Zuhause!

10 Mai

 

Ich war so so so wütend. Stets. Ein Pegel an innerer Wut hielt konstant die Stellung in meinem Inneren, manchmal so standfest, dass mein Körper sich so verspannte, dass es weh tat.
 
Ich war so so so wütend. Auf nichts. Auf alles. Wohl am meisten auf mich selbst. Den Grund dafür vermochte ich nicht festmachen zu können. Das Gefühl dafür aber umso mehr.
 
Ob die Wut ein Nebeneffekt der Depressionen war oder die Depressionen ein Nebeneffekt der Wut oder ich vielleicht selbst als Ganzes ein gefühlsverzerrter    Nebeneffekt,  kann ich auch heute noch nicht sagen.
 
Dennoch waren all diese Gefühle – die Wut, die Trauer, die Angst, die ständige Ungewissheit, das nicht enden wollende Loch – Teil eines omnipräsenten Wahns.
 
Ich war nie genug – weniger für andere, als für mich selbst. Ich wollte immer mehr – besser, schneller, intelligenter, hübscher, kreativer sein. Der Maßstab, den ich mir selbst gesetzt habe, schien unerreichbar. Ich blieb ständig weit darunter.
 
Es bedarf etwas Zeit, doch irgendwann kam mir die Erkenntnis zuteil, dass viel, dass ich war und noch immer bin, völlig okay ist. Dass es okay ist, introvertiert zu sein. Dass ich nicht krampfhaft versuchen muss, extrovertiert zu sein. Dass ich nicht so gut alleine sein kann, weil ich mich vor Menschen fürchte, sondern weil ich aus den Momenten, in denen ich mit mir selbst still sein kann all die nötige Kragt schöpfe, die ich brauche, um all das zu sein, was ich bin und sein will.
 
Dass Ängste wunderbar sind. Dass Ungewissheit der beste Beigeschmack des Lebens ist. Dass ich sein kann, ohne ständig versuchen zu müssen, aber ständig versuchen zu dürfen, besser zu werden.
 
Wir schreiben 2013. Ich lebe! Glücklich! Nicht immer, aber oft. Und ich bin nicht mehr wütend. Ich bin nicht mehr depressiv. Ich ziehe es vor, mich zurückzuziehen anstatt zu verstecken.
 
Und ich bin zuhause. In einer Stadt, die ich nie mochte. In einer Stadt, die immer mehr Feindbild als Zufluchtsort war. Und hier in Wien, hier an diesem Ort, der mir stets das Gefühl von Angst vermittelte, hier hab ich gelernt frei zu sein. Hier hab ich gefunden, wonach und wonach ich nicht gesucht habe. 
 
Es ist 2013 und ich bin so sehr am Leben, wie noch nie zuvor. Auch wenn, ich diesen Scherbenhaufen namens Herzen immer rumschleppe, weiß ich, dass es gut so ist. Dass es weh tun darf, aber nicht ständig muss. Dass Leben mehr ist, als nur am Leben zu bleiben. Dass alles seinen Platz hat, sogar ich. Dass ich frei sein kann, ohne mich in der Freiheit eingeengt zu fühlen. Dass sich alles ändert.
 
Dass ich nicht aufs Ende warten muss, damit alles gut ist.

2 Antworten to “Zuhause!”

  1. Dino Mai 10, 2013 um 4:58 pm #

    :‘)

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  1. Lesestoff • Ausgabe #1 | Neon|Wilderness - Januar 1, 2014

    […] Zuhause! – herzintakt.wordpress.com […]

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