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Streitkultur 2.0

18 Nov

Ich gebe zu, ich bin sehr streitlustig. Obwohl dieses Wort ja eigentlich zu negativ belastet ist. Was ich damit eigentlich sagen will: Ich streite zwar nicht gerne oft, wenn dann aber gerne. Ich streite laut, ich streite manchmal nicht sonderlich fair, was aber ein anderes Thema ist, und ich streite bis zum bitteren Ende, was meistens entweder einfach bedeutet, dass man sich ausgestritten hat und das Problem aus der Welt geschafft ist.

Aber es soll hier ja nicht um meine Streitkultur gehen.

Könnt ihr euch noch erinnern, ihr wart vielleicht 12-13 Jahre alt und bei einem Freund zu Besuch. Plötzlich kam seine Mutter rein und schrie: „Wieso hast Du Dein Zimmer nicht aufgeräumt? Und wo sind Deine Hausaufgaben? Und wieso hast Du den Müll nicht rausgebracht? Und wieso bist Du eigentlich so ein undankbares Kind?“ Was habt ihr gemacht? Genau, den Boden angestarrt und gehofft, dass ihr nicht mit rein gezogen werdet.

Etwas später ist man dann irgendwann bei einem Pärchen zu Besuch und wie das halt so ist, streiten sich Pärchen gerne, selten aber im Beisein von Zeugen. Aber dann passiert es plötzlich doch. Dann schreit die Freundin: „Wieso hast Du den Müll nicht runtergebracht? Und wieso hast Du gestern diese Frau angeguckt? Findest Du sie hübscher als ich? Willst Du etwa mit ihr schlafen?“ Woraufhin er nur antworten kann: „Hmpf.“ Und ihr, ja, ihr sitzt daneben, macht euch extrem klein auf eurem Stuhl und hofft nichts mehr als, dass ihr nicht mit eingebunden werdet. Wer will schon nach seiner Meinung gefragt werden, wo die eigentlich nichts zu suchen hat.

Was ich hier etwas deutlich demonstrieren versuchte: Ich habe wenig Interesse daran, Zeuge eines Streits zu werden, bei dem ich nicht teilnehme. Nicht mein Streit und schon gar nicht mein Bier.

Nicht ganz so unwohl, aber dennoch Fehl am Platz fühlt man sich, wenn man in die Timeline sieht und sich Leute dort ankeifen. Oder einfach Beleidigungen rausgeworfen werden. Hauptsache jeder sieht es, jeder bekommt es mit. Oh, vielleicht springt ja sogar der ein oder andere Fave dabei raus, vielleicht sogar ein Retweet. Party.

Macht das per DM. Wenn ihr euch nicht folgt, schreibt euch Facebooknachrichten und Mails. Wenn ihr weder auf Facebook miteinander befreundet seid, noch die Mail-Adressen voneinander habt, dann frage ich mich nur eins: Wieso zum Teufel streitet ihr dann überhaupt?

Ich für meinen Teil streite mit Leuten, die ich kenne und schätze. Weil streiten nicht nur bloßes Rumgeschreie und Beleidigen ist, sondern vor allem eins: Problemlösung. Quasi der Sturm nach der berüchtigten Ruhe, auf den wieder eine gewisse Ruhe folgen sollte. Für diese Post-Sturm-Ruhe bedarf es eben eines Sturms.

Wenn ich Leute weder sonderlich mag noch wirklich kenne, interessiert es mich nicht, mich mit denen zu streiten. Da ist mir sogar eine Beleidigung zu viel Energieverschwendung. Und ganz ehrlich, wenn mich jemand beleidigt, der mich nicht kennt, wünsche ich ihm viel Spaß dabei und lache drüber. Weil mich das letztendlich nur zu einem Schluss kommen lässt: der Streitsuchende hat a) Langeweile, b) zu wenig Leben  und c) wohl kaum Freunde. Und wahrscheinlich noch ein absurdes Geltungsbedürfnis, das er nur durch das Beleidigen anderer Individuen artikulieren kann.

In diesem Sinne: Lasst das Streiten oder macht es dort, wo es hingehört: unter vier Augen.