Valentinstagskacke

1 Feb

In genau zwei Wochen ist Valentinstag und ich bin wieder mal Single. Wenn ich mich so im Freundeskreis umhöre, bricht die Panik aus. Die haben zwar alle Kind und Kegel und wenn nicht Kind, dann immerhin Partner und Kegel, aber trotz allem Panik. Wegen meines Wohlbefindens an diesem Tag. Ich dürfe nicht alleine sein. Ich müsste doch mit jemanden feiern. Jemanden haben, der mir Essen und Hof macht.

Wenn ich ehrlich bin, habe ich noch nie diesen Valentinstag gefeiert. Wobei, doch. Einmal. Ich war 18 und wild, er 25 und in irgendeiner selbsterfunden Krise. Da gab es dann Plastikrosenblütenblätter aus dem Ein-Euro-Laden und billigen Sekt von Lidl. Für mehr reichte das Geld nicht. In den Jahren davor und danach gab’s (glücklicherweise) nicht viele Festivitäten. Entweder war ich gerade Single oder in einer Beziehungskrise, nach der ich Single war.

Ich glaube, meine Mentalität verbietet es mir, dass mir dieser Tag wichtig ist. Valentinstag, Weihnachten, Silvester – alles große Daten, große Tage mit viel Bedeutung. Aber eigentlich sind es nur Tage. Und eigentlich ist es egal, ob man diese Tage mit jemandem verbringt. Wichtiger ist es, jemanden zu haben, mit dem man bewegende Dinge teilen kann. Das muss kein Partner sein. Das kann der bester Freund, die Mama oder die Lieblingskellnerin sein. Man braucht nur jemanden, der da ist, wenn etwas passiert, das Dich verändert, das Dir wichtig ist, das Dir so viel bedeutet, dass Du vor lauter Gefühl gar nicht weißt, wohin mit Dir. Wenn man so jemanden gefunden hat, ist es eigentlich egal, ob da jemand ist, dem man am Valentinstag Rosen schenken kann.

Ich wehre mich dagegen jemandem zu gehören. Denn ich gehöre zu mir. Hier und jetzt. In mein Bett, das MacBook auf dem Schoss, die Katze unter der Decke, die Tasse Tee in der Hand. Mit wenig Wissen darüber, was ich eigentlich vom Leben will, dafür mit viel Wissen darüber, was ich so gar nicht will. Und wenn ich den Valentinstag genauso verbringe, werde ich mir nur eines denken: Strike! Im Kühlschrank ist noch Schokokuchen!

10 Antworten to “Valentinstagskacke”

  1. Steinesammlerin (@tocaya) Februar 1, 2012 um 9:29 pm #

    Auf Geheiss von Facella, gebe ich nun auch noch meinen Senf hinzu. Ich kann diesen Beitrag komplett unterschreiben. Als ich ihn eben auf Facebook teilte, fragte mich eine Freundin, ob der Post von mir sei. Er klänge absolut nach meiner Einstellung. und in der Tat. Was in den letzten 2 Jahren noch hinzukam, ist das Leiden einer Kommunikationsmanagerin vor allem am 14.2. eines Jahres. Nicht genug, dass man als Konsument auf allen Kanälen besprudelt wird mit den Aufforderungen, anderen seine Liebe zu zeigen, Blumen, Pralinen und süsse Teddybären zu kaufen, einen Tisch in überfüllten Restaurants zu buchen oder sich bei Parship anzumelden, sofern man ein Jahr später nicht wieder traurig alleine bei Schokokuchen im Bett mit seinem Macbook sitzen möchte. Nein – jetzt wird man selbst noch dazu gezwungen, anderen diese frohe Botschaft zu übermitteln. Schöne Grafiken mit Herzen rauszusuchen und wiederum andere Konsumenten dazu aufzufordern, SMS, Mails und sonstige persönliche Liebeserklärungen öffentlich zu machen, für alle gut lesbar. Es quasi herauszubrüllen, was doch eigentlich so schön sein sollte, dass man es normalerweise höchstens gegenüber Freunden und Familie herausbrüllt und ansonsten einfach innerlich lacht und nach aussen strahlt.
    Wie so oft wird hier man hier als Opfer zum Täter. Unfreiwillig, denn schliesslich verdient man sein Geld damit. Und wenn die Arbeit getan ist, der letzte Liebes-Facebook-Post veröffentlicht, geht man nach Hause und setzt sich vor den Fernseher. Hofft, dass irgendeine Castingshow kommt, in der das Motto nicht „Die schönsten Liebeshymnen“ ist, und dass das Stück Schokoladenkuchen besonders gut schmeckt. Ein Gutes hat der 14.2. – man kann gern und ohne schlechtes Gewissen allein sein. Denn im Gegensatz zum 31.1. hat man nicht das Gefühl, man habe keine Freunde, mit denen man „feiern“ müsste.

    • Steinesammlerin (@tocaya) Februar 1, 2012 um 9:39 pm #

      und es ist der 31.12. ;-)

      • facella Februar 1, 2012 um 10:46 pm #

        ich fände den 31.01. aber auch gut.
        Das könnte sozusagen unser Start ins neue Jahr werden.

  2. cottoncandys Februar 2, 2012 um 12:09 am #

    Schön geschrieben, mag ich.
    Und heeeey…absolut nichts geht über Schokokuchen!

  3. helvetic woman Februar 2, 2012 um 11:59 am #

    ahhh ja, das kenne ich. diese künstlichen feiertage, damit die wirtschaft wieder geld in den sack wirtschaften kann. jaja…nichts da! da muss man resistent dagegen sein. :-)

  4. monologe Februar 2, 2012 um 4:37 pm #

    Ich hab am Valentinstag Geburtstag. Und fast jedesmal Krise. Weigerung, irgendwen einzuladen; ja, wenn jemand spontan kommt, okay usw. Am Tag selber möchte ich am liebsten fliehen, dann, abends, fänd ich es ja sooo nett und schön, mal wieder ausgibig ein bisschen zu feiern. Erwarte ich Anrufe? Nein. Aber wenn dann wirklich niemand anriefe…! Na, jedenfalls wars immer nur so irgendwie gut und wurde fast immer auch echt nett. Silvester ist es eigentlich auch immer ungefähr so. Nix Entscheidung, bloß kein Plan, bloß kein Festbinden – ahh, es war wirklich schon mehrere Male so, dass 1-2 Tage vor diesen Tagen eine spontane Feier anging – the best!!!

  5. gedankenkosmos2g Februar 2, 2012 um 6:19 pm #

    Schöner Text. Offen und ehrlich, wie die meisten Gedanken von Dir. Ich mag ihn auch nicht, diesen Valentinstag. Im Grunde glaube ich sogar, wer so einen Tag braucht, um sich der Liebe zu versichern, hat noch nie geliebt.

    Ich verschenke am 14.2. immer einen Brief oder ein besonders gebasteltes Wortgeschenk an einen Single-Freund/Freundin.

    Aber hey, dass Leben geht am 15.2. wieder normal weiter!

  6. doreensblog Februar 2, 2012 um 7:16 pm #

    Sehr süß :) warum nicht genauso?

  7. payoli Februar 2, 2012 um 8:27 pm #

    Arm!

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  1. off the record – begegnen wir der zeit wie sie uns sucht | off the record - Februar 7, 2012

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