Das Ding mit der Vier

7 Mrz

Heute schlafen wir nicht miteinander. Heute schläft er nur mit mir. Nicht, dass es mich sonderlich stören würde, was vielleicht nur daran liegen mag, dass ich es nicht spüre. Sonst spüre ich eigentlich auch nichts. Nur diese klaffende Leere in mir, die Tag für Tag größer wird.

Bene liegt keuchend auf mir. Ich zähle die Risse in der Wand zu meiner linken. Es sind vierundzwanzig, falls ich mich nicht verzählt habe. Vierundzwanzig durch sechs sind vier. Vier ist eine gute Zahl. Wieso das so ist, kann ich nicht erklären. Dennoch versuche ich in allem die Vier zu finden. Das nimmt manchmal merkwürdige Züge an. Vor allem wenn man versucht eine Arbeit zu schreiben, deren Zeichen sich am Ende durch vier dividieren lassen. Aber auch hier gilt: Übung macht den Meister. Prinzipiell ist vier aber eine hässliche Zahl, wenn man zumindest das Äußere betrachtet. Viel zu hart, zu eckig, zu kantig. Da ist die Drei schon schöner. Aber an der finde ich kein Interesse.

Bene liegt noch immer auf mir. Ich spüre ihn erst, als sich seine Zähne in meiner Schulter verfangen und er sich wenig später von mir rollt. Schweigend teilen wir uns eine Zigarette. Vielleicht sind es auch vier.

Benes Wohnung ist dreckig. Bene selbst ist dreckig. Wir sind dreckig. Genüßlich suhlen wir uns im Dreck und vergessen dabei, dass wir irgendwann mal, mit uns selbst im Reinen sein wollten. Aber mit sich selbst im Reinen sein funktioniert nicht, wenn der Dreck dein Gewissen verklebt. Ein reines Gewissen funktioniert da noch weniger.

Das Wort Gewissen besteht aus acht Buchstaben. Acht durch zwei ergibt vier. Es ist ein gutes Wort. Dreck lässt sich weder durch vier noch durch zwei dividieren. Eigentlich nur durch fünf und eins. Demnach ist es ein schlechtes Wort. Ein dreckiges Wort, im wahrsten Sinne des Wortes.

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