Brief an M.

15 Dez

Meine Süße.

Was für ein Jahr, was für ein Leben. Ich erzähle gerne von Dir, von damals, als Du aus Dir rauskamst. Erinnerst Du Dich? Ich mich sehr gut. Du warst Mutter durch und durch. Ehefrau. Selbstständig. Alles. Immer da, immer am Geben. Nie hast Du was verlangt. Nie hast Du etwas genommen.

Ich war bei weitem kein einfaches Kind. Mehr so ein Debakel. Etwas mehr noch ein „Was zum Teufel ist denn in das Ding gefahren?“-Kind. Noch mehr einfach beschissen. Vor allem zu Dir. Ich kann nichts rückgängig machen. Niemand kann das. Wir haben uns Dinge an den Kopf geworfen. Wütend, schreiend. Ich wollte um jeden Preis etwas demonstrieren, was, das weiß wohl niemand. Anders sein. Mit Gewalt. Zeigen, dass ich nicht so sein will, so sein kann, wie man es sich von mir wünscht.

Ich wollte viel. Alles. Etwas anderes vom Leben. Mehr vom Leben. Was ich am meisten wollte: Grenzen austesten. Grenzen ausdehnen. Grenzen überschreiten. Das war Dir zu wider. Glaube ich. Ich weiß es nicht. Aber es brachte viel mit sich. Auf der einen Seite, dass wir uns gestritten haben, dass wir uns fast die Köpfe abgerissen haben, auf der anderen, dass ich heute weiß, dass ich Grenzen nicht als solche erachte. Weil sie einen aufhalten, einengen. Das, mein Liebe, das habe ich von Dir gelernt.

Denn Du hast mir gezeigt, dass es nicht nur Grenzen gibt, die einen von der Gesellschaft gesteckt werden, sondern auch Grenzen, die man sich selbst steckt. Und Du hast mir gezeigt, dass man selbst die durchbrechen kann.

Vor einigen Jahren, ich weiß nicht genau, wann das war. Ich war schon immer fürchterlich mit Daten. Da, da hast Du Deine Grenzen eingerissen. Die Grenzen, die Du Dir selbst gesteckt hast. Du warst für uns da. Aber nie für Dich. Und dann plötzlich. 180 Grad. Kaboom. Grenzen und Mauern eingerissen. Du hast gegen Dich gekämpft und gewonnen. Du bist aus Dir herausgekommen. Bist rausgegangen. Bist aufgelebt. Ich habe es Dir nie gesagt, aber ich habe Dich immer dafür bewundert.

Du bist eine wahnsinnig starke Frau. Warst Du schon immer. Und irgendwann hast Du es auch der Welt gezeigt. Man sagt, man muss sehr hell leuchten, sonst blendet man nicht. Und Du, meine Liebe, Du blendest sie alle in Grund und Boden. Du warst immer Sonne für mich. Immer Ruhepol. Immer Ehrgeiz und Vernunft. Aber vor allem eins: für mich warst Du immer Liebe. So so so so viel Liebe.

Du hast so viele Talente. Du schreibst, Du fotografierst, Du malst, Du lachst, Du inspirierst, Du kannst sogar rechnen, ey, das kann heute doch niemand mehr, Du strahlst und blendest, Du gibst Kraft, Du gibst Stärke, Du gibst Hoffnung. Aber Dein größtes Talent war es schon immer zu lieben. Es ist unglaublich, wie gut Du es kannst. Wie viel Du davon gibst. Wie viel Liebe Du ausstrahlst. Noch nie habe ich einen Menschen gesehen, der Liebe so gut lebt, wie Du es tust. In einer Zeit, in der nichts bleibt, in der alles im ständigen Wandel bist, da bist Du der Ruhepol, der mit weit ausgestreckten Armen auf mich wartet und mich, egal, wie beschissen ich bin, liebt. Ohne Wenn, ohne Aber.

Ich weiß, ich sitze gerne zwischen den Stühlen und in den Nesseln. Aber ich liege auch gerne goldrichtig. Ich stehe manchmal überall, manchmal neben mir, manchmal vor dem Nichts, manchmal am Pranger, manchmal auf dem Sprung. Aber egal wo ich stehe, Du, Du stehst immer neben mir.

Ich hätte Dir dies alles schon längst sagen müssen. Aber Du weißt, ich bin nicht gut darin, diese Art der Gefühle offen auszusprechen. Aber schreiben, schreiben das kann ich. Und es war nötig und verdammt noch mal viel zu spät. Aber, meine Süße, ich danke Dir. Für alles. Dafür, dass Du mir nicht nur Dinge gelehrt hast, sondern vor allem dafür, dass Du mir zeigst, dass Liebe alles meistern kann.

Ich wünsche Dir, nicht nur zu Weihnachten, sondern für Dein Leben, dass Du alles, was Du Dir vornimmst erreichst, dass Du glücklicher als nur glücklich bist, dass Du leuchtende Farben im Grau findest, dass Du Liebe an Orten findest, die verlassen scheinen, dass Du lachst und weinst, dass Du Dinge erlebst, die Deine Welt bewegen, dass Du ganz oft Dein Fernweh stillst, dass Du Ruhe im ohrenbetäubenden Lärm findest, dass Du vor Glück weinst, dass Du keine Angst vor irgendwas hast, dass Du Menschen triffst, die Dich berühren, bewegen und inspirieren, dass Du, egal wie viel Du hast, alles hast, dass Du bleibst wie Du bist, dass Du auf Dich achtest und Dich in den Vordergrund stellst, dass Du das Leben in der Welt und die Liebe bis zu Deinen Zehenspitzen spürst, dass Du tanzend durch die Straßen läufst, dass Du immer ein Motiv hast, auch wenn Du gerade keine Kamera zur Hand hast, aber vor allem, dass Du, meine Süße, dass Du das Leben Deines Lebens hast.

Liebe.
Ganz viel Liebe.

Dein Pumuckel.
Der ich immer sein werde, auch ohne komische Haarfarbe.

Eine Antwort to “Brief an M.”

  1. verzaubert Januar 2, 2014 um 6:57 pm #

    Obwohl immer wieder gelesen, kommen mir immer wieder die Tränen. Ich danke dir, ich knuddle dich ganz toll, ich hab dich lieb! Du bist und bleibst meine einzige Süsse! Bussi!

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