WirrWarr-Ende.

3 Feb

„Ich mache, was ich liebe. Ich liebe, was ich tue. Ich bin endlich dort angekommen, wo ich hin wollte.“

Es sind solche Sätze, die einen zum Nachdenken bringen, die das Hirn auf Hochtouren arbeiten lassen, die Dich verwirren und glücklich zu gleich machen. Vor allem wenn man davor nie wusste, wohin man gehört und noch weniger, was man vom Leben will.

Davor da war alles ein wages WirrWarr an Leben. Niemand konnte mit mir was anfangen, ich am allerwenigsten. Ich sprang haltlos zwischen Ewigkeiten hin und her, saß mal hier und mal dort, lebte in einem Wirbelsturm aus Herzblut und Angst.
Zu wissen, was man will, war mir sehr suspekt. Wieso wissen, was man will, wenn man doch entscheidungsunfreudig durchs Leben springen kann?

Zukunft war für mich nur ein Wort mit neun Buchstaben. Nichts greifbares und schon gar nichts, was man sich vorstellen könnte. Türen waren nur dazu da, um zu geschlagen zu werden. Wege nur dazu, um versperrt zu werden. Egal, ob von mir oder anderen.

Irgendwann musste aber alles anders kommen. In jeder guten Geschichte gibt es doch diesen Wendepunkt. Dieser Punkt, an dem sich der Protagonist plötzlich in dem Sinn wiederfindet, den er geglaubt hat, verloren zu haben.

Es war der Juli 2010 und ich hielt einen Brief in Händen, der alles bedeutete. Eine Zusage, schwarz auf weiß, die mir nicht nur Türen öffnete und Wege freiräumte, sondern mich auch endlich in meine Richtung katapultierte.

Dieser Zusage ging ein Aufnahmeverfahren voraus, das an all meinen Kräften zerrte und mich in Selbstzweifel stürzte. Nie empfand ich das, was ich tue, als gut genug. Nie zuvor konnte ich sagen, dass das was ich tue, richtig ist, gut ist, Lob verdient.

Eine Mappe, ein acht Stunden langer Aufnahmetest und ein Bewerbungsgespräch später, stand ich verwirrt, aber glücklich in einem neuen Lebensabschnitt. „Wir dürfen Ihnen ja eigentlich noch nichts sagen, aber nächste Woche, wenn Sie den Brief erhalten, ist es ja eh offiziell. Sie müssen also nicht zittern.“, sagte mir mein Studiengangsleiter, als ich schon zur Tür raushüpfen wollte.

Es war die mündliche Zusage, die mir eine Woche später als Brief ins Haus flattern sollte. Und damit fing alles neu an. Mein Leben fand plötzlich einen Reset-Knopf und drückte ihn. Ich war wie verwandelt.

Man nennt mich fanatisch, ich nenne es fantastisch. Weil es das ist. Ich arbeite meist zwanzig Stunden am Tag, weil ich es liebe. Ich steigere mich rein, mache mehr, als verlangt, gebe immer 130%. Weil ich es liebe, weil es genau das ist, was ich immer machen wollte, was ich nebenbei schon immer gemacht habe, aber mich nie als gut empfunden habe. Aber das ist es und es wird mir bestätigt. Von allen Seiten.

Und zum ersten Mal in meinem Leben ist für mich Zukunft nicht nur ein Wort, das aus neun Buchstaben besteht. Zukunft ist etwas Greifbares, etwas Reales, etwas, das ich mir vorstellen kann. Träume sind nicht mehr bloß Schäume, Träume werden real und wahr.

Und ich, ich weiß plötzlich wer ich bin und wo ich im Leben hin will und traue mich auch genau so zu sein, wenn ich unter Menschen bin. Ich bin wieder ein kleiner Workaholic. Ich liebe, was ich tue und tue, was ich liebe. Und bin glücklich. Die Last, die sich Angst vor dem Leben nennt, ist plötzlich nicht mehr da. Ich stehe mit beiden Beinen in diesem Leben und genieße es.

Liebes Leben. Du rockst gerade ganz schön.
Mehr davon.
Unbedingt mehr davon!

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6 Antworten to “WirrWarr-Ende.”

  1. gedankenkosmos Februar 3, 2011 um 2:58 pm #

    Ich freue mich für Dich. Es klingt großartig und hart erarbeitet. Mögen Dich die Wellen des Schönen tragen, zu kreativen Ufern, die Du Dir selbst nie zugetraut hast. Schön.
    Es gibt Menschen, die sind 30 und suchen es immer noch. Dieses Zuhause, für das sie geboren sind.

    • facella Februar 3, 2011 um 2:59 pm #

      Ich glaube, man darf nicht suchen. Suchen führt selten zu finden. Man muss darüber stolpern, hineinfallen, ganz plötzlich damit konfrontiert werden. Und das passiert irgendwann und ich glaube, auch jedem. Ja, ich glaube genau das. Jeder findet seinen Platz. Aber man sollte nicht suchen.

      Fühlen Sie sich gedrückt, mein Lieber.

  2. Seelenstreusel Februar 3, 2011 um 7:21 pm #

    Liebe facella,
    dein Eintrag hat mir aus dem Herzen gesprochen. Es gibt wirklich kein besseres Gefühl, als zu wissen „Jetzt bin ich angekommen“
    Ich wünsche dir, dass du weiterhin soviel Spaß an dem hast, was du tust – denn es gibt nichts Schöneres.
    Liebe Grüße!

  3. Hendrik März 6, 2011 um 5:33 pm #

    Herzlichen Glückwunsch zur Aufnahme an Deine Wunsch(?)-Uni!

    Gerade die erste Häfte des Artikels hat mich sehr berührt, da sie so sehr aus den Gedanken und der Feder eines Menschen stammen könnten der mir sehr sehr nahe stand…

    Je mehr ich in Deinem Blog lese desto besser finde ich ihn!

    • facella März 6, 2011 um 6:06 pm #

      Vielen lieben Dank. <3
      Ja, es war nicht nur meine Wunschuni, sondern auch mein Wunschstudium und dazu die richtige Abzweigung in eine neue Richtung.

  4. giselzitrone März 6, 2011 um 6:10 pm #

    Im Leben findet sich alles; und es fügt sich alles zum Guten

    das ist auf jeden Fall mein wunsch an dich giselzitrone

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