Ungesagte Worte an A.

13 Mrz

„Ich bin noch hier, kann dennoch nicht mehr da sein.“ Will ich Dir sagen, kann ich Dir nicht sagen. Nicht gestern, nicht heute, wohl auch nicht morgen. Muss es Dir dennoch sagen, damit wir unser Ende ruhen lassen können. Weil wir nicht mehr aneinander festhalten können ohne uns zu verletzen. Nicht, weil wir uns absichtlich verletzen würden, viel mehr, weil all das, was geschah, uns verletzt. Weil es an jedem Wort haftet, an jedem Blick, an jedem Versuch erneut dieses Ding, das wir einst Freundschaft nannten, aufzubauen.

Und ich will sagen: „Ich kann das nicht mehr. Weil es weh tut. So so so so so weh tut.“ Weil wir uns ansehen, dabei nicht uns, sondern das Vergangen sehen. Weil das alles zwischen uns liegt und nicht beseitigt werden kann. Weil man die Vergangenheit nicht ändern kann. Weil Erinnerungen bleiben. Weil wir waren und nicht mehr sein können.

Du wirst gleich kommen, Dich wortlos in mein Bett legen, Dein Gesicht in meinem Lieblingskissen vergraben, weinen und gleichzeitig an allem verzweifeln. Und ich werde hilflos daneben sitzen, Deine Hand halten und versuchen Dir so irgendeinen Halt geben zu können. Den Du aber nicht finden wirst, den Du wohl lange nicht mehr finden kannst.

Ich werde etwas sagen wollen, doch wird mir die Stimme an meinen Gedanken ersticken. Weil ich weiß, dass Worte nicht helfen können. Weil ich weiß, was Du fühlst. Weil ich weiß, wie weh es tut. Weil Du nur deswegen hier bist. Weil Du weißt, dass ich weiß, wie es ist.

Du kommst. Weil Du nicht mehr weißt, wo Du hin sollst. Weil Du hoffst, hier Antworten zu finden, die ich Dir nicht geben kann. Weil Du erwartest, dass ich irgendetwas sagen kann, dass es besser macht. Weil Du glaubst, dass ich ein Allheilmittel habe. Weil Du nicht alleine sein kannst. Und es dennoch bist. Egal, wo Du bist. Weil Du plötzlich alleine mit Dir selbst bist. Und dagegen keine Gesellschaft hilft.

Du zerbrichst. Und es tut so so so weh.

Ich finde mich plötzlich in der Vergangenheit wieder. Es ist die gleiche Situation, nur dass ich in Deinem Bett liege, weinend, verzweifelnd. Als Du denkst, ich sei eingeschlafen, höre ich Dich mit J. telefonieren und Dich sagen: „Ich kann ihr nicht helfen. Und dabei ist es das Einzige, was ich will. Aber ich kann es nicht. Und es tut so so so weh.“

Und gleich werde ich Deine Hand halten und wissen, ich kann Dir nicht helfen und es wird wieder so so so weh tun. Und ich werde wollen, dass Du gehst. Werde Dich dennoch nicht wegschicken können. Weil der Gedanke, Dich alleine zu lassen, mehr schmerzt als Deine Gesellschaft, als die Erinnerungen, die den Raum füllen werden, als der Gefühlsspiegel, den Du mir vorsetzen wirst.

Wenn Du morgen früh gehen wirst, wirst Du mich wieder nach dem Wie fragen. Und ich werde wieder sagen: „Ich weiß es nicht. Aber es muss einfach. Es muss immer weiter gehen. Weil es gar nicht anders gehen kann. Weil es so ist. Und weil all das, was Du jetzt fühlst, schwächer wird. Und weil noch so viel Gutes auf Dich wartet, das Du nicht verpassen darfst.“

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