Geschriebene Worte an A.

13 Mrz

Und jetzt? Nichts und alles zugleich. Weil es, wie gesagt, immer weiter gehen muss. Weil es immer weiter geht. Es gibt kein Zurück, immer nur ein Vorwärts. Immer nur Gegenwart und Zukunft, nie ein Schritt in die Vergangenheit. Kein von vorne Anfangen, kein rückgängig Machen, kein Wiederholen, kein besser Machen, kein Ausbessern von Fehler. Es geht bloß weiter. Immer weiter und weiter. Nichts bleibt stehen, alles ist dem ewigen Lauf der Dinge unterworfen, dem Ticken der Uhr, dem Fortschreiten der Zeit. Letztendlich dem Leben.

Du kannst es nicht ändern, so sehr Du es Dir wünscht. Egal, wie oft Du diesen Abend gedanklich durchspielst, wie oft Du versuchst ihn gedanklich zu ändern, es wird nie eine Umsetzung davon geben können. Weil auf jede Tat eine neue folgt, weil auf jedes Geschehen ein neues folgt, weil auf jeden Tag ein neuer folgt.

Herzen brechen. Im Sekundentakt. Überall. Du fühlst Dich alleine gelassen, einsam, irgendwo am Rande des Abgrundes. Doch stehst Du dort nie alleine. Die Welt ist nicht gegen Dich, Du bist es gerade. Du musst lernen, dass dort, wo ein Ende ist, auch immer ein Anfang sein kann. Dass man erstickt, wenn man den Kopf zu lange in den Sand steckt, dass alles weitergehen muss, weil es nur so weitergehen kann.

Und jetzt? Jetzt fahr nach Hause. Lerne wieder mit Dir alleine sein zu können, kratze langsam den Schmerz von den Erinnerungen, bis sie ein warmes Gefühl in Dir auslösen, wenn Du sie aufrufst. Der bittersüße Beigeschmack wird bleiben, aber irgendwann überwiegt das Schöne, das Glückliche, das, woran es sich wert ist sich zu erinnern.

Du wirst sehen, Liebster A., es vergeht. Weil Schmerz immer vergeht. Aber es muss weh tun. Es muss schmerzen, damit es heilen kann. Und es muss Dich zerreißen, Dich auffressen, Dich zur Verzweiflung bringen, Dir die Tränen in die Augen treiben. All das. All das und mehr. All das ist Verarbeitung. Der lange Prozess der Verarbeitung.

Nur darfst Du nie aufgeben. Weil man es nicht darf. Weil man immer wieder aufstehen muss. Weil wir vielleicht verwundete Soldaten sind, die trotz all ihrer Schmerzen nach Hause kommen wollen. Auch wenn der Weg lang ist. Auch wenn der Schmerz, Dir die Kehle schnürt. Immer weiter, Liebster A., immer weiter und weiter.

Und jetzt? Und jetzt leide. Leide, wie Du es die letzten drei Monate getan hast. Leide, so sehr Du kannst. Weine, so viel Du willst. Weil das alles wichtig ist. Weil Du das musst. Weil Du jetzt schon kannst, wofür ich Jahre gebraucht habe. Weil Du, wenn ich ehrlich bin, immer stärker warst als ich. Weil Du schon immer so stark sein konntest, zuzugeben. Alles. Die Wut, die Trauer, den Schmerz. Weil Du es auch zulassen kannst. Weil Du weißt, dass Du es musst. Weil es nur so heilen kann. Weil es Teil des Kampfes ist. Weil es Teil des Verarbeitungsprozesses ist. Weil es Teil von Dir ist.

Und lebe. Lebe, weil Du es kannst. Weil Du es nicht nur mehr für Dich tust. Weil Du alleine eure Pläne umsetzen musst, weil ihr es zusammen nicht mehr könnt. Weil all das, was ihr euch vorgenommen habt, noch immer im Raum steht und ich sehe, merke, spüre, wie sehr Du das alles umsetzen will. Weil es wichtig für Dich ist. Weil Du neue Erinnerungen schaffen musst, die neue Gefühle in dir auslösen. Weil Du leben musst. Weil Du heilen musst.

Lass Dich fallen, aber nie gehen. Lass locker, aber nie los.

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5 Antworten to “Geschriebene Worte an A.”

  1. giselzitrone März 13, 2011 um 2:29 pm #

    Deine Geschichte finde ich sehr gut und auch traurig
    zu viel Schmerz Grüsse dich noch lieb giselzitrone

  2. A. März 13, 2011 um 2:43 pm #

    … als haettest du es fuer mich geschrieben.
    nein, du HAST es fuer mich geschrieben.

    es ist immer das eine Spiel.
    immer nur die eine einzige Loesung.
    einzig leicht ist anders.

    danke fuer’s Klarsehen(lassen), Unbekannte.

    A.

    • facella März 13, 2011 um 5:08 pm #

      Manchmal erreicht man mit ein paar Worten an einen Menschen auch andere.
      Weil man eben nie alleine am Abgrund steht. Und nie der Einzige ist, der verzweifelt.
      Weil manche Worte vielleicht an einen einzigen Menschen adressiert sind, aber an viele gerichtet.

      Ich freue mich, dass ich Ihnen etwas half klar zu sehen.
      Und hoffe, ich werde es noch öfter tun können.

  3. Henni Juni 16, 2011 um 3:13 pm #

    Du schreibst wirklich beneidenswert schön! Das ist nicht nur zum Lesen, sondern auch zum Fühlen.

  4. Manja Wilhelm (@LottenManja) August 6, 2011 um 11:16 am #

    Liebste Facella, sei froh dass ich die wasserfeste Mascara aufgetragen habe. Sonst würde ich jetzt aussehen, als würde ich zu einem KISS-Casting gehen wollen.

    Mitten ins Herz. Danke.

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