Vom Suchen und Finden.

6 Mrz

Ausschlaggebend hier für ist ein Gespräch mit meiner Mutter, viel mehr der Inhalt dessen.

„Kannst Du Dich noch an Ellen erinnern?“, fragte sie mich plötzlich. Natürlich, liebe Mutter, habe ich sie doch erst vor ein, zwei Jahren das letzte Mal gesehen. Ellen und ich, wir waren wohl das, was man Sandkastenfreunde nennt. Ich erinnere mich an riesige, schiefe Sandburgen, an Abendteuerspielen im Wald, an fast ertrinken im Moor, an erste Schultage, an erste gebrochene Knochen und Herzen. Daran, wie wir in unserer Lieblingsbuchhandlung über zwanzig Magazinen saßen und die perfekte Hochzeit planten. Daran, wie wir Männer anhand von bunten Post-Its uns gegenseitig erklären versuchten. An Träume, Hoffnungen, Tränen, Lachen. An eine wundervolle Freundschaft, die das Leben etwas auseinander gerissen hat.

„Ihre Mutter hat mir gestern erzählt, dass sie sich verlobt hat.“, höre ich dann plötzlich und spüre dieses kleine, fiese Stechen im Herzen. Nicht, dass ich nicht momentan von Hochzeiten, Babyparties und Shoppingtouren für eben solche Events umgeben wäre, dennoch war es irgendwo ein Schlag ins Gesicht. Vielleicht, weil sie die erste in meinem Alter ist, die plötzlich verlobt ist. Vielleicht, weil wir so viel zusammen gemacht haben und dann plötzlich zwei so unterschiedliche Wege eingeschlagen haben. Vielleicht, weil ich neidisch bin. Vielleicht.

Und dann sagen ich vorhin: „Du musst aufhören zu suchen, aufhören so krampfhaft versuchen glücklich zu sein.“ und realisierte es plötzlich selbst und dazu gleich noch etwas anderes: Denn eigentlich ist alles gut so, wie es gerade ist. Weil ich glücklicherweise auch alleine glücklich sein kann. Weil zu meinem Lebensglück niemand gehören muss. Weil ich das alles ganz gut mit mir selbst klären kann. Und weil ich ganz gut mit mir selbst glücklich sein kann.

Und man sowieso nichts findet, wenn man es sucht. Mein Ersatzschlüssel zum Beispiel. Ich wusste immer, dass er hier irgendwo rumliegen muss und habe gesucht und gesucht. Also nicht nur oberflächlich. Irgendwann, es war spät nachts, Twitter war vielleicht schon erfunden, aber noch nicht fixer Bestandteil meiner Favoritenliste, habe ich angefangen systematisch mein ganzes Reich auf den Kopf zu stellen. Schublade auf, Inhalt raus, wühlen, nichts finden, alles wieder zurück stopfen. Ich habe etwa vier Stunden gesucht. An allen erdenklichen Orten. In allen Schubladen, Taschen, Boxen, Jacken, Schuhkartons, selbst den Kühlschrank habe ich auf den Kopf gestellt.

Ein Jahr später, als ich nach einigen stressigen Wochen etwa fünf Kilo leichter war und mir sämtliche Klamotten zu groß waren, schnappte ich mir meine alte Lieblingsjeans, stellte erstaunt fest, dass sie mir wieder passt und stellte erstaunter fest, dass sich in der linken Hosentasche mein Zweitschlüssel befand.

So ist das nämlich mit dem Suchen und dem Finden.
Und so ist es eben auch ganz oft mit dem Leben.

Man muss Suchen beenden, um finden zu können.

4 Antworten to “Vom Suchen und Finden.”

  1. Hendrik März 6, 2011 um 8:44 pm #

    Wahre Worte!

  2. Madame Kapunkt März 6, 2011 um 9:41 pm #

    So wahr und doch ist es manchmal so schwer, den Kopf einfach auszuschalten. Weil es erst dann funktioniert.

  3. Konrad März 6, 2011 um 10:42 pm #

    Ja, nicht zu suchen ist sicher ein wesentlicher Teil des Themas (da hätte ich fast geschrieben „des Puzzles“). Viel einfacher wird es dann noch, wenn man sich finden läßt – und danach entdeckt wird. Um sich gegenseitig als Neuland zu begreifen und sich in der Mitte mit dem Herzen zu berühren.

  4. Namtam März 7, 2011 um 9:18 am #

    Übel wird es erst dann, wenn du aufhörst zu suchen, weil du nichts finden möchtest und trotzdem was findest.
    Das Finden sucht sich häufig nicht aus, ob man etwas finden möchte oder nicht. Aber eine Suche wäre stets erfolglos.

    Geniesse den Moment, wenn er dir genügt und alles so gut ist, wie es im Moment ist :)

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