemand konnte mit mir was anfangen, ich am allerwenigsten. Ich sprang haltlos zwischen Ewigkeiten hin und her, saß mal hier und mal dort, lebte in einem Wirbelsturm aus Herzblut und Angst.
Zu wissen, was man will, war mir sehr suspekt. Wieso wissen, was man will, wenn man doch entscheidungsunfreudig durchs Leben springen kann?

Zukunft war für mich nur ein Wort mit neun Buchstaben. Nichts greifbares und schon gar nichts, was man sich vorstellen könnte. Türen waren nur dazu da, um zu geschlagen zu werden. Wege nur dazu, um versperrt zu werden. Egal, ob von mir oder anderen.

Irgendwann musste aber alles anders kommen. In jeder guten Geschichte gibt es doch diesen Wendepunkt. Dieser Punkt, an dem sich der Protagonist plötzlich in dem Sinn wiederfindet, den er geglaubt hat, verloren zu haben.

Es war der Juli 2010 und ich hielt einen Brief in Händen, der alles bedeutete. Eine Zusage, schwarz auf weiß, die mir nicht nur Türen öffnete und Wege freiräumte, sondern mich auch endlich in meine Richtung katapultierte.

Dieser Zusage ging ein Aufnahmeverfahren voraus, das an all meinen Kräften zerrte und mich in Selbstzweifel stürzte. Nie empfand ich das, was ich tue, als gut genug. Nie zuvor konnte ich sagen, dass das was ich tue, richtig ist, gut ist, Lob verdient.

Eine Mappe, ein acht Stunden langer Aufnahmetest und ein Bewerbungsgespräch später, stand ich verwirrt, aber glücklich in einem neuen Lebensabschnitt. „Wir dürfen Ihnen ja eigentlich noch nichts sagen, aber nächste Woche, wenn Sie den Brief erhalten, ist es ja eh offiziell. Sie müssen also nicht zittern.“, sagte mir mein Studiengangsleiter, als ich schon zur Tür raushüpfen wollte.

Es war die mündliche Zusage, die mir eine Woche später als Brief ins Haus flattern sollte. Und damit fing alles neu an. Mein Leben fand plötzlich einen Reset-Knopf und drückte ihn. Ich war wie verwandelt.

Man nennt mich fanatisch, ich nenne es fantastisch. Weil es das ist. Ich arbeite meist zwanzig Stunden am Tag, weil ich es liebe. Ich steigere mich rein, mache mehr, als verlangt, gebe immer 130%. Weil ich es liebe, weil es genau das ist, was ich immer machen wollte, was ich nebenbei schon immer gemacht habe, aber mich nie als gut empfunden habe. Aber das ist es und es wird mir bestätigt. Von allen Seiten.

Und zum ersten Mal in meinem Leben ist für mich Zukunft nicht nur ein Wort, das aus neun Buchstaben besteht. Zukunft ist etwas Greifbares, etwas Reales, etwas, das ich mir vorstellen kann. Träume sind nicht mehr bloß Schäume, Träume werden real und wahr.

Und ich, ich weiß plötzlich wer ich bin und wo ich im Leben hin will und traue mich auch genau so zu sein, wenn ich unter Menschen bin. Ich bin wieder ein kleiner Workaholic. Ich liebe, was ich tue und tue, was ich liebe. Und bin glücklich. Die Last, die sich Angst vor dem Leben nennt, ist plötzlich nicht mehr da. Ich stehe mit beiden Beinen in diesem Leben und genieße es.

Liebes Leben. Du rockst gerade ganz schön.
Mehr davon.
Unbedingt mehr davon!

Geschützt: Leb wohl, Anonymität

3 Feb

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