Und? Wird am Ende alles gut? // @kotzend_einhorn

15 Jan

Weniger nachdenken, mehr küssen. Das sollte mein Motto werden.

Ich denke zu viel. Das klingt jetzt unglaublich sophisticated, ist aber eigentlich genau das Gegenteil. Nämlich dumm. Wenn ich denke sind das Assoziationsketten. Eine Verkettung von Wissen das ich habe oder was ich mir einbilde zu haben. Ich bin nicht übermäßig intelligent und ich denke auch nichts Sinnvolles. Es ist nicht so als ob ich mathematische oder sonstige Probleme löse. Meist denke ich daran wie alles kaputt geht oder was alles kaputt gehen könnte und merke nicht, wie das alles kaputt macht.

Sie schneidet mir die Haare während ich auf einem Stuhl sitze und dreht sich zu mir während ihre Hand vom Nacken zum Gesicht streicht und auf der Wange liegen bleibt. Sie beugt sich runter und fragt, ob sie wirklich mehr abschneiden solle. Ich sage ja. Und sie bleibt stehen und schaut mir in die Augen. Ich möchte sie küssen und dann denke ich nach. Wie das damals war, was schief ging, wie wir uns weh taten und ich sehe wie alles kaputt geht. Dann ist es vorbei. Ich bilde mir noch ein ihre Hand genommen zu haben, habe ich aber wahrscheinlich nicht. Sie schneidet weiter.

Meine letzte Bahn ist schon weg und sie sagt, dass ich bei ihr bleiben könne. Ich lege meine Kleider ab und sie liegt im Bett und meint, dass ich entscheiden könne. Ich dürfe auf dem flauschigen Teppich schlafen oder bei ihr. Wir liegen nebeneinander und starren an die Decke. Manchmal guckt sie rüber und manchmal gucke ich rüber.  Und ich denke nach. Dass sie bald wegzieht, ob ich das will. Ob ich nur diese Nacht will, ob ich mehr will. Ob ich wenn ich mehr wollen würde auch sie besuchen fahren würde und wenn ja wie oft. Und ich schlafe ein und als wir aufstehen und frühstücken wollen sitzt ihre Mitbewohnerin da und guckt erst mich, dann sie an und ich merke wie sie mit dem Kopf schüttelt.

Und nein, ich glaube nicht daran, dass am Ende alles gut wird. Ich hoffe es vielleicht,  aber denken tue ich stets ans Ende. Daran wie alles zerbricht. Und wenn Du mich das erste Mal küsst schmeckst Du bestimmt den Fatalismus und merkst wie ich Dich anstarre, weil ich in Gedanken schon da bin wo wir nicht mehr miteinander reden.

geschrieben von @kotzend_einhorn, der hier ganz grandios bloggt!

2 Antworten to “Und? Wird am Ende alles gut? // @kotzend_einhorn”

  1. KK Januar 15, 2012 um 9:57 pm #

    Mein Gefühl von Altern ist, dass es eine gute Sache ist. Die Dinge sortieren sich. Nicht mehr dringlich steht vorne, sondern wichtig schiebt sich an den ersten Platz. Das klingt toll, macht die Sache aber nicht einfacher. Man will immer mehr nur noch wichtige Dinge tun und hinterfragt viel zu viel. Man hat Ansprüche, die nie im Leben auch nur ein Bruchteil der Menschen um einen herum erfüllen kann. Man ärgert sich, dass dem so ist – auch wenn man weiß, wie unabänderlich diese Tatsache ist. Viele Momente, in denen ich es verfluche, so viel zu denken – es abzuschalten wäre aber, mein Ich zu töten. Klingt auch sophisticated – oder? Ich arbeite hart daran, dem Moment immer wieder eine Chance zu geben. Und eigentlich bin ich gut darin – mich immer wieder selbst auszutricksen.

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  1. Und? Wird am Ende alles gut? | Kotzendes Einhorn - Januar 16, 2012

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