Zitternde Finger, bebende Lippen, rasende Herzen.

8 Mrz

Zitternde Finger, bebende Lippen, rasende Herzen. Nichts sagende Worte zwischen schreienden Blicken. Der Raum zu dunkel, als dass man sich wirklich sehen könnte. Und doch blenden wir einander mit dem Gefühl, dass dies nun ein Ende ist. Eines von vielen, die noch kommen werden.

Hier zwischen uns gibt es keine Liebe. Nicht diese Liebe, die besprochen und besungen wird, die Bücher und Kinosäle füllt. Es ist etwas anderes, etwas eigenes, etwas, das uns verbindet. Wir können einander am Leben halten und einander irgendwann das Leben streitig machen. Letztendlich wissen wir beide, dass es für mich nur einen Weg gibt. Der, der von ihm wegführt.

Und dann die Frage: „Was wäre, wenn dieser Ausweg einfach nur eine Sackgasse ist?“ Die Antwort ist nicht laut, aber klar. Die Antwort stand Monate lang zwischen uns, als wäre sie eine Grenze, die wir nicht wagen durften zu überschreiten.

Wir stehen vor einer Mauer. Und ich werde über sie klettern und ihn somit zurücklassen. Das Herz rasend vor lauter Angst. Die Finger zitternd vor lauter Ungewissheit. Die Lippen bebend vor lauter Kälte, die wir versuchten zu wärmen.

„Ich tue Dir nicht gut. Ich tue Dir nur weh.“, sagt er plötzlich, als ich schon fast zur Tür hinaus war. Entschuldigt sich damit für alles, was geschah. Eine Entschuldigung, die ich erst Jahre später annehmen werde können. Eine Entschuldigung, die ich erst Jahre später verstehen werde. Da manche Erkenntnisse eben Zeit brauchen.

Wir halten noch kurz aneinander fest, wieso wissen wir nicht und wissen es zugleich genau. Und dann nichts. Nur Hände, die sich loslassen. Nur Herzen, die aneinander festhalten. Und dann nichts. Außer meiner Schritte auf nackten Marmorstufen, die im Flur verhallen.

Ich gehe, um mich zu retten. Etwas, was ich ihm sagen musste, damit ich es selbst begreifen konnte. Später werde ich mir denken, dass ich, als ich ging, um mich zu retten, ihn im Stich gelassen hatte. Noch etwas später werde ich wissen, dass er hätte selbst gehen müssen, um sich zu retten. Aber er tat es nicht. Nicht, weil er nicht wollte, sondern weil er nicht konnte. Weil, so sagte er mir einst, die Hoffnung an diesem Tag mit mir ging. Weil ich, so schwach wie ich damals war, trotzdem noch die Stärke hatte zu gehen. Stärke, die er nie hatte.

Und als ich Jahre später meine Rede mit den Worten: „Leb wohl, mein Freund, mein Bruder, mein Held.“ beende, realisiere ich endlich, was wir füreinander waren: Wir waren alles und nichts zugleich. Wir hätten weniger sein müssen, mehr sein können. Wir hätten uns nie retten können. Wir konnten uns aber eine Zeit lang am Leben halten, weil wir aneinander halten konnten, in Zeiten, in denen das Leben uns den Boden unter den Füssen weggezogen hatten und wir zum freien Fall freigegeben wurden.

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Eine Antwort to “Zitternde Finger, bebende Lippen, rasende Herzen.”

  1. jolieslips März 12, 2011 um 8:45 pm #

    Wunderbar geschrieben.
    „Wir waren alles und nichts zugleich. Wir hätten weniger sein müssen, mehr sein können. Wir hätten uns nie retten können.“
    Das kenne ich aus eigener Erfahrung.

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