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Blogparade der Leidenschaft

26 Mai

Mathias rief zur Blogparade auf. Das Thema? Ach, ganz einfach, Leidenschaft. Die ja bekanntlich Leiden schafft. So wie dieser Blogpost.

Ich überlegte also. Meine Leidenschaft. Die eine, die große, die alles umfassende. Dann die Frage: Hab ich überhaupt diese eine, diese große, diese alles umfassende Leidenschaft? Laut Mathias muss man eine haben, wenn dem nicht so ist, sollte man umgehend seinen Lebensstil hinterfragen.

Anstatt meinen Lebensstil zu hinterfragen, machte ich etwas, dass ich schon leidenschaftlich gerne mache: ich schrieb eine Liste. Eine Liste an Dingen, die ich leidenschaftlich gerne tue. Die sah dann in etwa so aus:

  • Listen schreiben (mehr fiel mir nämlich anfänglich nicht ein)
  • Kreative Dingensbumsen (Sprich alles, was irgendwie kreativ zustande kommt. Außer Lieder schreiben und diese dann singen. Das tue ich nicht mal meinen Ohren an.)
  • Bücher lesen (Dank Studium zwar nicht unleidenschaftlicher, dafür seltener.)
  • Filme & Serien gucken
  • lästern (so leidenschaftlich gerne, dass ich sogar alle vier Teile von Twilight (YIKES!) gelesen habe, nur um fundierter lästern zu können.)
  • kochen, backen und meine Freunde damit dick machen
  • alleine sein (ja, tatsächlich. Aber das ist sowieso etwas, das seinen eigenen Blogpost verdient.)
  • (nach)denken (exzessiv. Von vorne nach hinten und zurück. Kreuz und quer. Und generell auf englisch.)
  • durch die Gegend laufen und die Welt bestaunen (und so abgelenkt sein, dass ich die Laterne zwei Zentimeter vor meinem Kopf nicht bemerke.)
  • Musik (weil ohne Musik prinzipiell alles doof ist. Und Musik nur dann gut ist, wenn die Lyrics gut sind. Und man sie überinterpretieren kann.)
  • reden (vorzugsweise mit ein bis zwei Personen. Ungern in großen Gruppen. Ungerner vor vielen Menschen. Manchmal auch mit mir selbst.)
  • Wissensbücher (oder Wikipedia. Hauptsache neues Wissen. Nicht nur, weil Wissen generell einfach awesome (mir fällt leider kein deutsches Äquivalent ein) ist, sondern weil man dann auch in Unterhaltungen folgende Dinge einfließen lassen kann: Weißt Du eigentlich, dass wir aus den selben Elemente bestehen wie Sterne? Nämlich wirklich den selben. So ein Stern besteht aus ganz bekannten Elementen, wie zum Beispiel Sauerstoff, Nitrogen und Karbon. Und wenn dann ein Stern explodiert, überzieht er quasi alles in seinem Umfeld mit diesen Elementen. Und mit quasi alles meine ich nicht nur Sterne, sondern auch Planeten. Diese Elemente landn irgendwann auf der Erde. Und aus ihnen entsteht dann irgendwann irgendetwas Neues. Auch wir. Ergo bestehen wir aus Sternstaub. Hah!)
  • renovieren (am liebsten täglich. Ganz ehrlich. Hätte ich das Geld, dann gäbe es jede Woche ein neu renoviertes Haus von mir.)
  • Neues lernen. (auf meiner Sommerliste steht da zum Beispiel Einrad fahren. Man hat ja sonst nichts zu tun.)

Die Liste ging noch elendslang so weiter. Aber den Rest erspare ich euch. Den erspare ich auch mir.

Ich sah diese Liste an. Las sie immer und immer wieder und versuchte diese eine, diese große, diese alles umfassende Leidenschaft rauszupicken. Mit der Erkenntnis, dass ich es nicht kann. Egal, wie leidenschaftlich ich das alles tue, es wird eben nie diese eine, diese große, diese alles umfassende Leidenschaft sein.

Irgendwann beschloss ich dann mich einfach damit abzufinden, dass ich keine große, sondern viele kleine Leidenschaften hatte. Man soll ja auch die kleinen Dinge im Leben schätzen. Dennoch hatte ich das Gefühl, Mathias eine Antwort schuldig zu bleiben. Das wäre, als würde er fragen, wo wir uns auf einen Kaffee treffen wollen und ich ihm 20 Cafés aufzähle. Das funktioniert nicht.

Er wollte eine Antwort. Und lieber Mathias, diese eine Antwort bekommst Du.

Wenn ich mich auf eine Leidenschaft festlegen sollte, kann ich das eigentlich ganz einfach tun. Weil ich die Antwort schon vor dieser Liste eigentlich wusste, nur sie etwas zu platt, zu klischeehaft, zu einfach fand. Das ist sie aber nicht. Eigentlich ist meine Leidenschaft sehr komplex, sehr sprunghaft, sehr unterschiedlich, sehr verwirrend, sehr euphorisch, sehr grandios. Immens, überwältigend und atemberaubend.

Lieber Mathias, meine Leidenschaft? Leben.

Wer mitmachen will, tut es hier!

Manchmal muss man eben springen

2 Mai

Es ist der vierte Tag unserer Reise. Ich sitze auf der Terrasse, trinke Kaffee, während Alex in der Küche steht und uns das weltbeste Frühstück der Welt zaubert. Jay schläft noch und schnarcht so laut, dass ich ihn hier draußen noch höre.

Es riecht nach Kaffee, verbranntem Speck und Meer. So so so viel Meer. Es ist das erste Mal seit drei Jahren, dass ich es sehe. Nicht, weil ich nie die Möglichkeit dazu hatte, sondern weil ich mich ohne ihn nicht getraut hatte. Meer war immer unser Ding. Spontan losfahren, egal wohin, Hauptsache ans Meer. Es ist auch das erste Mal seit drei Jahren, dass ich einfach lachen kann.

„Speck ist alle!“
„Ach, mir reichen auch Eier mit Brötchen.“
„Brötchen sind auch alle.“
„Eier reichen auch.“
„Die sind nicht alle, die sind sogar gut durch.“

Alex setzt sich neben mich und wir essen fast verbranntes Rührei mit zu viel Salz aus der Pfanne. Dennoch ist es das weltbeste Frühstück der Welt. Jay schnarcht noch immer.

„Also? Gehen wir zu den Klippen?“
„Wer kann denn dazu nein sagen?“
„Jay.“
„Wenn, dann schnarcht er es.“

Zehn Minuten später leere ich Jay den letzten Schluck von meinem kalten Kaffee ins Gesicht. Er erschreckt sich so, dass er aus dem Bett fällt. Alex macht etwa hundert Bilder davon.

„Klippen?“
„Erst Kaffee, dann Klippen.“
„Den hast Du im Gesicht.“
„Gibt’s den auch in Tassen?“
„Wenn Du welche im Schrank hast.“

Vier Stunden später erreichen wir die höchste Klippe. Fünfzehn Meter unter mir schlagen die Wellen gegen die Felsen, tausende Meter über mir zieht ein Gewitter auf. Alex und Jay gucken ängstlich über den Rand und überlegen laut, was passieren kann, wenn man runter springt. Währenddessen ziehe ich mir Hose, Schuhe und Shirt aus, gehe einige Meter nach hinten, atme noch einmal tief durch und renne los.

Als ich abspringe, höre ich Alex schreien. „Fuck, Ash!“ Ich fühle mich komplett schwerelos. Darüber, dass ich nicht wirklich schwimmen kann, denke ich erst nach, als ich untertauche. Darüber, dass es nicht klug ist, kurz vorm Sturm ins Meer zu springen, denke ich erst nach, als mich die erste Welle gegen die Felsen drückt.

Doch während ich falle ist mein Kopf völlig leer. Die Zeit scheint kurz still zu stehen. Ich schreie so laut ich kann. Nicht vor Angst, sondern vor Freude. Und sehe nur das Wasser unter mir, den Horizont vor mir. Da eine Welle, dort schwarze Wolken und alles fühlt sich so so so unglaublich an.

Das Wasser ist kälter, als ich erwartet habe. Aber eigentlich hatte ich mir darüber keine Gedanken gemacht. In Wahrheit habe ich mir über diese Aktion insgesamt keine Gedanken gemacht. Ich tauche tief ins Wasser ein, drehe mich im Kreis, weiß kurz nicht, wo oben oder unten ist und dann tauche ich auf. Lachend.

Als die erste Welle auf mich zu kommt, tauche ich unter. Als ich wieder auftauche, erwischt mich eine. Ich versuche wieder zu tauchen, schaffe es aber kaum und werde gegen die Felswand gedrückt. Kurz spüre ich meinen Rücken schmerzen, vergesse es aber sobald, ich die nächste Welle auf mich zu rasen sehe.
Ich tauche unter, presse meine Füße gegen die Felsen und versuche gegen das Gewicht des Wassers zu kämpfen.

Irgendwann schaffe ich es ein Stück die Felswand hochzuklettern und mich an einem kleinen Vorsprung festzuhalten. Dort klammere ich mich fest, bis mich zwei Männer von der Küstenwache dort runter zerren und mich zu einem Boot bringen.

Als wir am Ufer ankommen, werde ich von Alex und Jay empfangen, die so aufgewühlt sind, dass sie mich abwechselnd beschimpfen und fest an sich drücken.

„Bist Du irre? Du kannst doch nicht so einfach springen.“
„Konnte ich eigentlich ganz gut.“

Erst jetzt merke ich, dass meine Knie bluten. Und meine Ellbogen. Und meine Handflächen. Und mein Rücken. Kaum sehe ich die Wunden schmerzen sie auch schon. Doch mein Kopf macht sich darüber keinen Kopf.

„Du blutest.“
„Das tut sie eh einmal im Monat. Da ist ein zweites Mal sicher nicht so schlimm.“
„Orrr, Jay!“
„Alter, Jay. Ich will das gar nicht hören.“

Ich grinse. Alex zerrt mich zu einer ersten Hilfe Station. Jay verdreht die Augen.

„Alter. Wieso tust Du so was?“
„Ich glaube, manchmal muss man einfach springen.“

WirrWarr-Ende.

3 Feb

„Ich mache, was ich liebe. Ich liebe, was ich tue. Ich bin endlich dort angekommen, wo ich hin wollte.“

Es sind solche Sätze, die einen zum Nachdenken bringen, die das Hirn auf Hochtouren arbeiten lassen, die Dich verwirren und glücklich zu gleich machen. Vor allem wenn man davor nie wusste, wohin man gehört und noch weniger, was man vom Leben will.

Davor da war alles ein wages WirrWarr an Leben. Niemand konnte mit mir was anfangen, ich am allerwenigsten. Ich sprang haltlos zwischen Ewigkeiten hin und her, saß mal hier und mal dort, lebte in einem Wirbelsturm aus Herzblut und Angst.
Zu wissen, was man will, war mir sehr suspekt. Wieso wissen, was man will, wenn man doch entscheidungsunfreudig durchs Leben springen kann?

Zukunft war für mich nur ein Wort mit neun Buchstaben. Nichts greifbares und schon gar nichts, was man sich vorstellen könnte. Türen waren nur dazu da, um zu geschlagen zu werden. Wege nur dazu, um versperrt zu werden. Egal, ob von mir oder anderen.

Irgendwann musste aber alles anders kommen. In jeder guten Geschichte gibt es doch diesen Wendepunkt. Dieser Punkt, an dem sich der Protagonist plötzlich in dem Sinn wiederfindet, den er geglaubt hat, verloren zu haben.

Es war der Juli 2010 und ich hielt einen Brief in Händen, der alles bedeutete. Eine Zusage, schwarz auf weiß, die mir nicht nur Türen öffnete und Wege freiräumte, sondern mich auch endlich in meine Richtung katapultierte.

Dieser Zusage ging ein Aufnahmeverfahren voraus, das an all meinen Kräften zerrte und mich in Selbstzweifel stürzte. Nie empfand ich das, was ich tue, als gut genug. Nie zuvor konnte ich sagen, dass das was ich tue, richtig ist, gut ist, Lob verdient.

Eine Mappe, ein acht Stunden langer Aufnahmetest und ein Bewerbungsgespräch später, stand ich verwirrt, aber glücklich in einem neuen Lebensabschnitt. „Wir dürfen Ihnen ja eigentlich noch nichts sagen, aber nächste Woche, wenn Sie den Brief erhalten, ist es ja eh offiziell. Sie müssen also nicht zittern.“, sagte mir mein Studiengangsleiter, als ich schon zur Tür raushüpfen wollte.

Es war die mündliche Zusage, die mir eine Woche später als Brief ins Haus flattern sollte. Und damit fing alles neu an. Mein Leben fand plötzlich einen Reset-Knopf und drückte ihn. Ich war wie verwandelt.

Man nennt mich fanatisch, ich nenne es fantastisch. Weil es das ist. Ich arbeite meist zwanzig Stunden am Tag, weil ich es liebe. Ich steigere mich rein, mache mehr, als verlangt, gebe immer 130%. Weil ich es liebe, weil es genau das ist, was ich immer machen wollte, was ich nebenbei schon immer gemacht habe, aber mich nie als gut empfunden habe. Aber das ist es und es wird mir bestätigt. Von allen Seiten.

Und zum ersten Mal in meinem Leben ist für mich Zukunft nicht nur ein Wort, das aus neun Buchstaben besteht. Zukunft ist etwas Greifbares, etwas Reales, etwas, das ich mir vorstellen kann. Träume sind nicht mehr bloß Schäume, Träume werden real und wahr.

Und ich, ich weiß plötzlich wer ich bin und wo ich im Leben hin will und traue mich auch genau so zu sein, wenn ich unter Menschen bin. Ich bin wieder ein kleiner Workaholic. Ich liebe, was ich tue und tue, was ich liebe. Und bin glücklich. Die Last, die sich Angst vor dem Leben nennt, ist plötzlich nicht mehr da. Ich stehe mit beiden Beinen in diesem Leben und genieße es.

Liebes Leben. Du rockst gerade ganz schön.
Mehr davon.
Unbedingt mehr davon!