003 – Frustshoppen

3 Feb

Heute eine neue Erkenntnis gewonnen: man kann auch ohne Frust frustshoppen. Das geht sogar erstaunlich gut und ist etwa genauso schlecht fürs Konto.

Gestartet hat das Ganze im Shoppingcenter #1. Sich erstmal den Bauch voll schlagen, um dann hautenge Kleider anzuprobieren ist übrigens eine miese Idee. Aber Schuhe kaufen kann man auch mit vollem Magen. Schuhe sind sowieso grandios. Passen immer, vor Weihnachten, nach Weihnachten, wenn man im 9.Monat schwanger ist. Immer! Deswegen haben wir Frauen wohl auch so viele Schuhe. Weil die uns nie so schallend auslachen wie die Skinny-Skinny-Skinny-Jeans, die wir natürlich nur zu heiß gewaschen haben.

Gut, Schuhe kann man nie genug haben. Das ist so wie mit den etwa 80 Menschen, die man im Telefon samt Nummer, Adresse und Twitter-Account gespeichert haben, aber nie anrufen: wir könnten, wenn wir wollen würden.

Außerdem sind Schuhe schön. Vor allem die mit 14cm Absatz, die man nur trägt, wenn man vorhat den ganzen Abend an der Bar zu sitzen.

Danach ging’s zu Ikea. Fast eine neue Küche und drei Betten gekauft. Dann wurden es aber doch nur Kerzen, Gläser, Batterien, Zeugs aus dem Ikea-Family-Shop, das niemand braucht, Bettwäsche, Dekokissen, neue Vorhänge, Wolldecken, Tassen, Salatschüsseln und etwa 8000 Kalorien im Ikea-Restaurant. Da lässt man außer Geld auch gleich die neue Diätvorsätze bei Ikea.

Nach Ikea, weil die Kreditkarte noch nicht genug gelitten hat, ging’s zu Shoppingcenter #2. Und zur Belohnung, weil Geld ausgeben so anstrengend ist und man grandiose Sachen gekauft und viel zu viel gegessen hat, gibt’s erstmal Kaffee und Kuchen. Dann nochmal Schuhe. Drei Paar. Und ein Kleid, in das man, auch wenn man die nächsten drei Monate nichts isst, nicht reinpassen wird, weil man irgendwann einsehen muss, dass man nicht die Hüften eines 12-jährigen Jungen hat.

Das ist sowieso so ein Ding, das die wenigsten Penisträger verstehen: wieso kaufen Frauen sich Sachen, die ihnen zu klein sind? Ganz einfach: weil wir a) noch drauf hoffen, dass wir irgendwann plötzlich einen Hüftumfang wie Nicole Richie haben und b) weil wir etwas masochistisch veranlagt sind.

Ich habe da dieses eine Kleid. Größe Zero. Ja, genau, die Größe Zero. Das habe ich mir vor Jahren online gekauft. Das ist auch hübsch. Aber, dass selbst meine 13-jährige Cousine nicht reinpasst, sollte mich dazu veranlassen es endlich wegzuwerfen. Aber nein. Irgendwann werde ich da reinpassen. Und ich kann euch nicht sagen, wie oft ich schon versucht habe, es zuzubekommen. Stehend, liegend, Luft anhaltend, nach Hungerkuren. Und dann saß ich da, deprimiert, in Unterwäsche, mit einem Becher Schokoeis und verfluche meinen Körper. Auch, wenn mir eigentlich klar sein müsste, dass ich da niemals reinpassen werde, weil ich a) Titten habe und b) da einfach Knochen im Weg sind.

Dennoch ist jeder Zentimeter, den ich den Reißverschluss weiter zu bekomme, ein kleiner Gewinn. Und hey, wahrscheinlich mit 40 Kilo und acht Rippenknochen weniger, dürfte mir das Kleid dann auch passen. Nur keine Ahnung, ob ich mit 10 Kilo Körpergewicht überleben könnte. Aber immerhin kann man mich dann, 20 Jahre nach meinem Tod ausgraben, und das Kleid über mein Skelett ziehen. Da ist es auch nicht so schlimm, wenn ein paar Knochen dabei brechen.

Eine Antwort to “003 – Frustshoppen”

  1. Personal Trainer Kiel Februar 4, 2012 um 6:11 pm #

    Hmm, ist ja ein Teufelskreis! Was ist wenn Du depremiert bist, weil der Reißverschluss einfach diesen einen cm nicht weiterzugehen will und Du wieder losziehst, Dir den Magen vollschlägst und frustshoppen machst?! Und von vorn… Spende es doch einen Kleiderständer. 40kg? Das sieht doch nicht mehr schön aus!

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