Du willst kündigen, Du bist Arschloch.

1 Okt

Wir schreiben November 2010. Mein alter Handyvertrag ist kurz davor auszulaufen. Ich süchtiges Mädchen habe natürlich schon seit ein paar Monaten einen anderen, weil es da das iPhone gab. Anderer Vertrag, anderes Netz, woho! Anstatt beim alten Anbieter 300€ Kündigungsentgelt zu bezahlen, habe ich eben acht Monate weiter Grundgebühr bezahlt, die 19€ hat man ja gerade noch. Und immerhin besser als 300€.

Im besagten November gehe ich also in den Laden meines Anbieters, nennen wir ihn Rele.Ting. Ich will meinen Vertrag kündigen, vor Ort, so wie man das halt macht. Machte. Das geht im Laden nämlich nicht, nur per Telefon, aber man versichert mir, dass der Vertrag sowieso endet, sobald er ausläuft und ich damit automatisch gekündigt werde. Sollte es anders sein, bekomme ich drei Monate vor Ablauf noch Post. Ich denk mir: „Gut, wartest auf die Post.“ Weil ganz ernsthaft? Automatische Kündigung? Bei einem Handyanbieter? Kannste vergessen.

Aber es kommt keine Post. Ich gucke auf meinen alten Vertrag und sehe, dass er noch bis Februar 2011 gültig ist. Es ist mittlerweile Januar 2011. Also rufe ich bei Rele.Ting an. Kein Problem. Um das Gespräch zusammen zu fassen:

Ich so: Ich will kündigen.
Er so, als hätte ich ihm gerade mitgeteilt, dass die Welt explodieren wird und zwar jetzt: WIESO?!
Ich so: Weil mein Vertrag ausläuft.
Er so: Wollen Sie ihn verlängern?
Ich so: Nein, ich will ihn kündigen. Wie ich schon sagte.
Er so, schon so, als würde man ihn beschuldigen, dass die Welt explodieren wird: WIESO?!
Ich so: Weil ich das Recht habe zu kündigen.
Stille.

Dann hin und her. Noch mal achtzehn Wiesos, elf Warums und vier unangenehme Stillen. Bis ich die Worte hörte: „Nun gut, Ihr Vertrag wird gekündigt. In drei Monaten.“

Ich so: wtf? Inkl. der Erzählung von dem Gespräch mit dem Mitarbeiter im Shop von der ich oben schon berichtete.
Er so: Dann haben Sie falsche Informationen.
Ich so: Dann haben Sie inkompetente Mitarbeiter.
Er so: Vielleicht haben Sie Probleme mit Ihrem Gedächtnis.
Ich so: Sie sind aber nicht nett zu Ihren Kundern.
Er so: Sie wollen ja auch keiner mehr sein.

Danach noch einige miese Kommentare von mir, einige von ihm und wir legen auf. Und ich war noch nie so froh einen Vertrag gekündigt zu haben.

Es wird Februar. März. April. Mai. Ich überprüfe meine Kontoauszüge und was sehe ich da? Rele.Ting-Abrechnung. Ich, wutentbrannt und wer mich kennt, weiß wie schön wutentbrannt ich sein kann, laufe in den Rele.Ting-Laden und haue dem Mitarbeiter sämtliche Schimpfwörter um die Ohren, die ich finden kann. Und was sagt er mir?

„Sie haben nicht gekündigt, Sie haben nur gemeldet, dass Sie kündigen wollen.“

Ich habe nur eine Kündigungsabsicht geäußert. Wir fassen zusammen, wenn ich sage, dass ich kündigen will, ist es nur eine Kündigungsabsicht, wenn ich wirklich kündigen will, dann… Ja, genau. Who knows?

Man sagt mir, es gäbe eine spezielle Kündigungshotline bei der man kündigen kann, wenn man bei der normalen Hotline anruft, dann registrieren die Deinen Wunsch nur, scheißen aber drauf. Ich rufe einige Male dort an, aber anscheinend sitzt dort nur einmal pro Woche für etwa fünf Minuten ein Mitarbeiter bei der Hotline und lackiert sich die Nägel, weswegen er nicht rangehen kann.

Ich mache das Ganze also schriftlich und verreise über den Sommer. Da komme ich wieder, checke meine Kontoauszüge und was sehe ich? Ihr könnt‘ es auch denken.

Dann gehe ich heute also erneut in den Shop. Da sagt mir der wirklich freundlich Mitarbeiter, dass er das leider kennt und wöchentlich wütende Kunden dort hat. Er kann aber nichts machen, da der Anbieter sagte: „Nee, wir lassen unsere Kunden nicht mehr im Shop kündigen, das wär‘ ja zu einfach. Wenn wir’s richtig kompliziert machen, dann wollen die vielleicht gar nicht mehr kündigen! Masterplan!“ Und das waren nicht meine Worte. Mit dem Mitarbeiter rufe ich dann bei der Kündigungshotline an. Da stehen wir, 10 Minuten, 20 Minuten, 30 Minuten, 45 Minuten. Jemand geht ran. Shopmitarbeiter gibt mir das Telefon und ich erkläre dem Mitarbeiter halbwegs freundlich mein Problem, worauf ich zu hören bekommen, dass es nicht sein Problem ist, wenn ich zu blöd bin, einen Vertrag zu kündigen, aber dass er das jetzt registriert hat und ich ab 30.Dezember 2011 aus dem Vertrag raus bin. Und legt auf. Kein ‚Auf Wiederhören‘, kein ‚Tschüss‘, nur angepisstes Gelaber, nur Unfreundlichkeit.

Der freundliche Shopmitarbeiter erzählt mir dann, was der Hotlinemitarbeiter versäumt hat zu sagen: „Sie bekommen in ein paar Tagen Post. Dort wird Ihre Kündigung noch mal schriftlich bestätigt, falls Sie Probleme haben sollten, kommen Sie ruhig noch mal her. Ich helfe Ihnen da schon durch.“

Das war hoffentlich der erste und letzte Teil der Geschichte. Wenn nicht, werdet ihr es lesen, inkl. Live-Tweets und Twitpics von der Gerichtsverhandlung. (Entweder weil ich gerichtlich dagegen vorgehe oder irgendeinen Hotlinemitarbeiter getötet habe.)

17 Antworten to “Du willst kündigen, Du bist Arschloch.”

  1. Nukameeko Oktober 1, 2011 um 3:50 pm #

    Das klingt schwer nach Vodafone. Die sind auch alles andere als freundlich, kompetent oder sonst in irgendeiner Form geeignet für den Job, den sie ausführen. Und Ahnung haben die auch alle von nichts.
    Immerhin haben sie dich nicht mit Anrufen und Smsen bombardiert, als du gekündigt hast. Da hat man sich ja schon nicht mehr getraut ans Handy zu gehen.

    Freu mich schon auf die Gerichtsverhandlung ;) So leicht wirst du bestimmt nicht los.

  2. N. Zephalogramm (@fernetpunker) Oktober 1, 2011 um 4:15 pm #

    Warum holst du die Abbuchungen nicht innerhalb von 6 Wochen zurück? Dann müssen die klagen und das werden sie nicht, schätze ich, wenn sie eine Kündigung vorliegen hatten.

  3. Alex Oktober 1, 2011 um 4:21 pm #

    also mal ernsthaft, satire ?
    ich habe schon seit etwas 2 iphones kein Rele.Ting mehr, und kann nicht mehr Beschwörden ob ich da noch im shop kündigen konnte, aber ich würde nie nie nie telefonisch kündigen. Entweder habe ich einen schriftliche Bestätigung wenn ich im Shop gekündigt habe, oder ich schicke zumindest einen Brief mit „Hiermit kündige ich blabla unter Einhaltung aller Fristen zum nächstmöglichen Termin.“ und natürlich „In Erwartung Ihrer Bestätigung, blablabla“ wenn ich den Vertrag den ich mal unterschrieben habe nicht mehr finde, um die Fristen nachzulesen. Aber zweimal auf die telefonische Kündigungsmasche reinfallen, und jetzt versuchst es das dritte mal ?

    By the way, ich hab bisher mit der TingleRingle Hotline recht gute Erfahrungen gemacht, zwei mal wegen nicht gerechtfertigter Abbuchung von Irgendwelchen Mehrwertdiensten, einmal wegen eines Internet Pakets das sie dir bei Vertragsverlängerung automatisch hinzufügen. Und jedesmal Problemlos wieder gut geschrieben.

    • facella Oktober 1, 2011 um 4:45 pm #

      Ich habe schriftlich gekündigt. Aber davon wissen sie angeblich nichts und mir wurde unterstellt, dass ich zu blöd bin die richtige Adresse auf das Kuvert zu schreiben. Hab die Kündigung wahrscheinlich an Oma, die Postkarte an den Hauptsitz geschickt. Außerdem, wie mir mittlerweile etwa 100mal gesagt wurde, sind Kündigungen nur mehr telefonisch möglich. Hab ich auch für einen schlechten Witz gehalten, der Verbraucherschutz hat mir das Problem aber bestätigt und mir versichert, dass ich nicht die einzige bin, die sich drüber beschwert und es da wohl irgendwann Schritte geben wird. Wann ist fragwürdig.

      Und zur besseren Lesbarkeit wäre es nett, wenn Du etwas auf Deine Rechtschreibung & Interpunktion achten würdest.

      • Alex Oktober 1, 2011 um 5:09 pm #

        Kündigungen verschickt man Eingeschrieben. (eine Faxbestätigung ist eine brauchbare Alternative).
        Abbuchungsauftrag kann man bei der Bank auch Rückgängig machen, bzw. sperren lassen.
        Den Rest lässt man entweder über die Rechtsschutzversicherung laufen, oder über Verbraucherschutz, etc.

        Lass dich nicht von einem dummen Telefonanbieter ärgern.

        Und ja ich weis, nachher Gscheit daher reden kann jeder. Ich habe halt schon vor Jahren lernen müssen, bei der Kündigung hört die Kundenfreundlichkeit auf. Und in den letzten Jahren ist diese ja schon als bestehender Kunde keine Selbstverständlichkeit mehr.

        PS: Ich habe mir beim Interpunktieren diesmal echt Mühe gegeben, aber mal Ernsthaft: Würde ich auf Rechtschreibung und dergleichen Wert legen, würde ich Bücher schreiben, keine Blog-Kommentare.

  4. willpower Oktober 1, 2011 um 4:39 pm #

    Absolut unverschämt. Ich hätte seinen Vorgesetzten verlangt und mir seinen Namen aufgeschrieben. Die Gespräche werden doch meistens aufgezeichnet. Also gleich mal als Beweis vorführen.

    Ich habe es aber auch schon einige Male erlebt, egal wo, dass die Mitarbeiter sich nicht für ihren Arbeitgeber stark machen. Einfach eine Arbeit haben und den Tag rum kriegen. Dabei möglichst schläfrig Kunden abwimmeln. Als Dienstleister peinlich…

    • facella Oktober 1, 2011 um 4:47 pm #

      Habe ich! „Sie haben wohl unseren Mitarbeiter falsch verstanden. Dieses Missverständnis tut uns sehr leid.“ Gesprächsaufzeichnungen zu finden und anzuhören ist leider schwierig, da sie nicht so viele Mitarbeiter haben und sich irgendwann drum kümmern werden und mich dann kontaktieren. Nicht meine Worte. Das war Anfang des Jahres.

  5. tobiasblogt - Tobias Griebel Oktober 1, 2011 um 5:53 pm #

    Das ständige „WIESO?!“ ist gewählt. Vielleicht hat er nebenbei eine Statistik ausgefüllt? Ich weis es nicht. Aber bei einer Kündigung kommen solche Fragen nicht sehr gut beim Kunden an, wie man am Beispiel hier sieht.

    Nett finde ich, dass der Shop-Betreiber geholfen hat.

  6. Martin Prebio Oktober 1, 2011 um 6:16 pm #

    Zu den Einschreiben gibt’s übrigens ein widersprüchliches Gerichtsurteil in Deutschland: http://www.lawblog.de/index.php/archives/2011/06/03/einschreiben-ist-keine-pflicht/;-)

  7. nic_ko Oktober 1, 2011 um 7:58 pm #

    sehr ähnliche erfahrung mit – nennen wir’s – m-tobile gemacht… also, es hat nicht gaaaanz so lang gedauert, aber der umgangston und das „warum sollen wir ihnen helfen, sie wollen ja kein kunde mehr sein“ war exakt das gleiche, praktisch wörtlich… dazu muss man sagen: ich war von 1998 bis 2009 (sic!) m-tobile kunde (als es noch gar nicht m-tobile war), hatte die längste zeit davon einen scheißtarif (weil noch den ursprünglichen, spätere kunden bekamen bessere angebote, weil sich der markt ja geändert hat) – den sie mich aber ewig lang nicht wechseln ließen… so viele bonus-punkte wie ich hat dort wohl keiner gesammelt, aber sie haben mir länge mal breite kosten und schimpfworte aufgebrummt, als ich gekündigt hab…

    • facella Oktober 1, 2011 um 9:27 pm #

      Ich bin akut ganz zufrieden mit, nennen wir’s, Zitrone. War davor auch gut 10 Jahre bei, nennen wir’s, 1A, die leider gar nicht 1A waren. Da haste auf einmal eine Rechnung von 400€, das sagen sie Dir dann per SMS, inkl. „Wenn Sie nicht sofort zahlen, Klage. Übrigens haben wir Ihren Anschluss gesperrt, Sie können uns also nicht anrufen, falls Sie irgendwelche Fragen haben, wie z.B. wtf?“

      War damals in Deutschland und hab halt einige Male nach Hause telefoniert. Und die haben mir ganze 4€ pro Minute aktiv & passiv verrechnet. Dauerte vier Monate bis ich mein Geld wieder hatte.

      Auch sonst war es furchtbar. Da bist Du ewig Kunde, musst aber ich weiß nicht wie viele Euros für n neues Handy zahlen, plus noch 2 Jahre ein Zusatzpaket dazu nehmen, während die Neukunden Gratishandys und halbe Grundgebühr bekommen. Und hah! Punkte! Millionen hatte ich! Die durfte ich dann, wenn sie gnädig waren gegen irgendwas einwechseln, wie z.B. ein neues Handy, für das ich nur den halben Preis zahlen muss, plus natürlich das 10€-Zusatzpaket, weil ohne dem sowieso nix ging.

      Nur bei, nennen wir’s, Vier war ich noch nicht. Aber nur eine Frage der Zeit. Oder ich steige einfach auf Brieftauben um!

  8. feydbraybrook Oktober 1, 2011 um 10:59 pm #

    Ja, die ganz große Abzocke ist nicht mehr der Hütchenspieler am Straßenrand sondern der Mobilfunk-Anbieter. Das Schlimme ist die unverschämte Offenheit, mit der der Mitarbeiter Dir gesagt hat, daß seine Freundlichkeit nur bezahlt ist, denn sie gilt nur für Kunden – was bedeutet, daß „bald-nicht-mehr-Kunden“ nicht zu diesem erlauchten Kreis gehören.

    Servicewüste…

    Ich mußte erfahren, was ein Downgrade-Handy ist:

    http://feydbraybrook.wordpress.com/2009/09/19/downgrade/

  9. Schnuu Oktober 2, 2011 um 8:52 am #

    Bitte, für alle Zukunft: Man sollte NIE telefonisch kündigen, nur schriftlich per Einschreiben und VOR Vertragsende, damit erspart man sich eine Menge Ärger und ist den Leuten auf diversen Hotlines nicht ausgeliefert.

    LG Schnuu

  10. Clara Oktober 7, 2011 um 9:11 am #

    Ich bin entsetzt und geschockt!
    Aber dein Schreibstil ist der Hammer, das wirkt alles so, als würde ich bei deinen Erlebnissen daneben stehen.

    Immerhin hast du in all der Sache einen netten Menschen im Shop getrroffen.
    Alles Liebe, Clara

  11. Petra Oktober 15, 2011 um 10:33 am #

    Sorry, aber finde diesen Bericht selten doof. Per Anruf kündigen? Das sagt einem doch der gesunde Menschenverstand, dass das niemals rechtskräftig sein kann.
    Ich hatte dich für intelligent gehalten, aber hier so abzulästern über telering, nur weil du zu blöd bist zum kündigen?
    Ich hab auch einmal bei telering gekündigt. Schaute auf die Website, was ich machen muss, schickte einen Brief hin und alles war erledigt.
    Sie haben zwar nicht überall die hellsten Leute, aber ein paar Dinge weiß man doch bitte. Zb die 3 Monate Kündigungsfrist, oder dass sie dir niemals sagen würden “ kündigen Sie bitte jetzt“.
    Lies dich zwar immer wieder gerne (und versuche zu ignorieren wie menschenverachtend du bist) aber das musste ich hier klarstellen!

  12. N Oktober 24, 2011 um 2:07 pm #

    Tele.Ring.

    Willkommen in Österreich, meine Damen und Herren!

  13. dave November 30, 2011 um 5:24 pm #

    Telering sollte verboten werden und mir tun alle leid, die sich auf diesen teufelspakt einlassen.
    man muss ständig seine rechnungen kontrollieren, weil sie alles versuchen. kriminell. wenn du’s rausfindest wirds zurückerstattet, – wenn…
    bei mir haben sie auf 5 !) rechnungen die exakt gleichen beträge abgebucht, d.h. eine erfundene nicht beglichene rechnung und die mahnspesen habe ich insgesamt 4x gezahlt! juhu! geht zu ORANGE

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