Glücklicher und heiterer

9 Mrz

Hier heute für euch: Der wunderbare Timm Kandziora, der nicht nur twittert, sondern auch bloggt und sich etwas mit einem Zitat aus Das Glasenperlenspiel von Hermann Hesse auseinander gesetzt hat.

„Wenn wir einen Menschen glücklicher und heiterer machen können, so sollten wir es in jedem Fall tun, mag er uns darum bitten oder nicht.“

Der Satz ist schön. Wahr.
Ich las ihn einmal, zweimal und noch viele weitere Male.
Ich dachte lange darüber nach, bevor ich wirklich darüber nachdachte. Ich dachte zuerst nur oberflächlich, dann aber nahm ich mir die einzelnen Worte ins Auge. Mir fiel der nicht vorhandene Unterschied zwischen „glücklicher“ und „heiterer“ auf. Glücklich? Wie kann man einen Menschen glücklich machen? Ich dachte das erste Mal allgemein darüber nach, da meine geistige Gesinnung eher zum Egoismus und zur Misanthropie gehört. Glücklich, dachte ich, kommt nicht von „Glück“. Ich meinte zu wissen, was glücklich bedeutet, doch ich konnte mir nicht viel darunter vorstellen, weil ich selbst nicht wirklich glücklich bin. Glücklich sein, denke ich, bedeutet einfach, wenn man im Inneren lacht. So, zurück zum Grundsatz, wie kann man jemanden dazu bringen, im Inneren zu lachen? Mit Witzen? Nein, das verschiebe ich auf das Wort heiter. Glücklich machen. Ich bilde mir eine Metapher:
Du klammert Dich an einem Stein fest, der in der Mitte eines riesigen Wasserfalls verwurzelt ist. An der Seite steht ein Freund, Du blickst ihn an.

Heiterer machen: Man erzählt Dir einen Witz oder stellt die Situation als ganz und gar nicht schlimm dar. Du bekommst ein leichtes Schmunzeln auf die Lippen. Du willst Dich nicht fallen lassen, hältst an dem Stein fest, bis Du kraftlos abrutscht und in die Tiefe stürzt.
Glücklich machen: Dir wird gesagt, was in Deinem Leben toll war. Man sagt Dir, dass, selbst wenn Du gleich stirbst, Dein Leben rückblickend ein schönes war. Du erinnerst Dich, denkst daran, bekommst dieses innere Lachen. Du lässt Dich fallen, zufrieden.

Ein wirklich guter vergleich ist das nicht, wer ist beim Sterben schon glücklich.
Egal, das „glücklicher“-Thema haben wir geklärt. Das „heiterer“-Thema auch, weil ich heiter nur als Synonym zu lustig kenne. Mir kam sowieso der Gedanke, dass heiter nur ein Bestandteil von glücklich sein kann. Ein minimaler. Deswegen die explizite Gleichstellung von Hesse.
In Anbetracht dessen, dass Hesse bei den Worten „glücklich“ und „heiter“ den Komparativ verwendet, erschließe ich mir, dass mein einen Menschen, der nicht glücklich/heiter ist, auch nicht dazu bewegen kann, dies zu werden. (Ob es Menschen gibt, die kein Stück glücklich/heiter sind, bleibt dahingestellt.)
Hesse sagt, man soll einen Menschen immer glücklicher und heiterer machen.
Hesse sagt, man soll einen Menschen glücklicher und heiterer machen, wenn man kann.
Wann kann man das? Ich denke, dass man das immer kann. Man kann das zu jedem Zeitpunkt, an jedem Ort, bei jeder Stimmungslage. Sogar bei jedem Menschen, ob Feind oder Freund.
Ob uns jemand darum bittet oder nicht, machen sollte man es immer. – So Hesse.
Ich finde, man sollte es als Zeichen ansehen, wenn Du nicht darum gebeten wird. Man sollte sich ernsthaft Gedanken machen, wenn niemand nur einmal mit Dir das glücklich-Sein teilen will. Wenn einen keiner darum bittet, ist es eine sogar noch größere Bitte nach dem glücklich-Sein als die Bitte darum.
Deshalb pflichte ich Hermann Hesse bei und bitte euch, genau das zu tun. Macht jemanden glücklicher und heiterer, wenn ihr könnt. Ihr könnt!
Es tut nicht nur den Anderen gut, das eigene Gewissen lacht doch auch mit. <3

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