Archive | Dezember, 2011

2011 – Twitter, Herzen, öpve, danke! <3

24 Dez

Was soll ich sagen? 2011 ist fast rum.

Es war ein merkwürdiges, grandioses, lustiges, verrücktes, trauriges, leuchtendes, glorreiches, anstrengendes, vielsagendes, schweigendes, lautes, leises, illustres und ulkiges Jahr.

Es war alles, aber vor allem ein Jahr mit vielen wundervollen Menschen. Ich danke euch für grandiose, lustige, traurige, weinende, lachende, lange, gute, tiefsinnige, emotionale, wunderwunderwundervolle Gespräche. Für lange Nächte und kurze Ewigkeiten. Für Stunden, die sich anfühlten wie Minuten. Und für Momente, die sich anfühlten wie kleine Ewigkeiten. (keine bestimmte Reihenfolge, außer Lady first.)

  • Ein Herz, eine Seele, ein Mädchen wie kein anderes. Meine Liebe @nachtblau.
  • Mein Schutzkind, mein Mafiamensch, mein :D-Mann. Schnuffelwuffel, @eingenickt.
  • Fotoboxen, Kaffee und High-Five-Deluxe! Stecher! @randalez.
  • Nur ein halber Grieche, dafür ein ganzes Herz. Liebster, liebster @halbgrieche.
  • Lieblingsnerd. Lieblingsfreund. Lieblings@eFrane!
  • Kaffee, Currywurst und die süßeste Nase der Welt: @ZweiCent.
  • Stille Wasser sind tief, lustig, grandios und haben ein eigenes U-Boot. @oOtrinityOo.
  • Geschunden, geeky und irgendwas mit Videospielen. @Graupause.
  • Süßer Dialekt, grandiose Menschen. Mein Schweizfetisch, @Jack_Rackham, @prunio, @souslik.
  • Die wundervolle Grazer Twitteria: @rhisdilien, @lisazora, @beinfreiheit, @pascottini, @ acertainlevin.

Sollte ich jemanden vergessen haben, dann liegt es nicht an euch, sondern an meiner grandiosen Vergesslichkeit.

Ich herze euch.
Immens.

<3

Was war die Frage?

17 Dez

a) Ich habe vor nicht allzu langer Zeit ein Interview gegeben.
b) Wird es wahrscheinlich irgendwann in einem Buch veröffentlicht.
c) sollte man mich nie Monologe führen lassen.
d) so schriftlich liest sich mein Gelaber ganz schön komisch.
e) wtf?!

„Meine Oma sagte immer, dass bis zum Heiraten eh alles gut wird. Ich hab sie dann immer mit weit aufgerissenen Augen angesehen und sie gefragt: ‚Und was wenn mich niemand heiraten will?‘. Darauf wusste sie natürlich keine Antwort. Das hat mir immer Spaß gemacht. Also, nicht nur das, aber ich hab immer schon gerne Fragen gestellt, auf die mein Gegenüber keine Antwort wusste. Das sind dann nämlich die Fragen, die man sich gedanklich dann selbst beantworten muss und über die man sich zu Tode denken kann. Ich mein, ich nicht, ich antworte auf alles. Aus Prinzip einfach. Nicht, dass ich danach nicht drüber nachdenken würde, aber ich würde mir nie nie niemals eine verbale Niederlage erlauben. Einfach mal reden, irgendwas halbwegs Sinnvolles wird dabei schon rauskommen und wenn nicht, dann jongliere ich eben mit Fremdwörtern, das klingt dann wenigstens schlau.

Was war die Frage? Ach ja. Ich glaube daran, dass am Ende alles gut wird. Natürlich ist das völlig pathetisch. Aber ganz ehrlich, dann bin ich halt pathetisch. Ich meine, es gibt ja schlimmeres als pathetisch zu sein. Tot zum Beispiel, wobei das ja sowieso das Schlimmste ist, was einem passieren kann. Aber man kann ja auch dumm sein, da biste dann machtlos.

Ich glaube, ich erklär das am besten an einem Beispiel, um das Ganze hübsch anschaulich zu machen. Stell Dir mal vor, Du bist ein Kind und tollst am Spielplatz rum. Irgendwann fällst Du dann auf die Fresse und blutest ohne Ende. Was machst Du? Du stehst auf. Das ist ja ganz natürlich, wieso solltest Du denn liegen bleiben? Du stehst auf, wischt Dir die Fresse sauber und rennst weiter. Weil, was passiert, wenn Du liegen bleibst? Genau, es wird dunkel und dann? Dann kommt irgendwann so ein pädophiler Spast ums Eck und rammt Dir seinen Penis in den Arsch. Grandios, nicht? Klar, wenn Du dann mal erwachsen bist, fällst Du meistens nur noch im übertragenen Sinne auf die Fresse, was dann ja noch viel mehr weh tut. Da hast Du dann kein Blut, was Du einfach so wegwischen kannst. Da fickt Dich dann auch kein Pädophiler, sondern das Leben selbst und Du kannst nur hoffen, dass es Gleitgel mit hat und es Dir nicht ganz so weh tut. Wobei das Leben ja selten Gleitgel benutzt.

Das Leben ist an sich eigentlich ganz einfach. Wir machen es uns nur kompliziert. Da jammern Menschen jahrelang darüber, wie unglücklich sie doch sind, anstatt sich einmal auf ihren Arsch zu setzen und was dran zu ändern. Klar, sind Veränderungen nicht einfach und man muss sich dazu auch aufrappeln und was tun. Aber keiner kann mir sagen, dass es einfacher ist unglücklicher zu sein. Gut, einfacher schon. Unzufriedenheit ist ja so ein Gefühl, das sich leicht leben lässt und das man wunderbar ernähren kann. Man findet einfach alles solange scheiße, bis man selbst so scheiße ist, dass einen niemand mehr erträgt. Dann ist man noch unglücklicher und verkriecht sich noch mehr in seinem Schneckenhaus. Da lässt es sich ja auch ganz gut unglücklich leben. Und den letzten Freunden, die einem dann noch geblieben sind, erzählt man dann, wie scheiße das Leben ist und die erzählen Dir, wie scheiße ihre Leben sind und alle finden alles scheiße und finden das ganz grandios. Dabei ist alles prinzipiell ziemlich einfach. Unglücklich mit Deinem Job? Na, dann such Dir einen neuen. Unglücklich mit Deinem Partner? Such Dir einen neuen. Oder fick rum, bis was Anständiges dabei ist. Oder bleib einfach mal alleine. Oder such Dir ein Hobby. Irgendwas.

Im Endeffekt ist es nur schwierig etwas zu ändern. Und wir machen uns das alles noch viel schwieriger, indem wir so eine Heidenangst davor haben. Aber ganz ernsthaft, viel schlimmer kann’s nicht kommen. Manchmal muss man der Angst halt einen Arschtritt geben und dann sich und dann seinem Leben und was ändern. Geht nicht anders. Außer man möchte sein Leben lang in seiner lethargischen Unzufrieden versumpfen und am Ende sagen: ‚Ja, war ganz schön scheiße. Hätte ich bloß irgendwas anders gemacht.‘ Dann ist es natürlich zu spät. Und die Moral von der Geschichte? Einfach dann was ändern, wenn es juckt. Wenn mir eine Hose nicht passt, zieh ich doch auch eine andere an und laufe nicht den ganzen Tag in ihr rum.

Also, ja, ich glaube, dass am Ende alles gut wird. Natürlich ist das Arbeit. Natürlich muss man Dinge anpacken, verdrehen, erschlagen, ändern und was weiß ich alles damit machen, aber wenn man immer genau das tut, was einem das Herz sagt, dann kann nicht viel schief gehen und man kann am Ende wenigstens halbwegs stolz auf sein Leben zurückblicken und sagen: ‚War vielleicht manchmal scheiße, aber wenigstens war es ganz schön grandiose Scheiße!‘.“

Antwort an F, Teil II.

8 Dez

 Ich sehe, Du hast dieses Internet noch nicht ganz verstanden. Ich erkläre Dir das mal: Das ist überall und immer da. Nur nie dann, wenn man es braucht. Aber damit Du, falls Du es erneut finden solltest, Lesestoff hast, hier etwas mehr. Ein paar Gedanken. Über Dich, mich, das Leben. Du weißt schon.

Ich habe Dich immer etwas bewundert. Du bist davongegangen ohne wegzulaufen. Ich weiß nicht, wie oft ich mir darüber den Kopf zerbrochen habe. Wieder und wieder. Bis ich vor einigen Jahren eine Platte fand, die Du mir mal geschenkt hast. Die große Janis Joplin. Ich hab sie gestern erst gehört. Und gestern kam auch wieder die Erkenntnis, die ich lange versucht habe zu verdrängen, weil Erkenntnisse Helden immer in ein etwas schlechteres Licht stellen. Nichtsdestotrotz möchte ich vorweg nehmen: Du bist ein Held für mich. Denn auch, wenn es eigentlich heißt, dass die legendären Helden und nicht die wahren Eindruck auf die Massen gemacht haben, so traf das nie auf mich zu. Auf mich haben immer nur wahre Helden Eindruck gemacht. Und Du, mein Lieber, Du warst schon immer ein wahrer Held. Dazu brauchtest Du kein Pferd, keine Lanze, keine Rüstung, nichts was schimmert und glitzert, denn das konntest Du immer schon selbst.

Aber was ich eigentlich wollte: Janis sang es gang treffend: Freedom is just another word for nothing left to lose. Ich glaube, Du hattest nichts mehr zu verlieren. Deswegen konntest Du davongehen. Deswegen bist Du aber auch weggelaufen. Weil es einfach war, als sich diesem Nichts zu stellen. Dass Du Dich diesem anderen Ding gestellt hast, das will ich gar nicht totschweigen, aber das war nur der kleinste Part. Sich Menschen zu stellen war schon immer einfach im Vergleich zu der Schwierigkeit sich selbst zu stellen. Und ich glaube, das konntest Du damals nicht. Davor hattest Du zu viel Angst. Denn was wäre dann auch geblieben? Etwas Erkenntnis? Etwas Versöhnung? Aber vor allem viel Angst.

Weißt Du, ich habe manchmal Angst. Nein, eigentlich habe ich ganz oft Angst. Nein, ich habe ständig Angst. Vor allem. Vor Spinnen und komischen Krabbelviechern, vor komischen Geräuschen und Menschen in der Dunkelheit, vor Anfängen und Enden, vor dem, was ich nicht schaffen könnte, viel mehr vor dem, was ich schaffen könnte, vor der Zukunft und der Wirkung der Vergangenheit, vor Worten und Taten. Aber am meisten hatte ich Angst vor diesen Ängsten. Wer Angst hat und diese auch noch zeigt, der, ja der zeigt Schwäche. Wer schwach ist kann sowieso gleich einpacken. Es dauerte lang zu begreifen, dass Angst eines dieser ganz grandiosen Gefühle ist. Sie kommt schleichend, breitet sich aus, nimmt Dich völlig ein. Aber das, was die Angst so grandios macht, ist, dass man sie überwinden kann. Die Angst, die erschaffst Du Dir selbst und kannst sie Dir demnach nur selbst wieder nehmen. Das, das ist großes Kino. Weil eigentlich müsste man keine Angst haben, aber so sind wir Menschen. Angst ist ein ganz großer Teil unseres Lebens. Im Endeffekt geht es nicht um die Angst an sich, sondern darum, sie als Punching Bag zu benutzen. Eins, zwei, drei. Angst ist raus!

Ängste verbinden Menschen. Das war ja schon immer so. Ich erspare Dir hier nun geschichtliche Anspielungen, die darfst Du Dir gerne selbst ausmalen. Wenn wir es genauer betrachten, gibt es eigentlich nur eine Angst, die Menschen wirklich verbindet: die Angst vor dem Alleinsein. Wer will schon alleine sein? Dann sucht man sich Leute, mit denen man kann, denen man seine Ängste, Gefühle, Wünsche, Gedanken, diesen ganzen wirren Kopfbrei vor die Füße kotzen und sagen kann: „Nimm’s oder lass es.“ Ganz einfach, ganz schwer.

Es gab eine Zeit, da versuchte ich zu wollen, dass mich jeder mag. Anpassungsfähigkeit wie es so hässlich heißt. Aber das stand mir nicht. Dazu habe ich zu viel Meinung und noch mehr Ecken. Es ist halt so, dass man immer auf Leute trifft, die einen nicht mögen und jeder, der sagt, dass es dann nicht an Dir liegt, lügt. Wenn ich einen Menschen nicht mag, dann nicht, weil mir seine Nase nicht passt oder er komische Augen hat oder der Bauch zu dick ist. Solche oberflächlichen Dinge sind Blödsinn. Aber dann mag ich diesen Menschen nicht, weil ich seine Ansichten nicht mag, weil seine und meine Interessen nicht aufeinander passen, weil sein Weltbild nicht in meines passt. Natürlich liegt es da an ihm, dass ich ihn nicht mag. Natürlich auch an mir. Manche Menschen sind nicht kompatible. Manche Menschen werden nie Freunde. Weil man nicht mit allen Menschen auf dieser Welt einen gemeinsamen Konversationshintergrund finden kann, der über Smalltalk hinausgeht. Oder man, wenn es verbal tiefer geht, eben merkt, dass Meinung A und Meinung B nicht zusammenpassen. Manchmal kann das natürlich grandiose Diskussionen hervorbringen, aber ganz oft ist es so, dass man merkt, dass man auf keinen grünen Zweig kommt.

Du kennst mich, ich bin weder ein halbvoll noch ein halbleer Mensch. Entweder voll oder leer, keine halben Sachen, ganz oder gar nicht. Und ich mag Menschen, die ähnlich denken.

Um auf den Ausgangspunkt zurückzukehren: Du warst immer ein weder halbvoll noch halbleer Mensch. Du hast gelebt, bis zum Maximum und am Minimum. Du hattest immer nur ganze Meinungen und feste Standpunkte.

Und Du bist ganz gegangen. Etwas, was ich Dir nie verzeihen kann. Etwas, für das ich Dich immer bewundern werde.

Du warst mein erster wahrer Held. Du wirst mein letzter sein.

Antwort an F.

2 Dez

Ich habe vor einiger Zeit eine Postkarte bekommen. Eine ganz besondere. Eine von vielen. Es ist quasi ein Postkarten-Abo. Von einem Menschen, den ich sehr schätze, der mir, trotz Distanz und Abwesenheit, nicht fehlt, da er immer irgendwie bei mir ist. 

Dieses Postkarten-Abo ist einseitig. Ich bekomme, habe aber nie die Möglichkeit zu antworten. Der Absender, der reist durch die Welt. Ein Künstler und Lebenskünstler, der schönsten Sorte. Kaum halte ich eine Karte in meinen Händen kann ich mir sicher sein, dass er schon wieder woanders ist. 

Auf der letzten Karte stand nicht viel Text, dennoch viel Bedeutung: eine Mail-Adresse und eine Aufforderung, die mich Wochen grübeln ließ: „Erzähl mir, was Du in den letzten zehn Jahren so gemacht hast.

Plötzlich gab es diese Einseitigkeit nicht mehr. Da war sie, die Möglichkeit zu antworten, und ich war wortlos. Bis vorhin.

Was ich in den letzten zehn Jahren so gemacht habe? Was ist denn das für eine, verzeih den Ausdruck, bescheuerte Frage? Würden wir bei diesem Fragenschema bleiben, müsste die nächste wohl lauten „Wo sehen Sie sich in zehn Jahren? Und wer sind Sie überhaupt?“ Und Du weißt, wie wenig Antwort ich darauf weiß, wie wenig ich jemals darüber wusste.

Nein, natürlich ist es keine bescheuerte Frage. Es ist durchaus eine gerechtfertigte Frage, die ich mehr als gerne zurückgeben werde. Dass Dir das klar war, ist mir natürlich auch klar.

Also, lieber F, was ich in den letzten Jahren so gemacht habe? So gemacht habe ich einiges. Ich hab mal eben so all meine Pflanzen verwelken lassen und sie dann einfach so weggeworfen. Eben so habe ich auch viele Dinge verloren und wenige gefunden. Ich hab einfach so meine Haare wöchentlich in den merkwürdigsten Farben gefärbt, um irgendetwas zu demonstrieren, wobei ich nicht wirklich wusste was eigentlich. Während ich mal eben so fürs Leben gezeichnet wurde, habe ich mich auch einfach mal so fürs Leben bemalen lassen. Ich habe so gearbeitet und so gelebt, ich habe mal so entschieden, mal so. Ich bin gegen so Wände, aber auch gegen meine Grenzen gelaufen. Gelaufen bin ich übrigens viel, mal weit, mal weg, mal in die falsche Richtung, mal Richtung Abgrund, mal bergauf, dann wieder bergab, manchmal querfeldein, selten jedoch geradeaus. Ich habe Menschen und Entscheidungen getroffen. Mal einfach so etwas riskiert, als Resultat immer etwas gewonnen, auch wenn ich etwas verloren habe.

Ich habe mich in Schlachten geworfen und wie wild gekämpft. Mal gegen Menschen, mal gegen Umstände, ganz oft gegen mich selbst. Ich bin gefallen und habe mich fallen, manchmal sogar hängen gelassen. Ich habe Herzen gebrochen und mir meines brechen lassen. Ich habe Schlussstriche gezogen und Neuanfänge gemalt. Ich habe gelacht, aber selten geweint, gehofft und verzagt. Ich war halt- und rastlos, oft sprachlos, selten jedoch wortlos.

Wenn es um Sitzmöglichkeiten geht, sitze ich gerne zwischen zwei Stühlen. Wenn es um Liegepositionen geht, liege ich gerne richtig. Wenn es um Standpositionen geht, stehe ich gerne voll und ganz dahinter. Manchmal stehe ich aber auch am Pranger, viel öfter jedoch am Schlauch, manchmal vor dem Nichts, am liebsten aber auf dem Sprung.

Was ich so gelernt habe? Nur, weil ich meinen Daumen grün anmale, heißt das noch lange nicht, dass ich einen grünen Daumen habe. Dass ich wirklich, wirklich, nie vor Menschen singen sollte. Dass ich Grenzen nicht als solche erachte. Dass ich lieber zu viel als zu wenig zu verlieren habe, weil das nur bedeuten kann, dass ich viel habe. Dass ich Schuhe ausziehen kann, wenn sie drücken. Dass ich nicht auf die Zeit meines Lebens warten muss, da mein Leben die Zeit meines Lebens ist. Dass, wenn Menschen gehen, sie immer ein Loch in Dir hinterlassen. Dass ich nicht weiß, wie ich mich auf Beerdigungen verhalten soll und es auch nie lernen werde. Dass alles irgendwann zu Ende geht.

Und wenn ich eines wirklich gelernt habe, dann dass das Leben weitergeht. Unaufhaltsam. Es ist wie mit dem Rolltreppenfahren: es geht immer weiter und weiter, auch dann, wenn man fällt. Nichts stoppt, nichts pausiert, nichts bleibt stehen, nur weil Du es gerade tust. Und erst recht nicht dann, wenn Du stehen bleibst, um gegen Dich selbst zu kämpfen. Und vertraue mir, das tat ich.

Weißt Du, ich habe ihn verloren. Und das war der Startschuss, das war der Tag, an dem ich mich verlor. Da war dieses Loch, dieses finstere, tiefe Loch, und ich fiel und wollte fallen, was mir irgendwann zum Verhängnis wurde. Was hätte ich auch tun sollen? Ich wusste es nicht. Ich fand keinen Ausweg, keine Lösung und schon gar keinen Sinn. Und das, was damals bei mir anfing, hat sich dann in mir ausgebreitet, wie ein Lauffeuer. Es war überall in meinem Kopf. Nur das, sonst nichts. Dort habe ich mich eingesperrt, dort musste ich ausbrechen.

Ich glaube heute, dass alles seinen Sinn hat. Auch, wenn mir manchmal die Sicht darauf verwehrt wird. Ich muss vieles auch nicht begreifen, da ich vieles nicht begreifen kann. Aber das ist gut so. Ich verlange das nicht mehr. Ich lebe heute wieder und genieße es. Und ich habe gelernt, dass ich keine Angst mehr vor mir selbst haben muss. Weil ich nur so tief fallen kann, wie ich mich selbst fallen lasse.

Solltest Du tatsächlich nur daran interessiert gewesen sein, was ich in den letzten Jahren so gemacht habe, dann findest Du im Anhang meinen Lebenslauf. Die Löcher darin stehen metaphorisch für die, in die ich über die Jahre gefallen bin.

Und lass Dir gesagt sein, dass ich Dich, bevor Deine Jahre rum sind, noch einmal sehen möchte. In dem Sinne: Lass uns zuhause treffen. Egal, wo zuhause ist. Denn ich glaube, wir sind uns da einig: Wir sind überall zuhause.