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Und? Wird am Ende alles gut? – 01 / @girlontravel

9 Jan

Die Erste in der Reihe: @girlontravel und ihre Antwort auf die Frage „Und? Glaubst Du, dass am Ende alles gut wird?“

„Und was willst du mal werden?“ – „Ich werde Prinzessin. Und Tierärztin. Ich werde Seiltänzerin und Autorin. Und irgendwann werde ich mal glücklich. Das weiß ich und das wird ganz sicher auch so kommen“. So oder ähnlich könnte meine Antwort auf die Fragen aller Fragen aussehen. Tut sie aber nicht. Und warum tut sie das nicht? Weil ich absolut keine Ahnung habe.

Ich bin vielleicht eine von Wenigen, die ihr Leben schon geplant hat. Eine von Wenigen, die weiß, was sie nach dem Abi machen will.

Ich beende mein Abi mit einem Notendurchschnitt, der besser ist, als 2,5. Ich ziehe für ein Jahr nach Berlin, mache dort FSJ und studiere anschließend in Kiel Kommunikationsdesign. Dann arbeite ich wo auch immer, lerne dort meinen zukünftigen Mann kennen, gründe eine Familie und wenn die Kinder aus dem Haus sind mache ich mit meinem Mann eine Weltreise. Danach setzen wir uns an einem Haus am Meer zur Ruhe.

Denkste.

Nichts kommt so, wie man denkt. Mein Abi kann ich bei meinen derzeitigen Leistungen in die Tonne hauen. Wenn ich überhaupt eins bekomme. Lehrer haben da ja immer so ihre Eigenarten.  Und ob meine anderen Planungen auch nur in ähnlicher Weise in Erfüllung gehen steht auch noch in den Sternen.

Das Leben macht, was es will. Du entscheidest da gar nichts. Ich weiß nicht, was kommt, ich weiß nicht, wohin der Weg des Lebens führt, ob er sich vielleicht auch ständig ändert.

Ich kann mir gut vorstellen, wie irgendwer in einer großen Regiezentrale vor einem riesigen Monitor sitzt, mit einem Butterbrot in der Hand, Krümel auf seinem runden Bauch und ein Krümel auf der Tastatur. Und der muss da weg. Pusten hilft nichts, also mit spitzen Fingern zugreifen und dabei zufällig durch irgendeine Tastenkombination die Richtung des Lebens der unten stehenden Figuren ändern. Und dann geht der Weg halt in eine andere Richtung. Egal, ob es eine positive oder negative Richtung geht. Der Krümel ist ja weg, also ist ja alles gut.

Enttäuschungen kommen und werden durch tolle Erlebnisse schön geschmückt mit Lametta und bunten Sternchen. In einem Moment ist alles gut, im anderen alles scheiße.

Letztendlich entscheidest nicht du über dein Leben, sondern jeder andere. Man kann noch so viele Pläne und Wünsche haben, auf die man hinarbeitet. Die Regeln macht jemand anderes. Und dieser jemand ist wahrscheinlich irgendein fetter, alter Sack, der keinen anderen Beruf gefunden hat, als uns das Leben zu ruinieren und Mauern in den Weg zu stellen, nur weil da irgendwelche dämlichen Krümel stören. Er ist ja nicht Schuld. Das Brot ist Schuld. Oder wir, denn wir sind ja immer Schuld. Jeder ist ja für das verantwortlich für das, was er tut. Aber ob man diesen Weg hätte gehen wollen, fragt niemand.

Trotzdem glaube ich, dass alles gut wird. Auch, wenn es anders wird, als man es sich vorgestellt hat, denke ich, dass wir irgendwann ein Ziel erreichen. Das wiederum finde ich allerdings beängstigend. Nicht zu wissen, was mich erwartet und doch zu wissen, dass mich etwas erwartet. Vielleicht wird es ein Ziel sein, welches wir selbst  nicht gewählt hätten, welches auf den ersten Blick aussieht wie ein schwarzes Loch, aber bei genauerem Betrachten vielleicht genau das richtige Ende für die Geschichte unseres Lebens ist.

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die einzige Konstante

9 Jan

Ich gehe davon. Den bitteren Nachgeschmack noch in meinem Mund. Diesen Nachgeschmack, den nur das Versagen hinterlassen kann. Dieses Gefühl, das kommt und geht, wann es will. Das nicht greifbar, dafür umso spürbarer ist. Das sich einnistet und sich wie Kaugummi in Haaren festklebt.

Habe ich versagt? Etwas, das ich mich immer wieder frage. Eine Antwort darauf finde ich nicht. Vielleicht finde ich auch nur zu viele. Ein Ja. Ein Nein. Ein Vielleicht. Ein Waswärewenn. Etwas zu viel Wissen um den Lauf des Lebens. Ein Leben, das manchmal mehr nimmt, als es gibt, manchmal aber mehr gibt, als es nimmt. Immer im Wechsel. Hoch und Tief. Himmelhoch jauchzend und zu Tode betrübt. Und das Wissen um die einzige Konstante in meinem Leben: Ungewissheit.