Was war die Frage?

17 Dez

a) Ich habe vor nicht allzu langer Zeit ein Interview gegeben.
b) Wird es wahrscheinlich irgendwann in einem Buch veröffentlicht.
c) sollte man mich nie Monologe führen lassen.
d) so schriftlich liest sich mein Gelaber ganz schön komisch.
e) wtf?!

„Meine Oma sagte immer, dass bis zum Heiraten eh alles gut wird. Ich hab sie dann immer mit weit aufgerissenen Augen angesehen und sie gefragt: ‚Und was wenn mich niemand heiraten will?‘. Darauf wusste sie natürlich keine Antwort. Das hat mir immer Spaß gemacht. Also, nicht nur das, aber ich hab immer schon gerne Fragen gestellt, auf die mein Gegenüber keine Antwort wusste. Das sind dann nämlich die Fragen, die man sich gedanklich dann selbst beantworten muss und über die man sich zu Tode denken kann. Ich mein, ich nicht, ich antworte auf alles. Aus Prinzip einfach. Nicht, dass ich danach nicht drüber nachdenken würde, aber ich würde mir nie nie niemals eine verbale Niederlage erlauben. Einfach mal reden, irgendwas halbwegs Sinnvolles wird dabei schon rauskommen und wenn nicht, dann jongliere ich eben mit Fremdwörtern, das klingt dann wenigstens schlau.

Was war die Frage? Ach ja. Ich glaube daran, dass am Ende alles gut wird. Natürlich ist das völlig pathetisch. Aber ganz ehrlich, dann bin ich halt pathetisch. Ich meine, es gibt ja schlimmeres als pathetisch zu sein. Tot zum Beispiel, wobei das ja sowieso das Schlimmste ist, was einem passieren kann. Aber man kann ja auch dumm sein, da biste dann machtlos.

Ich glaube, ich erklär das am besten an einem Beispiel, um das Ganze hübsch anschaulich zu machen. Stell Dir mal vor, Du bist ein Kind und tollst am Spielplatz rum. Irgendwann fällst Du dann auf die Fresse und blutest ohne Ende. Was machst Du? Du stehst auf. Das ist ja ganz natürlich, wieso solltest Du denn liegen bleiben? Du stehst auf, wischt Dir die Fresse sauber und rennst weiter. Weil, was passiert, wenn Du liegen bleibst? Genau, es wird dunkel und dann? Dann kommt irgendwann so ein pädophiler Spast ums Eck und rammt Dir seinen Penis in den Arsch. Grandios, nicht? Klar, wenn Du dann mal erwachsen bist, fällst Du meistens nur noch im übertragenen Sinne auf die Fresse, was dann ja noch viel mehr weh tut. Da hast Du dann kein Blut, was Du einfach so wegwischen kannst. Da fickt Dich dann auch kein Pädophiler, sondern das Leben selbst und Du kannst nur hoffen, dass es Gleitgel mit hat und es Dir nicht ganz so weh tut. Wobei das Leben ja selten Gleitgel benutzt.

Das Leben ist an sich eigentlich ganz einfach. Wir machen es uns nur kompliziert. Da jammern Menschen jahrelang darüber, wie unglücklich sie doch sind, anstatt sich einmal auf ihren Arsch zu setzen und was dran zu ändern. Klar, sind Veränderungen nicht einfach und man muss sich dazu auch aufrappeln und was tun. Aber keiner kann mir sagen, dass es einfacher ist unglücklicher zu sein. Gut, einfacher schon. Unzufriedenheit ist ja so ein Gefühl, das sich leicht leben lässt und das man wunderbar ernähren kann. Man findet einfach alles solange scheiße, bis man selbst so scheiße ist, dass einen niemand mehr erträgt. Dann ist man noch unglücklicher und verkriecht sich noch mehr in seinem Schneckenhaus. Da lässt es sich ja auch ganz gut unglücklich leben. Und den letzten Freunden, die einem dann noch geblieben sind, erzählt man dann, wie scheiße das Leben ist und die erzählen Dir, wie scheiße ihre Leben sind und alle finden alles scheiße und finden das ganz grandios. Dabei ist alles prinzipiell ziemlich einfach. Unglücklich mit Deinem Job? Na, dann such Dir einen neuen. Unglücklich mit Deinem Partner? Such Dir einen neuen. Oder fick rum, bis was Anständiges dabei ist. Oder bleib einfach mal alleine. Oder such Dir ein Hobby. Irgendwas.

Im Endeffekt ist es nur schwierig etwas zu ändern. Und wir machen uns das alles noch viel schwieriger, indem wir so eine Heidenangst davor haben. Aber ganz ernsthaft, viel schlimmer kann’s nicht kommen. Manchmal muss man der Angst halt einen Arschtritt geben und dann sich und dann seinem Leben und was ändern. Geht nicht anders. Außer man möchte sein Leben lang in seiner lethargischen Unzufrieden versumpfen und am Ende sagen: ‚Ja, war ganz schön scheiße. Hätte ich bloß irgendwas anders gemacht.‘ Dann ist es natürlich zu spät. Und die Moral von der Geschichte? Einfach dann was ändern, wenn es juckt. Wenn mir eine Hose nicht passt, zieh ich doch auch eine andere an und laufe nicht den ganzen Tag in ihr rum.

Also, ja, ich glaube, dass am Ende alles gut wird. Natürlich ist das Arbeit. Natürlich muss man Dinge anpacken, verdrehen, erschlagen, ändern und was weiß ich alles damit machen, aber wenn man immer genau das tut, was einem das Herz sagt, dann kann nicht viel schief gehen und man kann am Ende wenigstens halbwegs stolz auf sein Leben zurückblicken und sagen: ‚War vielleicht manchmal scheiße, aber wenigstens war es ganz schön grandiose Scheiße!‘.“

3 Antworten to “Was war die Frage?”

  1. M Januar 16, 2012 um 6:43 pm #

    Hach. Danke. :-)

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  1. Und? Wird am Ende alles gut? | Kotzendes Einhorn - Januar 15, 2012

    […] bezaubernde Facella fragt in ihrem Blog, ob am Ende alles gut wird und gibt diese Frage an andere […]

  2. Und? Wird am Ende alles gut? // Gastblog | kopftheater. - Januar 16, 2012

    […] und gut Fragen und gibt noch bessere Antworten darauf. Das wissen wir. Diesmal fragte sie sich, ob denn am Ende alles gut werden würde. Diese Frage hat sie auch anderen gestellt und so kam ich zu der Ehre, meine Gedanken dazu in einem […]

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