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Brief an M.

15 Dez

Meine Süße.

Was für ein Jahr, was für ein Leben. Ich erzähle gerne von Dir, von damals, als Du aus Dir rauskamst. Erinnerst Du Dich? Ich mich sehr gut. Du warst Mutter durch und durch. Ehefrau. Selbstständig. Alles. Immer da, immer am Geben. Nie hast Du was verlangt. Nie hast Du etwas genommen.

Ich war bei weitem kein einfaches Kind. Mehr so ein Debakel. Etwas mehr noch ein „Was zum Teufel ist denn in das Ding gefahren?“-Kind. Noch mehr einfach beschissen. Vor allem zu Dir. Ich kann nichts rückgängig machen. Niemand kann das. Wir haben uns Dinge an den Kopf geworfen. Wütend, schreiend. Ich wollte um jeden Preis etwas demonstrieren, was, das weiß wohl niemand. Anders sein. Mit Gewalt. Zeigen, dass ich nicht so sein will, so sein kann, wie man es sich von mir wünscht.

Ich wollte viel. Alles. Etwas anderes vom Leben. Mehr vom Leben. Was ich am meisten wollte: Grenzen austesten. Grenzen ausdehnen. Grenzen überschreiten. Das war Dir zu wider. Glaube ich. Ich weiß es nicht. Aber es brachte viel mit sich. Auf der einen Seite, dass wir uns gestritten haben, dass wir uns fast die Köpfe abgerissen haben, auf der anderen, dass ich heute weiß, dass ich Grenzen nicht als solche erachte. Weil sie einen aufhalten, einengen. Das, mein Liebe, das habe ich von Dir gelernt.

Denn Du hast mir gezeigt, dass es nicht nur Grenzen gibt, die einen von der Gesellschaft gesteckt werden, sondern auch Grenzen, die man sich selbst steckt. Und Du hast mir gezeigt, dass man selbst die durchbrechen kann.

Vor einigen Jahren, ich weiß nicht genau, wann das war. Ich war schon immer fürchterlich mit Daten. Da, da hast Du Deine Grenzen eingerissen. Die Grenzen, die Du Dir selbst gesteckt hast. Du warst für uns da. Aber nie für Dich. Und dann plötzlich. 180 Grad. Kaboom. Grenzen und Mauern eingerissen. Du hast gegen Dich gekämpft und gewonnen. Du bist aus Dir herausgekommen. Bist rausgegangen. Bist aufgelebt. Ich habe es Dir nie gesagt, aber ich habe Dich immer dafür bewundert.

Du bist eine wahnsinnig starke Frau. Warst Du schon immer. Und irgendwann hast Du es auch der Welt gezeigt. Man sagt, man muss sehr hell leuchten, sonst blendet man nicht. Und Du, meine Liebe, Du blendest sie alle in Grund und Boden. Du warst immer Sonne für mich. Immer Ruhepol. Immer Ehrgeiz und Vernunft. Aber vor allem eins: für mich warst Du immer Liebe. So so so so viel Liebe.

Du hast so viele Talente. Du schreibst, Du fotografierst, Du malst, Du lachst, Du inspirierst, Du kannst sogar rechnen, ey, das kann heute doch niemand mehr, Du strahlst und blendest, Du gibst Kraft, Du gibst Stärke, Du gibst Hoffnung. Aber Dein größtes Talent war es schon immer zu lieben. Es ist unglaublich, wie gut Du es kannst. Wie viel Du davon gibst. Wie viel Liebe Du ausstrahlst. Noch nie habe ich einen Menschen gesehen, der Liebe so gut lebt, wie Du es tust. In einer Zeit, in der nichts bleibt, in der alles im ständigen Wandel bist, da bist Du der Ruhepol, der mit weit ausgestreckten Armen auf mich wartet und mich, egal, wie beschissen ich bin, liebt. Ohne Wenn, ohne Aber.

Ich weiß, ich sitze gerne zwischen den Stühlen und in den Nesseln. Aber ich liege auch gerne goldrichtig. Ich stehe manchmal überall, manchmal neben mir, manchmal vor dem Nichts, manchmal am Pranger, manchmal auf dem Sprung. Aber egal wo ich stehe, Du, Du stehst immer neben mir.

Ich hätte Dir dies alles schon längst sagen müssen. Aber Du weißt, ich bin nicht gut darin, diese Art der Gefühle offen auszusprechen. Aber schreiben, schreiben das kann ich. Und es war nötig und verdammt noch mal viel zu spät. Aber, meine Süße, ich danke Dir. Für alles. Dafür, dass Du mir nicht nur Dinge gelehrt hast, sondern vor allem dafür, dass Du mir zeigst, dass Liebe alles meistern kann.

Ich wünsche Dir, nicht nur zu Weihnachten, sondern für Dein Leben, dass Du alles, was Du Dir vornimmst erreichst, dass Du glücklicher als nur glücklich bist, dass Du leuchtende Farben im Grau findest, dass Du Liebe an Orten findest, die verlassen scheinen, dass Du lachst und weinst, dass Du Dinge erlebst, die Deine Welt bewegen, dass Du ganz oft Dein Fernweh stillst, dass Du Ruhe im ohrenbetäubenden Lärm findest, dass Du vor Glück weinst, dass Du keine Angst vor irgendwas hast, dass Du Menschen triffst, die Dich berühren, bewegen und inspirieren, dass Du, egal wie viel Du hast, alles hast, dass Du bleibst wie Du bist, dass Du auf Dich achtest und Dich in den Vordergrund stellst, dass Du das Leben in der Welt und die Liebe bis zu Deinen Zehenspitzen spürst, dass Du tanzend durch die Straßen läufst, dass Du immer ein Motiv hast, auch wenn Du gerade keine Kamera zur Hand hast, aber vor allem, dass Du, meine Süße, dass Du das Leben Deines Lebens hast.

Liebe.
Ganz viel Liebe.

Dein Pumuckel.
Der ich immer sein werde, auch ohne komische Haarfarbe.

Mädel, wir sind keine Haushaltsgeräte.

26 Jun

Es ist ein Uhr Nacht. Ich sitze am Fenster. Das Glas Wein in der einen Hand, die erdrückende Stille in der anderen, die Nachtfalter schwirren um meinen Kopf, die Gedanken in ihm. Und diese Melancholie, die sich nur nachts einschleichen kann, mitten im Herz.

Alles in allem war es ein produktiver, aufschlussreicher Abend. Einer dieser Abende, an denen man sich ein Stück besser kennenlernt. An denen man wieder zu schätzen lernt, was manche Menschen für einen tun. Heute war es Noah. Einer dieser grandiosen Menschen, die man viel zu selten sieht. Einer dieser grandiosen Menschen, die mich brutal durchschauen.

Während wir über das Leben, aber vor allem meines sprechen, bekommt er im 30-Minuten-Takt kleine Nachrichten von seiner Frau. Und er lächelt. Jedes Mal. Eines dieser Lächeln, die so ehrlich und glücklich sind, dass man einfach anfangen will zu weinen. Mein gesunder Pessimismus würde ihn jetzt hassen, einfach dafür, wegen diesem Lächeln und dem dahinter verborgenem Glück. Aber doch kann ich es nicht. Weil es Menschen gibt, die so glücklich sind, dass man ihnen dieses Glück nicht zerstören will und schon gar nicht kann. Und ich höre mich sagen, so ehrlich wie noch nie zuvor: „Ich bin so unbeschreiblich glücklich für euch.“

Das meinte ich letztens schon einmal, da zwar auch ehrlich, aber doch mit einem „fickt euch doch alle“-Beigeschmack, als mir mein Ex-Freund erzählte, wie glücklich er doch mit seiner neuer Freundin sei. Und ich sagte: „Ich freue mich so unbeschreiblich für Dich.“ Ich denke: „Ich freue mich so unbeschreiblich für ihn.“ Weiß aber doch, dass ich diesen Wettkampf, von dem keiner spricht, den aber jeder führt, verloren habe: Wer ist zuerst wieder glücklich? Und da war es nun mal nicht ich. Mal wieder.

Noah schimpft über die Männer, die mich haben gehen lassen, sagt aber im selben Satz noch: „Weißt Du? Dieses große Ganze, das am Ende Sinn ergibt? Dazu führt das alles. Die Deppen wissen es zwar nicht, aber ließen sie Dich bloß gehen, weil da noch jemand auf Dich wartet. Jemand, der dieses große Ganze vollständig macht.“ Und ich frage mich und ihn: „Aber wenn ich Teil dieses großen Ganzen sein könnte, werde oder auch bin, wieso will dann niemand der andere Teil sein? Das ist ja völlig unlogisch.“ Und dann sagt er, mit seiner sanften Stimme, die immer mitten durch mich hindurch schneidet: „Weil Du nicht Teil ihres großen Ganzen sein konntest, genau wie sie nicht Teil Deines großen Ganzen sein konnten.“ Also mal wieder diese Leier von Topf und Deckel, sage ich und er lacht und sagt: „Mädel, wir sind keine Haushaltsgeräte.“ Da mag er vielleicht Recht haben, trotzdem fühle ich mich gerade wie die Tupperware-Box in meinem Schrank, die vor Jahren ihren Deckel verloren hat und nie wieder findet wird.

Man bekämpft sich unbewusst, sagt er, wenn man nicht zusammenpasst. Solange, bis man sich trennt. Weil irgendetwas nicht stimmt und das unausgesprochen zwischen den Herzen liegt. Man liebt nie ganz, weil man unbewusst weiß, dass es ein getrenntes Ende geben wird. Noch schlimmer ist es, wenn man es weiß. Das unbekannte Ablaufdatum einer Auf-Zeit-Beziehung.

Noah geht. Irgendwann vor Mitternacht. Als es am einsamsten wird.
Noah geht mit den Worten: „Alles, meine Liebe, Du bist alles und Du wirst sehen, irgendwann kommt jemand, der auch Dein Alles sein kann.“

Guckt! Der Frühling klopft an!

19 Mrz
  • morgens aufwachen und plötzlich wieder Vögel zwitschern hören
  • zu Mittag mit Kaffee, Zigarette & guter Laune in der Sonne sitzen
  • die ersten Schneeglöckchen im Garten
  • die Katze, die es morgens kaum abwarten kann, endlich ins Freie zu kommen
  • .. und Dir abends eine Maus vors Bett zu legen
  • abends am Balkon noch eine rauchen & nicht kurz vorm Erfrierungstod stehen
  • Frühlingskleider!
  • der erste Marienkäfer, der sich plötzlich auf Deine Hand setzt
  • .. und der erste Schmetterling, der an Dir vorbeifliegt
  • dieses Kichern, das nicht weggehen möchte
  • Frühlingsgefühle, die in Verbindung mit Frühling noch viel schöner sind
  • volle Spielplätze & das Lachen von Kindern
  • die Füße in den Fluss stecken & es augenblicklich bereuen, weil es doch noch zu kalt ist
  • die Vorfreude auf Erdbeerfelder
  • die Winterjacke ganz tief im Schrank verstauen
  • nächtliche Spaziergänge
  • abends mit einer Flasche Wein am Schlossberg sitzen, über Graz sehen & die Stille genießen
  • der Geruch von Blumen
  • verliebte Pärchen, denen man einmal im Jahr und das nur am 1.Frühlingstag, ihr Glück gönnt
  • morgens von der Sonne geweckt werden
  • .. und mit ihr um die Wette strahlen
  • und dann ganz laut „Fick Dich, Winter! Nein, eigentlich liebe ich Dich, aber unsere Beziehung funktioniert nie länger als vier Monate pro Jahr.“ brüllen.
  • .. und gleich danach „FRÜHLING! Zeig mir das Leben!“ schreien

zum Thema „weird“

14 Mrz

Der glücklichste und traurigste Tag in meinem Leben.

7 Mrz

Ihr Herzen. Heute für euch der wundervolle Malte, der nicht nur twittert und bloggt, sondern sich auch ganz schnell in kleinen, österreichischen Facellaherzen einnistet.

Aufbauend auf einem Zitat aus dem Buch „Die Geschichte der Liebe“ von Nicole Krauss, hat er hier etwas für mich, für euch, aber vor allem für sich selbst geschrieben. Zurücklehnen, lesen, genießen.

 

„Ganz und gar nicht. Die Tatsache, dass du heute etwas glücklicher geworden bist, ändert nichts an der Tatsache, dass du auch etwas trauriger geworden bist. Jeden Tag wirst du beides etwas mehr, was bedeutet, dass du genau jetzt, in diesem Augenblick, so glücklich und so traurig bist, wie noch nie in deinem Leben.“

 

Ich habe lange über diesen Satz nachgedacht.
Verstanden habe ich nicht.
Es gab in meinem Leben schon glücklichere Tage als heute.
Es gab in meinem Leben auch schon traurigere Tage als heute.
Wenn man aber jetzt das gesamte Glück und die gesamte Trauer meines Lebens zusammennimmt und dann diesen Tag drau fpackt, dann ist das tatsächlich der glücklichste und gleichzeitig traurigste Tag in meinem Leben.

Vielleicht ist es in mir drin, das gesamte Glück meines noch jungen Lebens.
Es ist in meinen Erinnerungen an die wundervollen Momente, in denen alles leicht war und bunt und die mir viel bedeuten.
Es ist in meinen Träumen.
In den Träumen, die ich vergessen habe, denen die ich aufgegeben habe, den Träumen, die ich verwirklichen konnte und den Träumen, die noch zu Momenten und schließlich zu Erinnerungen werden sollen.
Vielleicht ist sie in mir drin, die Trauer.
In den Erinnerungen an die Momente, in denen ich keinen Ausweg gesehen habe und in den Erinnerungen an die Momente, in denen ich nicht mehr nach einem Ausweg gesucht habe.

Heute war ein guter Tag.
Der Himmel war blau, die Luft warm.
Ich war einen großen Teil des Tages mit meinem Hund im Wald spazieren.
Ich habe ein Kind lachen gehört und konnte das Glück seines Vaters in dessen Augen erahnen.
Ich habe Musik wiederentdeckt, die ich vor langer Zeit verloren hatte.
Ich habe einen Teil meines Lebens geteilt, mit den Menschen die mich verstehen.
Dieser Tag war voller Glück.
Voller kleiner, guter Momente, an die ich mich schon bald nicht mehr erinnern werde.
Dieser Tag war nur selten traurig.
Als das kleine rote Auto vor der Einfahrt stand und ich für einen Moment glaubte, in dem Auto säße meine Mutter und würde mich abholen.
Nach diesem kurzen Moment des Glücks kam ein Moment der Trauer.
Aber dieser Moment war auch nicht sehr lang.
Heute war kein Tag für Trauer.

Ich habe dieses Zitat oft gelesen.
Ich habe es nicht verstanden.
Man muss es, glaube ich, nicht verstehen.
Jeder kann dieses Zitat anders deuten.
Ich glaube, dass es nicht darauf ankommt, ob das heute der glücklichste Tag in meinem Leben war, ob es ein Tag war, der bereits lange vergangen ist oder ob es ein Tag sein wird, der noch vor mir liegt.
Ich glaube, es kommt darauf an, am Ende jeden Tages, ein bisschen mehr glücklich zu sein und nicht ganz so sehr viel mehr traurig.
Jeder Tag mit Glück ist ein guter Tag.
Und wenn ich dann am Ende meines Lebens, mehr Glück erleben durfte als Trauer, dann hatte ich gutes Leben.

I’m Here

6 Mrz

Liebe sollte ein bisschen so sein.


I’m Here – A Love Story In An Absolute World

Vom Suchen und Finden.

6 Mrz

Ausschlaggebend hier für ist ein Gespräch mit meiner Mutter, viel mehr der Inhalt dessen.

„Kannst Du Dich noch an Ellen erinnern?“, fragte sie mich plötzlich. Natürlich, liebe Mutter, habe ich sie doch erst vor ein, zwei Jahren das letzte Mal gesehen. Ellen und ich, wir waren wohl das, was man Sandkastenfreunde nennt. Ich erinnere mich an riesige, schiefe Sandburgen, an Abendteuerspielen im Wald, an fast ertrinken im Moor, an erste Schultage, an erste gebrochene Knochen und Herzen. Daran, wie wir in unserer Lieblingsbuchhandlung über zwanzig Magazinen saßen und die perfekte Hochzeit planten. Daran, wie wir Männer anhand von bunten Post-Its uns gegenseitig erklären versuchten. An Träume, Hoffnungen, Tränen, Lachen. An eine wundervolle Freundschaft, die das Leben etwas auseinander gerissen hat.

„Ihre Mutter hat mir gestern erzählt, dass sie sich verlobt hat.“, höre ich dann plötzlich und spüre dieses kleine, fiese Stechen im Herzen. Nicht, dass ich nicht momentan von Hochzeiten, Babyparties und Shoppingtouren für eben solche Events umgeben wäre, dennoch war es irgendwo ein Schlag ins Gesicht. Vielleicht, weil sie die erste in meinem Alter ist, die plötzlich verlobt ist. Vielleicht, weil wir so viel zusammen gemacht haben und dann plötzlich zwei so unterschiedliche Wege eingeschlagen haben. Vielleicht, weil ich neidisch bin. Vielleicht.

Und dann sagen ich vorhin: „Du musst aufhören zu suchen, aufhören so krampfhaft versuchen glücklich zu sein.“ und realisierte es plötzlich selbst und dazu gleich noch etwas anderes: Denn eigentlich ist alles gut so, wie es gerade ist. Weil ich glücklicherweise auch alleine glücklich sein kann. Weil zu meinem Lebensglück niemand gehören muss. Weil ich das alles ganz gut mit mir selbst klären kann. Und weil ich ganz gut mit mir selbst glücklich sein kann.

Und man sowieso nichts findet, wenn man es sucht. Mein Ersatzschlüssel zum Beispiel. Ich wusste immer, dass er hier irgendwo rumliegen muss und habe gesucht und gesucht. Also nicht nur oberflächlich. Irgendwann, es war spät nachts, Twitter war vielleicht schon erfunden, aber noch nicht fixer Bestandteil meiner Favoritenliste, habe ich angefangen systematisch mein ganzes Reich auf den Kopf zu stellen. Schublade auf, Inhalt raus, wühlen, nichts finden, alles wieder zurück stopfen. Ich habe etwa vier Stunden gesucht. An allen erdenklichen Orten. In allen Schubladen, Taschen, Boxen, Jacken, Schuhkartons, selbst den Kühlschrank habe ich auf den Kopf gestellt.

Ein Jahr später, als ich nach einigen stressigen Wochen etwa fünf Kilo leichter war und mir sämtliche Klamotten zu groß waren, schnappte ich mir meine alte Lieblingsjeans, stellte erstaunt fest, dass sie mir wieder passt und stellte erstaunter fest, dass sich in der linken Hosentasche mein Zweitschlüssel befand.

So ist das nämlich mit dem Suchen und dem Finden.
Und so ist es eben auch ganz oft mit dem Leben.

Man muss Suchen beenden, um finden zu können.

Kopfkrankheit: Verlieben.

30 Jan

Ihr Herzen! Heute ein Gastbeitrag von dem werten Herrn @kotzend_einhorn. Der übrigens hier auch bloggt.

Facella bat mich etwas über Kopfkrankheiten der heutigen Gesellschaft zu schreiben. Und ich dachte, ich widme mich dem schlimmsten Ungetüm von allen, dem Verliebt sein.

Versteht mich nicht falsch, ich verliebe mich gerne, wenn es klappt. Ich verliebe mich anderseits nicht häufig, was wohlmöglich ein Fehler sein mag. Denn wenn ich es tue, will ich Dich fressen. Mit Haut und Haaren. Das kann durchaus recht anstrengend sein, nicht nur für Dich, sondern auch für mich. Wenn es dann auseinanderbricht – und glaub mir, das wird es – dann sterbe ich, und da ich dann ein wenig Arschloch bin werde ich Dich teilhaben lassen. Am Zerfall. Während mein Herz so verrottet schicke ich Dir Bilder von jedem Stadium. Das Schönste wird das sein, wo sich allerlei Gewürm über die mickrigen fauligen Überreste hermachen.

Die Ironie an der Sache, das Scheißteil wächst immer nach und dann passiert das alles wieder. Verfickte Biochemie, denn seien wir ehrlich, Verliebt sein ist keine Magie. Da ist nichts Mystisches dran. Man lernt jemanden kennen und die Floskel „man kann sich gut riechen“ trifft es ziemlich genau. Dann setzen die körperlichen Dinge ein. Kribbeln und so weiter. Verliebt sein ist so ähnlich wie eine Zwangserkrankung. Menschen, die sich 100-mal am Tag die Hände waschen, ständig putzen oder Schlösser kontrollieren, weisen eine ähnliche Hirnchemie auf wie Verliebte. Teile des Gehirns werden lahm gelegt und andere aktiviert. Vor allem Bereiche im limbischen System, so wie beim Kokainkonsum. Es gibt Überlappungen zwischen Liebe und Sucht. Und wie das so mit Junkies ist, die Typen nerven tierisch. Verliebte auch.

Und dann nach einer Zeit die ausreicht um sich kennenzulernen, ein Kind zu zeugen und wieder abzuhauen, ist alles wieder vorbei. Es gibt kaum was Schlimmeres als jemanden zu verlieren, der neben einem liegt. Ein Freund sagt, er verliebt sich nicht mehr, weil er dann ein Idiot wäre. Bin ich auch, sind viele, vielleicht jeder. Eine Freundin dagegen ist süchtig nach dem Verliebt sein und meint, dieses Gefühl müsse ewig bestehen. Sobald es nachlässt beginnt sie mit der Suche nach jemand Neuem, nur um es wieder zu fühlen. Ich dagegen, ich hab entdeckt, dass nach dem Verliebt sein manchmal was viel Besseres kommt. Allerdings nur, wenn alles gut läuft, wenn man sich anstrengt und weiß was man aneinander fand. Ich mag das Wort Liebe dafür nicht, es ist überstrapaziert, ich habe mal ein neues Wort dafür erfunden. Das haben die Leute dann auch missbraucht und vergewaltigt. Es ist egal wie Du das Danach nennen magst. Dir sollte klar sein, dass das Danach weniger aufregend ist, weniger kribbelt und all das. Aber das ist okay. Und es ist so verdammt erstrebenswert und lass Dir das von jemandem sagen, der das schon versaut hat: Halt Dich dran. Gebe Dir Mühe, halt Dich daran fest, aber klammer nicht. Arbeite dafür, es wird sich lohnen. Und sei es nur für einen Tag.

Und das alles wäre auch gar nicht so schlimm und so problematisch, wäre da nicht dieser Virus. Diese blöde Krankheit, die sich ausbreitet wie ein Feuer im Buschland. Ein dreckiges Ungetüm, nervtötend, triefend und eklig. Aber da musst Du durch um an das Bessere zu kommen. Ihr nennt es Verliebt sein, ich suche noch nach einem Wort dafür. Bisher gefällt mir Passion.

Liebe ist alles

14 Jan

Therapie, Teil 2 – Februar 2010

„Ich kann nicht lieben und will es ehrlich gesagt auch nicht mehr.“, höre ich mich sagen und weiß, dass es eine Lüge ist.

Mein Therapeut schreibt es nieder, sieht mich an, durchschaut mich. Aber tut so, als würde er mir glauben.

Die Wahrheit ist, dass ich davor Angst habe. Vor der Liebe, vor dem Leben und vor dem ganzen dreckigen Rest. Aber das sage ich ihm nicht, denn so weit öffnen kann ich mich ihm nicht. So weit öffnen kann ich mich eigentlich niemandem.

Das mit der Liebe habe ich schon versucht, so ist es nicht. Den einen hab ich verloren, weil ich ihn nicht am Leben festhalten konnte. Den anderen habe ich verlassen, weil er meine Liebe nicht zu schätzen wusste.

Was blieb ist ein Loch. Ein Riss im Herzen. Eine Leere in mir. Aber das sage ich meinem Therapeuten auch nicht. Eigentlich sage ich ihm nicht viel, aber das was ich sage, schmücke ich mit vielen Wörtern. Es ist meine zweite Sitzung bei ihm und er beschreibt schon den vierten Din-A4-Bogen. Eine Diagnose will er noch nicht stellen. Mein alter Psychiater war da um einiges schneller. Nach einem fünfminütigen Gespräch mit mir, nahm er meine Mutter zur Seite und sagte ihr, ich sei hochgradig schizophren und sollte umgehend eingeliefert werden. Wie er zu dieser Diagnose kam, wollte (und konnte) er ihr aber nicht sagen.

Mein erster Kaffee ist bereits leer. Aber ich habe vorgesorgt. Noch zwei Becher stehen vor mir. Er fragt mich plötzlich nach dem Grund meine gescheiterten Beziehungen. Und ohne meine Antwort zu überdenken, sage ich: „Die einzige Konstante bin ich. Ergo bin wohl ich der Grund.“ Kaum hab ich es ausgesprochen, versuche ich Wahrheit darin zu sehen. Erkenne sie jedoch nicht. Denn eigentlich war ich nie Schuld. Zumindest nie alleine.

Die Wahrheit ist, dass ich mir zu oft die Schuld gebe. Als D starb, fühlte ich mich schuldig. Es waren nur ein paar Wörter, die ich schlussendlich so verinnerlicht hatte, dass es schwer war, mich selbst des Gegenteils zu überzeugen: „Hätten wir uns nicht gestritten, wäre er in dieser Nacht nicht zu mir gefahren, hätte er nicht diesen Unfall gehabt, wäre er nicht gestorben.“ Das Furchtbarste an der Sache war, dass ich die Einzige war, die mir die Schuld gab.

Es gibt Tage, an denen ich mir nicht mehr die Schuld gebe. Weder an Ds Tod, noch an meinen gescheiterten Beziehungen. Aber es gibt auch Tage, an denen mich die Schuld erdrückt. Aber das sage ich meinem Psychiater auch nicht. Ich sage nur: „Wenn man es genauer betrachtet, ist nie nur einer alleine schuld. Auch ich nicht.“

Ich versuche eine Antwort zu finden. Versuche die Liebe und ihre Bedeutung für mich zu erklären. Es reduziert sich auf ein Wort: Alles. Denn Liebe ist alles.