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Es gibt kein zurück. Es gibt kein nach vorne.

6 Nov

Es gibt nichts mehr zu sagen. Es gibt auch nichts mehr zu schreien. Nichts mehr, dass wir uns vorwerfen könnten. Nichts, was wir uns noch vorhalten könnten. Nichts, was noch gesagt werden kann, was nicht schon unzählige Male in den Raum geschrieen wurde.

Es gibt nichts mehr. Kein Wir. Kein Uns. Kein Dich & mich. Kein Heucheln einer Freundschaft. Keine Besorgnis. Kein Mitleid. Keine Reue. Zumindest für mich. Denn ich gehe. Heute endgültig.

Weil es nicht mehr weitergehen kann, nachdem Du stehen geblieben bist. Wo, das weißt Du selbst nicht so genau. Wann, das weißt Du auch nicht so wirklich. Wie, das weißt Du schon gar nicht. Ich sehe Dich an und weiß es. Weil ich Dich all die Jahre durchschaut habe, weil ich Dich kennenlernen musste, um Dich so zu kennen, wie ich Dich nicht kennen wollte.

Es gibt kein zurück. Noch weniger gibt es ein nach vorne. Es gibt nichts mehr. Nur etwas Vergangenheit, die den Sprung in die Gegenwart nicht geschafft hat. Und wenn wir ehrlich sind, hat sie auch wenig in der Gegenwart zu suchen. Und wenn wir ehrlicher sind, hat sie noch weniger in der Zukunft zu suchen.

Verzeih mir meine Wortwahl, aber bitte bitte bitte verschwinde. Endgültig. Für immer. Auf ewig.

Mädel, wir sind keine Haushaltsgeräte.

26 Jun

Es ist ein Uhr Nacht. Ich sitze am Fenster. Das Glas Wein in der einen Hand, die erdrückende Stille in der anderen, die Nachtfalter schwirren um meinen Kopf, die Gedanken in ihm. Und diese Melancholie, die sich nur nachts einschleichen kann, mitten im Herz.

Alles in allem war es ein produktiver, aufschlussreicher Abend. Einer dieser Abende, an denen man sich ein Stück besser kennenlernt. An denen man wieder zu schätzen lernt, was manche Menschen für einen tun. Heute war es Noah. Einer dieser grandiosen Menschen, die man viel zu selten sieht. Einer dieser grandiosen Menschen, die mich brutal durchschauen.

Während wir über das Leben, aber vor allem meines sprechen, bekommt er im 30-Minuten-Takt kleine Nachrichten von seiner Frau. Und er lächelt. Jedes Mal. Eines dieser Lächeln, die so ehrlich und glücklich sind, dass man einfach anfangen will zu weinen. Mein gesunder Pessimismus würde ihn jetzt hassen, einfach dafür, wegen diesem Lächeln und dem dahinter verborgenem Glück. Aber doch kann ich es nicht. Weil es Menschen gibt, die so glücklich sind, dass man ihnen dieses Glück nicht zerstören will und schon gar nicht kann. Und ich höre mich sagen, so ehrlich wie noch nie zuvor: „Ich bin so unbeschreiblich glücklich für euch.“

Das meinte ich letztens schon einmal, da zwar auch ehrlich, aber doch mit einem „fickt euch doch alle“-Beigeschmack, als mir mein Ex-Freund erzählte, wie glücklich er doch mit seiner neuer Freundin sei. Und ich sagte: „Ich freue mich so unbeschreiblich für Dich.“ Ich denke: „Ich freue mich so unbeschreiblich für ihn.“ Weiß aber doch, dass ich diesen Wettkampf, von dem keiner spricht, den aber jeder führt, verloren habe: Wer ist zuerst wieder glücklich? Und da war es nun mal nicht ich. Mal wieder.

Noah schimpft über die Männer, die mich haben gehen lassen, sagt aber im selben Satz noch: „Weißt Du? Dieses große Ganze, das am Ende Sinn ergibt? Dazu führt das alles. Die Deppen wissen es zwar nicht, aber ließen sie Dich bloß gehen, weil da noch jemand auf Dich wartet. Jemand, der dieses große Ganze vollständig macht.“ Und ich frage mich und ihn: „Aber wenn ich Teil dieses großen Ganzen sein könnte, werde oder auch bin, wieso will dann niemand der andere Teil sein? Das ist ja völlig unlogisch.“ Und dann sagt er, mit seiner sanften Stimme, die immer mitten durch mich hindurch schneidet: „Weil Du nicht Teil ihres großen Ganzen sein konntest, genau wie sie nicht Teil Deines großen Ganzen sein konnten.“ Also mal wieder diese Leier von Topf und Deckel, sage ich und er lacht und sagt: „Mädel, wir sind keine Haushaltsgeräte.“ Da mag er vielleicht Recht haben, trotzdem fühle ich mich gerade wie die Tupperware-Box in meinem Schrank, die vor Jahren ihren Deckel verloren hat und nie wieder findet wird.

Man bekämpft sich unbewusst, sagt er, wenn man nicht zusammenpasst. Solange, bis man sich trennt. Weil irgendetwas nicht stimmt und das unausgesprochen zwischen den Herzen liegt. Man liebt nie ganz, weil man unbewusst weiß, dass es ein getrenntes Ende geben wird. Noch schlimmer ist es, wenn man es weiß. Das unbekannte Ablaufdatum einer Auf-Zeit-Beziehung.

Noah geht. Irgendwann vor Mitternacht. Als es am einsamsten wird.
Noah geht mit den Worten: „Alles, meine Liebe, Du bist alles und Du wirst sehen, irgendwann kommt jemand, der auch Dein Alles sein kann.“

Antwort an A.

13 Mrz

du verstehst es einfach nicht. nichts geht weiter. und hör mir auf mit deinem weil. weil liebe und leben einfach scheiße sind.

 

Liebster A.

Ich gehe bewusst nur auf diesen einen Absatz ein. Weil, ja schon wieder ein Weil, weil Du, verzeih mir das Wort, Bullshit von Dir gibst.

Liebe, mein lieber A., ist nicht scheiße. Liebe ist das reinste, schönste Gefühl, das uns zuteil werden darf. Nichts, rein gar nichts, kann an dieses Gefühl auch nur annähernd rankommen und nichts, rein gar nichts, kann dieses Gefühl ankratzen. Trotzdem tun wir es ständig. Mein Lieber, verstehe doch, dass Dein Schmerz gerade nichts mit der Liebe an sich zu tun hat. Das sind nur die Nebengefühle, die eben auftreten, wenn man liebt. Zurückweisung schmerzt. Verlust schmerzt. Einsamkeit schmerzt. Das Ende einer Liebe schmerzt. Schuldgefühle schmerzen. Aber die Liebe an sich, die schmerzt nie. Das kann sie gar nicht. Dazu wurde sie nicht gemacht. Liebe beflügelt uns, lässt uns zu Höchstformen aufsteigen, lässt uns Dinge in uns finden, die wir nie für möglich gehalten haben. Liebe ist mehr als nur ein chemischer Prozess, Liebe ist alles und mehr.

Liebe zweifelt nicht. Liebe verurteilt nicht. Sie fordert nicht, sondern gibt. Liebe verlangt nicht. Liebe ist bedingungslos. Liebe sucht nicht das Negative. Sie umgibt uns, schmeichelt uns, lässt Gefrorenes in uns wieder erwärmen. Liebe findet sich überall. Sie schleicht sich ganz langsam an, hüllt uns in Glück, bevor sie ganz von uns Besitz ergreift. Sie sucht nicht, sie findet. Sie taucht auf, wenn man sie am wenigstens erwartet, jedoch am meisten braucht. Und sie ist alles. Weil man ihr nicht weniger Bedeutung zukommen lassen darf.

Liebster A. Höre auf an der Liebe zu zweifeln. Das ist der falsche Weg. Sieh ein, dass sie nichts für all Deinen Schmerz kann. Dass sie Dir mehr gab, als genommen hat. Dass sie da war, als Du schon fast alles aufgegeben hast. Und dass sie wieder kommen wird, wenn Du bereit dafür bist. Und dass sie ständig da ist, vielleicht etwas versteckt tief in Dir. Doch spürst Du sie. Weil sie nie ganz gehen kann. Weil sie nie ganz gehen wird.

Das Leben, mein Lieber, das Leben ist beschissen. Jedoch bist Du nicht der Erste und schon gar nicht der Einzige, dem das aufgefallen ist. Aber sich damit abfinden ist weder ein Weg, noch eine Lösung. Man muss das Beste daraus machen, muss all die kleinen Dinge wertschätzen können, alles versuchen, um glücklich zu werden, sich nicht dem Schmerz hingeben und sich damit abfinden, sich nicht im Selbstmitleid suhlen. Das Leben wird nicht besser, wenn Du Dich davor versteckst. Herz, Du hast nur dieses Eine. Mach was daraus. Lebe gefälligst. Und genieße jede Sekunde, weil es anders nicht geht. Lerne aus Tiefschlägen, aber verschanze Dich nicht in Löchern. Da ist noch so viel, das Du erleben musst, noch so viel, was auf Dich wartet, noch so viel, was das hier alles erträglich macht.

[…]

Lass Dich niemals unterkriegen. Dazu bist Du viel zu wundervoll. Dafür hast Du viel zu viel Potenzial, das nur so darauf wartet, genutzt zu werden. Du wirst sehen, irgendwann ergibt alles Sinn. Irgendwann fügt sich alles zu einem großen Ganzen. Dass jedes Ereignis zu einem anderen führt. Dass das Leben wie eine Treppe ist, die man besteigt und man nie Stufen auslassen sollte, weil sonst die Gefahr besteht, dass man plötzlich fällt und fällt und nie mehr damit aufhören kann.

Geschriebene Worte an A.

13 Mrz

Und jetzt? Nichts und alles zugleich. Weil es, wie gesagt, immer weiter gehen muss. Weil es immer weiter geht. Es gibt kein Zurück, immer nur ein Vorwärts. Immer nur Gegenwart und Zukunft, nie ein Schritt in die Vergangenheit. Kein von vorne Anfangen, kein rückgängig Machen, kein Wiederholen, kein besser Machen, kein Ausbessern von Fehler. Es geht bloß weiter. Immer weiter und weiter. Nichts bleibt stehen, alles ist dem ewigen Lauf der Dinge unterworfen, dem Ticken der Uhr, dem Fortschreiten der Zeit. Letztendlich dem Leben.

Du kannst es nicht ändern, so sehr Du es Dir wünscht. Egal, wie oft Du diesen Abend gedanklich durchspielst, wie oft Du versuchst ihn gedanklich zu ändern, es wird nie eine Umsetzung davon geben können. Weil auf jede Tat eine neue folgt, weil auf jedes Geschehen ein neues folgt, weil auf jeden Tag ein neuer folgt.

Herzen brechen. Im Sekundentakt. Überall. Du fühlst Dich alleine gelassen, einsam, irgendwo am Rande des Abgrundes. Doch stehst Du dort nie alleine. Die Welt ist nicht gegen Dich, Du bist es gerade. Du musst lernen, dass dort, wo ein Ende ist, auch immer ein Anfang sein kann. Dass man erstickt, wenn man den Kopf zu lange in den Sand steckt, dass alles weitergehen muss, weil es nur so weitergehen kann.

Und jetzt? Jetzt fahr nach Hause. Lerne wieder mit Dir alleine sein zu können, kratze langsam den Schmerz von den Erinnerungen, bis sie ein warmes Gefühl in Dir auslösen, wenn Du sie aufrufst. Der bittersüße Beigeschmack wird bleiben, aber irgendwann überwiegt das Schöne, das Glückliche, das, woran es sich wert ist sich zu erinnern.

Du wirst sehen, Liebster A., es vergeht. Weil Schmerz immer vergeht. Aber es muss weh tun. Es muss schmerzen, damit es heilen kann. Und es muss Dich zerreißen, Dich auffressen, Dich zur Verzweiflung bringen, Dir die Tränen in die Augen treiben. All das. All das und mehr. All das ist Verarbeitung. Der lange Prozess der Verarbeitung.

Nur darfst Du nie aufgeben. Weil man es nicht darf. Weil man immer wieder aufstehen muss. Weil wir vielleicht verwundete Soldaten sind, die trotz all ihrer Schmerzen nach Hause kommen wollen. Auch wenn der Weg lang ist. Auch wenn der Schmerz, Dir die Kehle schnürt. Immer weiter, Liebster A., immer weiter und weiter.

Und jetzt? Und jetzt leide. Leide, wie Du es die letzten drei Monate getan hast. Leide, so sehr Du kannst. Weine, so viel Du willst. Weil das alles wichtig ist. Weil Du das musst. Weil Du jetzt schon kannst, wofür ich Jahre gebraucht habe. Weil Du, wenn ich ehrlich bin, immer stärker warst als ich. Weil Du schon immer so stark sein konntest, zuzugeben. Alles. Die Wut, die Trauer, den Schmerz. Weil Du es auch zulassen kannst. Weil Du weißt, dass Du es musst. Weil es nur so heilen kann. Weil es Teil des Kampfes ist. Weil es Teil des Verarbeitungsprozesses ist. Weil es Teil von Dir ist.

Und lebe. Lebe, weil Du es kannst. Weil Du es nicht nur mehr für Dich tust. Weil Du alleine eure Pläne umsetzen musst, weil ihr es zusammen nicht mehr könnt. Weil all das, was ihr euch vorgenommen habt, noch immer im Raum steht und ich sehe, merke, spüre, wie sehr Du das alles umsetzen will. Weil es wichtig für Dich ist. Weil Du neue Erinnerungen schaffen musst, die neue Gefühle in dir auslösen. Weil Du leben musst. Weil Du heilen musst.

Lass Dich fallen, aber nie gehen. Lass locker, aber nie los.

Ungesagte Worte an A.

13 Mrz

„Ich bin noch hier, kann dennoch nicht mehr da sein.“ Will ich Dir sagen, kann ich Dir nicht sagen. Nicht gestern, nicht heute, wohl auch nicht morgen. Muss es Dir dennoch sagen, damit wir unser Ende ruhen lassen können. Weil wir nicht mehr aneinander festhalten können ohne uns zu verletzen. Nicht, weil wir uns absichtlich verletzen würden, viel mehr, weil all das, was geschah, uns verletzt. Weil es an jedem Wort haftet, an jedem Blick, an jedem Versuch erneut dieses Ding, das wir einst Freundschaft nannten, aufzubauen.

Und ich will sagen: „Ich kann das nicht mehr. Weil es weh tut. So so so so so weh tut.“ Weil wir uns ansehen, dabei nicht uns, sondern das Vergangen sehen. Weil das alles zwischen uns liegt und nicht beseitigt werden kann. Weil man die Vergangenheit nicht ändern kann. Weil Erinnerungen bleiben. Weil wir waren und nicht mehr sein können.

Du wirst gleich kommen, Dich wortlos in mein Bett legen, Dein Gesicht in meinem Lieblingskissen vergraben, weinen und gleichzeitig an allem verzweifeln. Und ich werde hilflos daneben sitzen, Deine Hand halten und versuchen Dir so irgendeinen Halt geben zu können. Den Du aber nicht finden wirst, den Du wohl lange nicht mehr finden kannst.

Ich werde etwas sagen wollen, doch wird mir die Stimme an meinen Gedanken ersticken. Weil ich weiß, dass Worte nicht helfen können. Weil ich weiß, was Du fühlst. Weil ich weiß, wie weh es tut. Weil Du nur deswegen hier bist. Weil Du weißt, dass ich weiß, wie es ist.

Du kommst. Weil Du nicht mehr weißt, wo Du hin sollst. Weil Du hoffst, hier Antworten zu finden, die ich Dir nicht geben kann. Weil Du erwartest, dass ich irgendetwas sagen kann, dass es besser macht. Weil Du glaubst, dass ich ein Allheilmittel habe. Weil Du nicht alleine sein kannst. Und es dennoch bist. Egal, wo Du bist. Weil Du plötzlich alleine mit Dir selbst bist. Und dagegen keine Gesellschaft hilft.

Du zerbrichst. Und es tut so so so weh.

Ich finde mich plötzlich in der Vergangenheit wieder. Es ist die gleiche Situation, nur dass ich in Deinem Bett liege, weinend, verzweifelnd. Als Du denkst, ich sei eingeschlafen, höre ich Dich mit J. telefonieren und Dich sagen: „Ich kann ihr nicht helfen. Und dabei ist es das Einzige, was ich will. Aber ich kann es nicht. Und es tut so so so weh.“

Und gleich werde ich Deine Hand halten und wissen, ich kann Dir nicht helfen und es wird wieder so so so weh tun. Und ich werde wollen, dass Du gehst. Werde Dich dennoch nicht wegschicken können. Weil der Gedanke, Dich alleine zu lassen, mehr schmerzt als Deine Gesellschaft, als die Erinnerungen, die den Raum füllen werden, als der Gefühlsspiegel, den Du mir vorsetzen wirst.

Wenn Du morgen früh gehen wirst, wirst Du mich wieder nach dem Wie fragen. Und ich werde wieder sagen: „Ich weiß es nicht. Aber es muss einfach. Es muss immer weiter gehen. Weil es gar nicht anders gehen kann. Weil es so ist. Und weil all das, was Du jetzt fühlst, schwächer wird. Und weil noch so viel Gutes auf Dich wartet, das Du nicht verpassen darfst.“