Und? Wird am Ende alles gut? // @eFrane

14 Feb

Das Problem mit Bands, die versuchen, Radiohead nachzumachen, ist, dass sie versuchen, die Musik nachzumachen. Dabei geht es nicht um die Musik. Jedenfalls nicht nur. Es geht um die Leidenschaft, die diese Kerle bei der Musik haben, die Leidenschaft, die diese Musik auslöst und die ganzen Geschichten, die damit verbunden werden, wenn man solcher Art Kunst wahrnimmt. Es geht nicht darum, Musik zu machen, die die Grenzen des Machbaren erforscht, wie das ja gerne und oft über die der Herren gesagt wird. Es geht darum, Musik zu machen, die einfach Spaß macht, Musik zu machen, ohne darüber nachzudenken, ob man das so machen darf, ob das denn so okay ist, ob denn da nicht vielleicht etwas dagegen spricht. Kurz: Musik machen, wie Bukowski schrieb. Einfach drauf los. Scheiß drauf, wer dann hinter her alles seinen Senf dazu geben muss und meint, dass dies und das und noch etwas ziemlich großer Dreck sei. Ist nun mal so. Ist immer so. Egal mit was. Eigentlich sollte ich jetzt langsam mal zum eigentlichen Thema kommen. Radiohead machen Musik, die zumindest mich an das bessere im Menschen glauben lässt, mich daran glauben lässt, dass dieses ganze Leben leben und gelebtes wieder aufleben lassen in Bildern, Erzählungen und auch und sogar viel zu oft und meistens total unterbewusst mit scheiße schmerzhaften Erinnerungen verbunden in Liedern wichtig ist. Ich glaube nicht, dass am Ende alles gut wird. Schon allein aus Prinzip. Und weil das ziemlich langweilig wäre. Und ziemlich Hollywood. Genauso, wie deren Lovestories im realen Leben selten bis nie funktionieren, funktionieren auch solche Idealvorstellungen nicht. Man könnte auch einfach mal anders herum an die Sache herangehen: Was würde es denn bedeuten, dieses „Alles gut“?

Nun, zunächst einmal könnte man sowas wie „Keine Probleme mehr haben, mit nichts und niemandem.“ in die Definition mit aufnehmen. Dann vielleicht, wenn man sich gerade etwas ungesund übernehmen möchte, noch „glücklich sein“, für den Fall, dass man doch lieber noch nicht ganz vom Boden abheben möchte ob der Wunderbarkeit des da womöglich kommenden, kann man stattdessen auch „zufrieden sein“ wählen. Zufrieden sein ist zwar schwieriger als glücklich sein, weil es mehr Zeit und eigene Leistung erfordert, aber der Zustand ist im Allgemeinen langwieriger und haltbarer. Das wäre es dann aber im Grunde auch schon mit diesem „alles gut“. Der Rest, den man da so anbringen könnte, der ergibt sich für jeden einzelnen aus dem keine Probleme mehr haben. Das scheint mir mager. Zwei kleine Ideen nur sollen ein erfülltes Leben bringen, sollen bewirken, dass am Ende nichts mehr ist, wogegen sich noch etwas sagen ließe? Klingt nach Utopie. Ein bisschen zu sehr für meinen Geschmack.

Am Ende wird alles gut und wenn es nicht gut ist, ist es nicht das Ende. Wie oft ich diesen Satz schon gehört habe, wie oft ich mich schon gerne in die Schlacht geworfen hätte gegen diesen Satz, gegen all diese Sätze. Ich kann sie nicht mehr hören. Das Leben ist nicht gut. Das Leben ist ein dreckiges kleines Arschloch und weil das ganze verdammte Leben so ein dreckiges kleines Arschloch ist, kann am Ende gar nicht alles gut werden. Beweis durch scharfes Hinsehen. Am Ende kommt viel wahrscheinlicher meist eher sowas absurdes, wie ewige Liebe. Nicht wirklich Liebe in diesem Pärchenscheißsinn an den ihr jetzt sicher sofort dachtet. Das auch, das aber eher selten. Gehört in die „Alles Gut“-Sparte, irgendwie. Nein, eher so Liebe im Sinne von einem gelebten Leben. Von Erinnerungen, Freunden, Büchern, Musik, Sonnenauf- und Untergängen, die die Tage, die jeder von hier verbringen darf besser machen, die uns ein Lächeln auf den Gesicht zaubern, uns weiter machen lassen. Am Ende wird nämlich niemals alles gut, weil gut heißt, dass man irgendwann zufrieden ist, wenn man aber zufrieden wäre, gäbe es keinen Sinn mehr weiter zu machen. Vielleicht ist das der Sinn des Lebens: Immer weiter machen. Immer neue Erfahrungen und Eindrücke gewinnen. Am Ende alles besser werden lassen.

Mit etwas Verspätung der letzte Teil.
Von @eFrane, der hier auch rumgrandiosiert!

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